Bestseller-Autor und Horrorgeschichten-Legende, Stephen King, sagt in einem Kartellverfahren gegen den weltgrößten Verlag, Penguin Random House, als Zeuge auf Seiten der Staatsanwaltschaft aus. Bei dem Verfahren geht es um eine $2.18 Milliarden schwere Übernahme des viertgrößten Verlags der Welt, Simon & Schuster. Penguin Random House gehört seit 2020 zur Bertelsmann Gruppe und fasst unter seinem Dach wiederum etliche Verlage, wie Heyne, Siedler, südwest, cbj Kinderbuch, btb und viele mehr. King stellt sich gegen diese Übernahme, die Penguins Marktstellung signifikant ausbauen würde, da er fürchtet, dass der Verlag noch größeren finanziellen Druck auf Autoren ausüben könnte.
Nun muss man hier auch erwähnen, dass die Bücher von Stephen King überwiegend vom Verlag Simon & Schuster veröffentlicht wurden. Dieser würde sich gegenüber Buchhandlungen stark für seine Autoren machen und somit bessere Kurse für diese sichern. Mit einer Übernahme von Penguin könnte es noch enger am Buchmarkt werden und die ohnehin finanziell gebeutelten Autoren könnten immer weniger einnehmen. Auch wenn die Verlage behaupten, dass weiterhin eine Konkurrenz bestünde, wenn die Übernahme abgeschlossen ist, bleibt King bei seinem Standpunkt und ist somit ein wichtiger Zeuge, der das Urteil beeinflussen könnte.
Fraglich bleibt jedoch, ob das der gesamten Buchindustrie nicht aber womöglich schaden würde. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die digitalen Medien die Welt erobert haben und das Buch in den Hintergrund drängen. Diese Entwicklung in Richtung der digitalen Medien ist so offensichtlich, dass man dies nicht einmal empirisch belegen müsste, weil da kaum jemand widersprechen würde. Der Vollständigkeit halber kann man dann gerne das globale Marktvolumen der Film- und Serienindustrie von $234.9 Milliarden im Jahre 2020 (geschätzte $318.2 Milliarden in 2025) gegen das Volumen der Buchindustrie stellen, welches im letzten Jahr bei $89.25 Milliarden (geschätzte $105.27 Milliarden in 2026) lag. Das reicht nicht? Na gut, dann zählen wir auch mal die Videospiele-Industrie mit $195.65 Milliarden (2021) und einer geschätzten Wachstumsrate von 12.9% bis 2030 in die Rechnung mit ein.
Es ist eine eindeutige gesellschaftliche Entwicklung zum Konsum von digitalen Medien zu erkennen. Die sozialen Medien wurden hier noch nicht in die oberen Zahlen integriert. Das Buch wird immer unbeliebter. Das ist natürlich insofern schade, weil es ebenso allgemein bekannt ist, dass das Lesen die geistigen Fähigkeiten verbessert und auch dem altersbedingten Geistesverfall, und somit ebenfalls Krankheiten wie Demenz entgegenwirkt. Leider ist eben dieser Sektor nicht schnelllebig und dynamisch genug, um mit den anderen Sektoren mitzuhalten. Zu allem Überfluss gibt es dann noch die massive Konkurrenz an der eigenen Front.
Prinzipiell ist eine solche Konkurrenz sehr wichtig. Vor allem, weil Bücher eben eine stark normative Seite an sich haben. Wird ein Akteur in diesem Segment zu stark, kann er langfristig Agenden schmieden und den Lauf der Dinge in dieser Branche zu einem gewissen Maß beeinflussen, was aber dann wieder gesellschaftliche Auswirkungen hat. Erschwerend kommt auch das King´sche Argument dazu, dass die Autoren finanziell zu kurz kommen könnten. Allerdings ist ein klarer Vorteil, dass eine solche Übernahme einen Akteur hervorbringen würde, der sich mit expansivem Verhalten Marktanteile von den digitalen Medien greifen könnte. Wenn sich Penguin Random House die Marktanteile ins Haus holt und dabei einen signifikanten Konkurrenten weniger hat, kann sich das profitable Verlagshaus mit mehr Mitteln darauf konzentrieren, sektorübergreifend zu wachsen. Idealerweise aber verwirklichen sich die Befürchtungen von King in einem solchen Fall nicht.
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