Alles sprach in der abgelaufenen Handelswoche dafür, dass der Deutsche Aktienindex die psychologische Schallmauer von 14.000 Punkten zumindest einmal testen würde. Aber dann kam es wie so oft an der Börse: Wenn eine große Mehrheit etwas erwartet, passiert meist das Gegenteil. Schon unterhalb der runden Marke machte der Markt wieder kehrt und verlor zunächst rund 300 Zähler, bevor er sich zunächst stabilisieren konnte. Für eine Wiederaufnahme des Aufwärtstrends braucht der DAX nun jede Menge positive Impulse, ansonsten droht bei einem saisonal schwächeren Handelsvolumen vor allem unter der technischen Unterstützung bei 13.550 Punkten ein weiteres Abrutschen.
Nach einer überraschend zweistelligen Teuerungsrate in Großbritannien im Juli sind zunächst die Inflationssorgen wieder aufs Börsenparkett zurückgekehrt, während die US-Notenbank in ihren Sitzungsprotokollen keinen Hehl daraus machte, dass sie an ihrer restriktiven Geldpolitik festhalten und eine weitere Zinserhöhung im September folgen lassen wird. Wenn man etwas Positives herauslesen will, dann dies: Die Fed ist geneigt, den Fuß eventuell etwas vom geldpolitischen Bremspedal zu nehmen. Das heißt, dass wir vermutlich keine dritte Erhöhung um 75 Basispunkte nach der Sommerpause sehen, sondern nur einen halben Prozentpunkt.
Vielleicht lässt sich US-Notenbankchef Jerome Powell ja im jährlichen „Who‘s Who“ der internationalen Geldpolitik in Jackson Hole, das am kommenden Freitag startet, etwas in die Karten blicken. Zunächst dürfte er aber sicherlich hoffen, dass seine Prognosen dieses Mal etwas treffsicherer werden. Denn genau vor einem Jahr ging er an gleicher Stelle noch davon aus, dass sich der beginnende Inflationsschub „wahrscheinlich als vorübergehend erweisen“ werde.
Nicht nur er ist jetzt schlauer, sondern auch die Börse. In den USA hält ein immer noch extrem angespannter Arbeitsmarkt die Inflation weiter auf hohem Niveau, so dass die Fed die Geldpolitik weiter straffen muss, um die Wirtschaft zu bremsen. Und sie dürfte in diesem Bemühen so lange nicht nachlassen, bis ihr Inflationsziel von zwei Prozent zumindest langfristig wieder in Sichtweite kommt. Über die Stimmung nicht nur in der US-Wirtschaft, sondern auch in den europäischen Volkswirtschaften dürften die zahlreichen Einkaufsmanagerindizes Aufschluss geben, die in der kommenden Woche veröffentlicht werden.
Wie sehr die drohende Energiekrise das Handelsgeschehen an der Börse beeinflusst, konnte man an den Zahlen von Deutschlands Sorgenkind des Energiemarktes, Uniper (ETR:UN01), ablesen. Das mittlerweile vom Staat gestützte Unternehmen präsentierte für das erste Halbjahr einen Verlust von mehr als 12 Milliarden Euro. Noch schlimmer aber war, dass sich sowohl in den Zahlen als auch im Ausblick nicht mal ein kleiner Hoffnungsschimmer auf bessere Zeiten fand. Zu stark ist die Abhängigkeit von Russland und die damit einhergehende Unsicherheit für die Zukunft. Uniper bleibt damit eine heiße Spekulation und nur für Anleger mit sehr großem Hang zum Risiko geeignet.
Weniger auf fallende Kurse europäischer Aktien spekuliert jetzt der Milliardär Ray Dalio. In seinem Hedgefonds Bridgewater hat er alle deutschen Positionen unter die Meldeschwelle von 0,5 Prozent gesenkt, so dass sie nun nicht mehr für die Öffentlichkeit nachvollziehbar sind. Dies ist zum einen gut für den deutschen Markt, da weniger Verkaufsdruck auf den Aktien liegt. Zum anderen könnte dafür der Umstand verantwortlich sein, dass sich der Markt derzeit besser entwickelt als von vielen Profis erwartet. Somit könnte durchaus noch Luft nach oben sein, wenn sich andere dem leichten Stimmungsumschwung Dalios anschließen.
DAX – aktuelle Unterstützungen und Widerstände:
- Unterstützungen: 13.450 + 13.350/13.000 + 13.150/13.050
- Widerstände: 13.820/13.780 + 14.000/13.950 + 14.200/14.150