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Rettet den deutschen Wirtschaftsstandort

Von Robert HalverMarktüberblick16.11.2022 10:54
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Rettet den deutschen Wirtschaftsstandort
Von Robert Halver   |  16.11.2022 10:54
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Einige Zeitgenossen behaupten immer wieder, Deutschland sei ein sozial gespaltenes Land. Mit dieser Moralkeule wird immer noch mehr staatliche Umverteilung gefordert. Unabhängig davon, dass dieser Vorwurf grundsätzlich unberechtigt ist, zeigt die Geschichte, dass ein immer stärkerer Staat am Ende aus Wohlstand für alle Weniger für alle macht.

Ohne die Besserverdienenden ist kein Staat zu machen

In welchem Land der Welt geht es denn sozial gerechter zu bzw. wird mehr umverteilt als bei uns? Allein der Bund zahlt in diesem Jahr etwa 160 Mrd. Euro an Sozialleistungen. Zu ihrer Finanzierung zahlen die obersten 10 Prozent der Besserverdienenden rund die Hälfte der Steuern. Bei den oberen 30 Prozent sind es sogar 80 Prozent. Von mangelnder Umverteilung von den „Reichen“ zu den „Armen“ kann also niemand ernsthaft reden. Ohne die Besserverdienenden, zu denen bereits Facharbeiter gehören, ist an Sozialstaat gar nicht zu denken. Und wenn also Deutschland ein sozial kaltes Land sein soll, dann leben Amerika und Großbritannien in der schlimmsten Eiszeit. Übrigens sind wir auch in Europa sozialpolitisch spitze.

Der Staat ist ein Nimmersatt

Dennoch reicht es den staatsgläubigen Gutmenschen immer noch nicht. Selbst die Wirtschaftsweisen - eigentlich weise Stimmen der wirtschaftlichen Vernunft - sind der Meinung, der Motor der staatlichen Umverteilung müsse in der Energiekrise noch besser geschmiert werden.

Zwar solle es nur zeitlich befristete Erhöhungen des Spitzensteuersatzes oder die Einführung eines Energie-Solis lediglich bis etwa Frühjahr 2024 geben. Sicher, in der Not hat der Staat da zu sein. Doch zeigt das Beispiel Solidaritätszuschlag zur Finanzierung der deutschen Einheit, dass es fast unmöglich ist, dem Staat das, was er in seinen Klauen hält, wieder zu entreißen, wenn der Zweck erfüllt ist. Für Besserverdienende gilt er bis heute, die sich damit übrigens solidarisch zeigen.

Ja, Vater Staat ist wie ein Hund, der kein Sättigungsgefühl kennt. Seine Phantasie, was man mit noch mehr Steuerabgaben der wirtschaftlich aktiven Bürger so alles anstellen kann, geht ihm nie aus.

So wird immer lauter eine Vermögenssteuer gefordert, die ebenso die wirtschaftliche Substanz von Kleinunternehmern gefährdet. Und warum mit einer Übergewinnsteuer aufhören? Es gibt doch noch so viele Möglichkeiten, den Unternehmen und Bürgern das Steuer-Fell über die Ohren zu ziehen.

Rettet den deutschen Wirtschaftsstandort

Wie kann man in Deutschland, das in einer großen Energie- und Wirtschaftskrise steckt, überhaupt an Steuererhöhungen denken? Schon heute sind wir ein Hochsteuerland. Sollen noch mehr Firmen schließen bzw. aus Deutschland abwandern und ihre Wirtschaftskraft mitnehmen?

Ohnehin kann die Füllung der vermeintlich immer größeren Gerechtigkeitslücken auch kontraproduktiv, ja wachstumsfeindlich wirken. So überlegen die unteren Einkommensgruppen, ob eine Beschäftigung noch lohnt. In einer bekannten TV-Talkshow hat neulich eine Sozialarbeiterin freimütig eingeräumt, dass es ökonomisch durchaus sinnvoller sein kann, volle Transferleistungen zu beziehen als arbeiten zu gehen. Hier sei an den Sommer erinnert, als an deutschen Flughäfen ausländische Arbeitskräfte für z.B. die Gepäckabfertigung angeworben wurden, obwohl Deutschland immer noch ca. zwei Millionen Arbeitslose hat. Das frühere Argument, es gibt zu wenig Arbeit und der Staat muss eingreifen, kann heutzutage nicht mehr herhalten. De facto fehlt es an allen Ecken und Enden an Arbeitskräften.

Dass ich nicht falsch verstanden werde: Sozialleistungen in Krisen gehören zu einer demokratischen Gesellschaft selbstverständlich hinzu. Aber der Sozialstaat darf nur die Lösung in Krisen sein, nicht das Standardangebot.

Und natürlich sind Deutsche überhaupt nicht faul, aber der Staat lädt immer mehr dazu ein. Man gewöhnt sich an die staatlichen Segnungen, auf die man nicht mehr verzichten will. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es vielen Politikern vor allem um die nächste Wahl geht.

Es mag heutzutage politisch unkorrekt sein, aber das Prinzip Fördern und Fordern muss erhalten bleiben. Ansonsten muss die hart arbeitende Bevölkerung immer mehr von den Früchten ihrer Arbeit abgeben. In diesem Zusammenhang ist es heuchlerisch, wenn Moralapostel theatralisch darum betteln, höher besteuert zu werden. Was hält diese Menschen denn davon ab, alternativ wohlfahrtsfördernde Stiftungen zu gründen oder das Geld Bedürftigen direkt zukommen zu lassen?

Dabei gibt es gute Alternativen zur staatlichen Umverteilung. Warum verschiebt man die Einkommensgrenze, ab der die Steuer- und Sozialabgabenpflicht einsetzt, nicht deutlich nach hinten, um mehr Netto vom Brutto zu haben. Arbeit muss sich wieder lohnen.

Vor allem aber, wenn sich Leistung hier immer weniger lohnt, wird sie hier auch nicht mehr erbracht. Das Ausland, z.B. Amerika, freut sich über neue Talente und unsere Unternehmen mit ihrem phantastischen Industrie-Knowhow. Für die Sicherung seines Wohlstands braucht Deutschland jedoch keine Aussteiger, sondern Aufsteiger. 

Zu viel Staat ist nicht die Lösung des Problems, zu viel Staat ist das Problem

Doch denen, die die angebliche Spaltung Deutschlands wie eine Monstranz bei der Fronleichnamsprozession vor sich hertragen, geht es um viel mehr. Es geht ihnen um ein „besseres“ Gesellschaftsmodell. Und das kann nur einer schaffen, der Staat, der „Gleichheit“ von oben anordnet.

Doch muss Deutschland aufpassen, dass es nicht die Fehler Schwedens wiederholt, das seine Staatswirtschaft Anfang der 90er Jahre so aufgebläht und das individuelle Leistungsprinzip so mit Füßen getreten hatte, dass das Land kurz vor der Pleite stand. Immer höhere staatliche Fixkosten müssen ja irgendwie finanziert werden.

Möglichst viel individuelle Freiheit, um wirtschaftliche Ideen umzusetzen, sind der gut gedüngte und gewässerte Nährboden, um Fortschritt, Wohlstand und Arbeitsplätze zu schaffen. Eine dominierende Staatsknute dagegen sorgt nur für die Ausbreitung der Wirtschafts-Wüste.

Und damit der Eigennutz gegenüber dem Gemeinnutz nicht über die Stränge schlägt, hatte Deutschland die Gesellschaftsform der sozialen Marktwirtschaft gewählt, die sich bestens bewährte. Bei ihr sind individuelle Wirtschaftsfreiheit mit sozialer Verantwortung gekoppelt, eine Win-Win-Situation. Ich bin mir sicher, dass dies auch die Erfolgsformel für den Klimaschutz ist. Wie schön wäre es, wenn deutsche (Wirtschafts-)Politik zu diesen Tugenden zurückkehrte.

Wenn Politiker dieses Erfolgsmodell zugunsten staatlicher Bevormundung stutzen, leiden sie unter dem Winkelverlustsyndrom, auf Deutsch: Sie haben eine Ecke ab.

Rechtliche Hinweise / Disclaimer und Grundsätze zum Umgang mit Interessenkonflikten der Baader Bank AG

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Kommentare (10)
Reinhard Reh
Reinhard Reh 17.11.2022 6:10
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Zur Rettung brauchen wir Deutschen mehrheitlich ein realistisches Weltverständnis. Da jedoch immer noch rund 50% die derzeitige Regierung gut finden, kann ich o.g. nicht erkennen. Gelernt wird meist nur durch Schmerzen... Schau ma mal...
vi Zara
vi Zara 17.11.2022 0:19
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Respekt Herr Halver!
Ozo Atmospher
Ozo Atmospher 16.11.2022 22:50
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sehr guter artikel
Jan Müller
brokenTrade 16.11.2022 21:06
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Mich nervt es nur, dass gewinne schnell privatisiert werden und verluste sozialisiert. Der Staat soll sich in Firmen aufkaufen, wenn unbedingt retten will, aber auch dauerhaft dann halten.  Auch ganze Subventionen für Firmen müssen weg. Wenn dann teile von Firmen kaufen, nicht subventionieren. Finde besonders die Subvention von Energiewende oder Subventionen von Autokonzernen absolut lächerlich und gehören abgeschafft.  Es kann auch nciht sein, dass man mit Steuergeld Strom und jetzt auch Gas mit Steueren subventioniert und dann die Unternehmen günstiger an EU Länder verkaufen können.
Liongate Holding
Liongate Holding 16.11.2022 14:38
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Robert Halverhat es wieder perfekt auf den Punkt gebracht !
Toni Maroni
Toni Maroni 16.11.2022 13:27
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In keinem Land dieser Welt geht es nicht arbeitenden Menschen so gut wie bei uns! Nicht umsonst wollen alle nach Deutschland! Ist so! Egal was ihr schwurbelt
Jan Müller
brokenTrade 16.11.2022 13:27
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in keinem würde ich nicht schreiben, aber immer noch in top 5. Nur die anderen Länder haben bessere Einwanderungsbedingungen. Muss man sich nur Länder wie Norwegen, Kanada oder Dänemark anschauen. Und Schweden arbeitet gerade an Anti Asyl Gesetzen. Und Deutschland? Die setzen Asyl Recht außerkraft und ersetzen es durch, alle dürfen bleiben wenn sie wollen.
Horst Alberti
Horst Alberti 16.11.2022 12:50
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Na das ist ja mal ein tiefschwarzer Artikel, schwärzer geht es nicht.
Namaste Shanti
Namaste Shanti 16.11.2022 12:50
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Wenn es dir nicht passt, dann verzieh dich in deine rot-grün-versiffte Bubble und genieß den Tanz, so lange die Musik noch spielt.
Volker Strobel
Volker Strobel 16.11.2022 12:50
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Wenn du mit schwarz realistisch meinst, hast du recht!
Ralf Fröhlich
Ralf Fröhlich 16.11.2022 12:40
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Hätten die Unternehmen über jahrzehnte nicht diese Hungerlöhne bezahlt, bäuchten wir jetzt nicht über umverteilung sprechen.
Jan Müller
brokenTrade 16.11.2022 12:40
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Also ich sehen in Moment nur eine Umverteilung von Arbeiter, die von Unternehmen schlecht bezahlt werden, zu Menschen die noch nie gearbeitet haben oder erst seit kurzem in Deutschland leben. Also diese Umverteilung hat NICHT, aber auch NICHTs damit zu tun, dass die Unternehmen letzte Jahrzehte schlecht bezahlt haben.
Thomas Schuldlos
Thomas Schuldlos 16.11.2022 11:44
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Danke Herr Halver 👍
Stressbolzen
Stressbolzen 16.11.2022 11:17
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Leben Sie doch mal ein paar Jahre von Hartz 4, Herr Halvar.  Ohne Besserverdienende hat die Menschheit wunderbar zehntausende Jahre überlebt. Niemand braucht einen Staat oder eine Börse, sonst würde das nämlich auf Bäumen wachsen.
Sebastian Fleischer
Sebastian Fleischer 16.11.2022 11:17
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Stimmt, damals sind die Low-performer einfach verhungert.
Jan Müller
brokenTrade 16.11.2022 11:17
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Ja sie können auch gerne wieder in der Höhle leben und auf den Felder arbeiten, den genau das hätten wir ohne Menschen die Besserverdiener sind = das Land voran bringen. Mit Harz4 Empfänger kann man kein Land aufbauen. Und von Harz4 kann man sehr gut leben. Habe ihc 3 Monate gemacht. War kein Problem, hatte sogar gespart. Problem ist nur das man halt mit Geld umgehen lernen muss.
 
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