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Top-Banker reden Fusionswelle herbei - "Kleinstaaterei"

Veröffentlicht am 31.08.2016, 15:28
Aktualisiert 31.08.2016, 15:28
© Reuters. Deutsche Bank Chief Executive Cryan attends a news conference in Frankfurt

Frankfurt (Reuters) - Die lange erwartete Welle von Übernahmen und Zusammenschlüssen unter den europäischen Banken rückt näher - jedenfalls in den Gedankenspielen wichtiger Entscheider.

Am Mittwoch sprach sich erstmals Deutsche-Bank-Chef John Cryan offen dafür aus, dass die Institute ihre Kräfte bündeln. "Wir brauchen weitere Zusammenschlüsse - auf nationaler Ebene, aber eben auch über die Landesgrenzen hinweg", sagte der Brite auf der Tagung "Banken im Umbruch" in Frankfurt. "Nur dann können wir auf Dauer wirtschaftlich arbeiten. Und nur dann können wir international mithalten." Die "Kleinstaaterei" in Europa müsse ein Ende haben, auch in Deutschland gebe es zu viele Geldhäuser.

Ein Zusammenschluss der mitten in der Sanierung steckenden Deutschen Bank (DE:DBKGn) mit der Commerzbank (DE:CBKG) ist für Cryan aber keine Option: "Wir wollen die Deutsche Bank eigentlich kleiner und einfacher machen." Börsianer ließen trotzdem ihre Fantasie spielen und griffen bei den zuletzt gebeutelten Finanztiteln zu: Die Aktien der Deutschen Bank verteuerten sich um drei Prozent, die der Commerzbank um vier Prozent. Beide waren Spitzenreiter im Dax.

Die Debatte darüber, dass die europäischen Banken gerade im Vergleich zu den US-Rivalen nicht schlagkräftig genug sind, schwelt schon länger. Wegen der wohl noch Jahre anhaltenden Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) stehen die Institute diesseits des Atlantiks besonders unter Druck, während die US-Notenbank Federal Reserve schon wieder eine Zinserhöhung diskutiert. Doch viele Analysten bemängeln, zahlreiche Probleme der europäischen Institute seien auch hausgemacht. So hätten sie nach der Finanzkrise viel zu langsam ihre Bilanzen aufgeräumt und ihre Kapitaldecke gestärkt. Bei den deutschen Großbanken ist die Lage besonders brisant, sie fallen im internationalen Vergleich in Sachen Rendite und Börsenwert immer weiter zurück. Eine Industriepolitik für den Finanzsektor gibt es nicht, obwohl der Bund über seine Beteiligung bei der Commerzbank eigentlich ein gehöriges Wort mitreden könnte, kritisieren Experten.

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ERSTMAL MIT SICH SELBST BESCHÄFTIGT

Cryan, der die Deutsche Bank seit Juli 2015 führt, machte keinen Hehl daraus, dass sein Haus vom Branchenprimus zum Sorgenkind geworden ist. Den Anfang bei der Konsolidierung müssten daher auch die kleineren Häuser machen. Die Deutsche Bank habe noch sehr viele Hausaufgaben zu erledigen, bevor sie wieder an Übernahmen oder Fusionen denken könne. Dazu zählen vor allem die Abarbeitung milliardenschwerer Rechtsstreitigkeiten, die Stärkung der Kapitalpuffer und der Verkauf der Postbank - damit der Konzern wie geplant schrumpfen kann, um die strengeren Anforderungen der Regulierer zu erfüllen. Das "Manager Magazin" hatte zuvor ohne Angabe von Quellen berichtet, bei Deutschlands größtem Geldhaus habe es intern Überlegungen "in einem sehr frühen Stadium" gegeben, mit der Commerzbank zusammenzugehen.

Der neue Commerzbank-Chef Martin Zielke stimmt zwar mit Cryan darin überein, dass es zu viele Banken auf dem Heimatmarkt gibt. Er betonte aber, Spekulationen über einen Zusammenschluss mit der Deutschen Bank seien "müßig". Zielke selbst, seit dem Frühjahr am Ruder, muss demnächst erst einmal eine neue Strategie für die Commerzbank präsentieren. Wie bei der Deutschen Bank dürfte Sparen im Vordergrund stehen.

Sobald die Rosskuren abgeschlossen sind, seien Fusionen unter Großbanken durchaus möglich, sagen einige Analysten. Derzeit müsse die Deutsche Bank noch aufpassen, dass sie angesichts des Verfalls des Aktienkurses nicht selbst zum Übernahmeziel werde. Aber mittelfristig sei beispielsweise ein Zusammengehen auf Augenhöhe mit der Credit Suisse (SIX:CSGN) möglich. Dem erteilte deren Verwaltungsratschef Urs Rohner auf der Konferenz jedoch eine Absage. Der Plan würde schon an den Regulierern scheitern, erklärte er. "Das ist ein Ding der Unmöglichkeit".

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SPARKASSEN MOSERN - "GROSSBANKEN SIND GIFT"

Sparkassen-Chef Georg Fahrenschon kann das gut nachvollziehen: "Größer ist automatisch gefährlicher – insofern gilt: small ist beautiful." Seiner Meinung nach sind Zusammenschlüsse kein Patent-Rezept, um die Probleme der Branche zu lösen. In der Finanzkrise habe sich gezeigt, dass zu große Kreditinstitute, die sich von ihren Kunden entfernten, "Gift für die Stabilität von Finanzmärkten" seien. Im öffentlichen Bankensektor - es gibt noch immer mehr als 400 Sparkassen - sieht Fahrenschon keinen Bedarf für eine schnellere Marktbereinigung. Auch bei den großen Landesbanken – LBBW, BayernLB, NordLB und Helaba - zeichnet sich keine Konsolidierung ab.

Nach Einschätzung von Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), ist die Not noch nicht groß genug. Die Niedrigzinsen, hohe Regulierungskosten, eine fortschreitende Digitalisierung und die demografische Entwicklung seien aber eine gefährliche Mischung. "Das ist ein Cocktail, der in den kommenden Jahren immer mehr Druck auf die Ertragslage der Banken ausüben wird. Und wenn der Druck hoch ist, wird es zu einer weiteren Marktbereinigung kommen", sagte Kemmer im Reuters-Interview.

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