Die tatsächlichen Gründe hinter dem Höhenflug der Ölpreise

Veröffentlicht am 27.06.2018, 11:20

Die Ölpreise befinden sich auf einem Höhenflug. Aber die Gründe dafür haben weniger mit der Produktionserhöhung der Opec zu tun, die am letzten Freitag bekanntgegeben worden war, sondern mit weniger prominenten Faktoren am Markt.

Oil 300 Minute Chart

Auch wenn die Ölpreise sich Ende letzter Woche stark nach oben bewegten, Brent machte einen Satz um 3% und der US-Benchmark WTI gewann mehr als 4% hinzu, nachdem die Organisation Erdölexportierender Länder (Opec) ihre Entscheidung bekanntgegeben hatte, standen hinter den Gewinnen zwei andere spezifische Faktoren:

  1. Die ursprüngliche Bekanntmachung der Opec war vage und irreführend. Am Freitag hatte das Kartell den Anschein gegeben, als ob die vereinbarte Produktionserhöhung geringer ausgefallen sei, als dies erwartet wurde. Die Opec könnte sich gezwungen gesehen haben, das Ergebnis am Freitag so zu präsentieren, um der politischen Lage des Irans Rechnung zu tragen.
  2. Einer der wichtigsten Lieferanten von kanadischem Öl in die Vereinigten Staaten, Syncrude, gab am Freitag bekannt, dass Ölexporte im Umfang von 300.000 Fass am Tag in die USA für den Rest des Monats Juni und mindestens den gesamten Juni ausfallen werden. Bei der Firma hatte es letzte Woche einen Stromausfall gegeben und sie arbeitet jetzt an der Reparatur den verantwortlichen Umspanner an ihrer Anlage in Alberta zu reparieren.

Eine genauere Analyse der Statements der Opec zeigt, dass die mit Viel Aufmerksamkeit bedachte Veröffentlichung am Freitag nur eine unvollständige Version der Vereinbarung wiedergab. Am folgenden Tag stießen die Vertreter Russlands, Kasachstans, Aserbaidschans, des Omans und anderer Länder zum Opec-Gipfel hinzu, um ein breiteres Abkommen über die Produktionsquoten im Rest des Jahres 2018 auszuhandeln. Es wurde tatsächlich erst dann entschieden, dass die Gruppe die Ölförderung erhöhen werde. Auch wenn die Staatengruppe technisch gesehen eine Erhöhung um 1 Mio Fass am Tag zum Ziel hat, erwarten viele Experten, dass die Förderung tatsächlich lediglich um 600.000 Fass am Tag steigen wird, da einige Länder wie Venezuela und Angola derzeit nicht in der Lage sind, ihre Produktion über das derzeitige Niveau hinaus zu steigern.

In der Tat, die Produktionszahlen, die aus Venezuela kommen, sind weiter rückläufig. Kurzfristig steht auch die Produktion im Opec-Mitglied Libyen auf dem Spiel, da Brände in der letzten Woche zu Zerstörungen bei einer Reihe von Libyen Exportlagertanks geführt und die Exportkapazität um 450.000 Fass am Tag vermindert haben.

Russland und die Opec machten auf ihrem Treffen am Sonnabend klar, dass die Länder mit Reservekapazitäten die Produktionsausfälle in Venezuela und anderen Ländern ausgleichen sollen. Der gemeinsame ministeriale Überwachungsausschuss (Joint Ministerial Monitoring Committee, JMMC) wird die nicht genutzten Produktionsquoten an Saudi-Arabien, Russland, die VAE, Kuwait und andere verteilen.

Auch wenn der saudische Ölminister Khalid al Falih sagte, die Gruppe würde Vorsicht walten lassen, um die Förderung nicht zu schnell anzuheben und den Markt zu überfluten, hat sein Land schon jetzt angekündigt, dass es im Juni 10,8 Mio Fass Öl am Tag fördern wolle. Das wäre ein neuer Produktionsrekord für Saudi-Arabien.

Aramco, die nationale Ölgesellschaft Saudi-Arabiens, hat jüngst enthüllt, dass sie für Juli plant 11 Mio Fass am Tag zu fördern. Saudi Aramcos CEO Amin Nasser stellte klar, dass seine Firma, die im Mai 10,01 Mio Fass am Tag produziert hat etwa 12 Mio Fass am Tag aus dem Boden holen könnte, sollte dies notwendig werden. Man sollte dabei beachten, dass die saudische Ölförderung im Sommer immer ihren Höhepunkt erreicht.

Sowohl Brent als auch WTI fielen, als die Derivatemärkte in der Sonntagnacht den Handel begannen. Allerdings, wegen des Ausfalls bei Syncrude verlor WTI weitaus weniger als Brent. Das hat den Spread zwischen Brent und WTI verringert, der in diesem Monat schon auf bis zu 10 USD angestiegen war.

Der Syncrude Ausfall bedeutet, dass der Preis des kanadischen Benchmarks West Canadian Select (WCS) in den kommenden Wochen steigen dürfte, während er bisher mit einem erheblichen Discount gehandelt wurde.

Wir sollten ebenfalls damit rechnen, dass die Ölförderung im permischen Becken in Texas nachlässt, da einige Firmen ihre Förderung wegen Transportengpässen senken. Pioneer Resources (NYSE:PXD) kündigte an, es plane Pumpen in der Gegend in den nächsten 4 Monaten stillzulegen, da es einen Mangel an Pipeline-Kapazitäten gibt. Insgesamt ist die Wachstumsprognose für die Schieferölgebiete in den Vereinigten Staaten nach wie vor stark, aber einige Unternehmen dürften auf kurze Sicht Schwierigkeiten haben, als sie mit Transportproblemen zu kämpfen haben.

Unterdessen sollten Händler die Situation im Iran im Auge behalten. Am Dienstag ermahnte die Trump-Administration die großen Käufer iranischen Öls, in erster Linie asiatische Länder, alle Käufe von iranischem Öl zu stoppen, bis die Sanktionen im November vollständig in Kraft getreten sind.

Das ist erheblich harscher als die US-Politik in 2012, unter welcher den Importeuren iranischen Öls in Asien Befreiungen gewährt wurden. Der Ansatz von 2012 erlaubte es den asiatischen Märkten iranisches Öl zu importieren, solange die Mengen kontinuierlich zurückgingen. Die gegenwärtige Politik könnte die Ölpreise in diesem Sommer hoch halten, sogar wenn die Saudis, die Russen und die anderen Ölstaaten ihre Produktion hochfahren.

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