Eilmeldung
Investing Pro 0
Black Friday SALE: Bis zu 54 % RABATT für InvestingPro+ JETZT SICHERN

ROUNDUP 2: Deutsche Wirtschaft behauptet sich - 'Rezession verliert Schrecken'

Wirtschaftsindikatoren 25.11.2022 12:15
Gespeichert. Lesezeichen ansehen.
Dieser Artikel wurde bereits unter Lesezeichen gespeichert
 

(Neu: Deutsches Konsumklima)

WIESBADEN (dpa-AFX) - Die deutsche Wirtschaft geht mit einem stärkeren Wachstumspolster als erwartet in die kommenden Monate. Trotz Gegenwinds stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent. In einer ersten Schätzung war das Statistische Bundesamt von einem Zuwachs um 0,3 Prozent ausgegangen. Volkswirte rechnen zwar weiterhin mit einem frostigen Winterhalbjahr. Angesichts milliardenschwerer staatlicher Entlastungspakete und gefüllter Gasspeicher erwarten viele Ökonomen aber einen vergleichsweise milden Konjunkturrückgang. "Die Rezession verliert ihren Schrecken", sagte Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater.

Europas größte Volkswirtschaft wuchs trotz des Ukraine-Krieges, hoher Inflation, anhaltender Corona-Pandemie und Lieferengpässen das dritte Quartal in Folge, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden weiter mitteilte. Zu Jahresbeginn war preis-, saison- und kalenderbereinigt ein Plus von 0,8 Prozent verzeichnet worden, im zweiten Quartal von 0,1 Prozent. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum wurde im Sommer demnach erstmals das Niveau von der Corona-Krise übertroffen.

Getragen wurde das Wachstum im Zeitraum Juli bis September, das über dem Schnitt des Euroraumes von geschätzt 0,2 Prozent lag, vor allem vom Privatkonsum. Trotz hoher Inflation und Energiekrise hätten Verbraucherinnen und Verbraucher auch im dritten Quartal die Aufhebung fast aller Corona-Beschränkungen genutzt, um zum Beispiel mehr zu reisen und auszugehen, erläuterte die Wiesbadener Behörde.

Zugleich investierten Unternehmen deutlich mehr in Ausrüstungen wie Maschinen und Fahrzeuge als im zweiten Quartal. Die Bauinvestitionen waren hingegen erneut rückläufig. Hohe Baupreise und gestiegene Hypothekenzinsen dämpfen das Geschäft. Der Handel mit dem Ausland nahm trotz der angespannten internationalen Lage zu. Die Importe von Waren und Dienstleistungen stiegen gegenüber dem Vorquartal allerdings stärker als die Ausfuhren "Made in Germany".

Positiv werten Volkswirte, dass die Konsumstimmung der Verbraucher zuletzt nicht weiter abrutschte. "Die langanhaltende Furcht der Verbraucher bezüglich explodierender Energiepreise hat sich aktuell etwas abgeschwächt", erläuterte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl. Solange Zweifel an einer problemlosen Energieversorgung bestünden und die Inflation hoch bleibe, werde sich das Konsumklima allerdings nicht spürbar und nachhaltig erholen.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verbesserte sich nach Angaben des Ifo-Instituts im November dagegen deutlich. "Die Rezession, wenn sie kommt, wird glimpflicher ausfallen als viele erwartet haben", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer rechnet für die erste Hälfte des kommenden Jahres zwar weiterhin mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung. Zuletzt habe es aber Zeichen einer Entspannung gegeben, "die in Deutschland und auch im Euroraum gegen einen Kollaps der Wirtschaft wie in der Finanzkrise 2008/9 oder wie nach dem Ausbruch von Corona sprechen". In der Corona-Krise 2020 war das Bruttoinlandsprodukt im Gesamtjahr um mehr als vier Prozent eingebrochen.

Sorge bereitet vor allem die hartnäckig hohe Inflation, die im Oktober auf 10,4 Prozent stieg. Hohe Teuerungsraten belasten Unternehmen und schmälern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Die Menschen können sich für einen Euro weniger leisten. Das kann den Privatkonsum als wichtige Konjunkturstütze dämpfen. Zugleich dürfte die Abschwächung der Weltkonjunktur Volkswirten zufolge den Export unter Druck setzen.

Nach einer Prognose der Industriestaaten-Organisation OECD wird das weltweite Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr durch Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine ausgebremst. Das globale Wachstum dürfte demnach 2023 nur noch bei 2,2 Prozent liegen. Das sei deutlich weniger als vor dem Krieg erwartet. "Höhere Inflation und geringeres Wachstum sind der saftige Preis, den die Weltwirtschaft für Russlands Krieg gegen die Ukraine zahlt", hieß es in der Studie.

Dank des Wachstums der vergangenen Quartale rechnete die Bundesregierung zuletzt im Gesamtjahr 2022 mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 1,4 Prozent. Für das kommende Jahr wird infolge der erwarteten schwachen Entwicklung in den ersten Monaten ein Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr vorhergesagt.

ROUNDUP 2: Deutsche Wirtschaft behauptet sich - 'Rezession verliert Schrecken'
 

Verwandte Beiträge

Kommentieren

Richtlinien zur Kommentarfunktion

Wir möchten Sie gerne dazu anregen, Kommentare zu schreiben, um sich mit anderen Nutzern auszutauschen. Teilen Sie Ihre Gedanken mit und/oder stellen Sie anderen Nutzern und den Kolumnisten Fragen. Um jedoch das Niveau zu erhalten, welches wir wertschätzen und erwarten, beachten Sie bitte die folgenden Kriterien:

  • Bereichern Sie die Unterhaltung
  • Bleiben Sie beim Thema. Veröffentlichen Sie nur Texte, die zu den genannten Inhalten passen. 
  • Respektieren Sie einander. Auch negative Meinungen und Kritik kann positiv und diplomatisch ausgedrückt werden. 
  • Benutzen Sie die anerkannten Ausdrucks- und Rechtschreibregeln. 
  • Beachten Sie: Spam, Werbenachrichten und Links werden gelöscht. 
  • Vermeiden Sie Profanität, Beleidigungen und persönliche Angriffe auf Kolumnisten oder andere Nutzer. 
  • Bitte kommentieren Sie nur auf Deutsch.

Diejenigen, die die oben genannten Regeln missachten, werden von der Webseite entfernt und können sich in der Zukunft je nach Ermessen von Investing.com nicht mehr anmelden.

Was denken Sie?
 
Sind Sie sicher, dass Sie diesen Chart löschen möchten?
 
Senden
Posten auf
 
Angehängten Chart durch einen neuen Chart ersetzen?
1000
Sie sind gegenwärtig aufgrund von negativen Nutzerbeurteilungen von der Abgabe von Kommentaren ausgeschlossen. Ihr Status wird von unseren Moderatoren überprüft.
Warten Sie bitte eine Minute bis zur erneuten Abgabe Ihres Kommentars.
Danke für Ihren Kommentar. Bitte beachten Sie, dass alle Kommentare erst nach vorheriger Überprüfung durch unsere Moderatoren veröffentlicht werden und deshalb nicht sofort auf unserer Webseite erscheinen können.
 
Sind Sie sicher, dass Sie diesen Chart löschen möchten?
 
Senden
 
Angehängten Chart durch einen neuen Chart ersetzen?
1000
Sie sind gegenwärtig aufgrund von negativen Nutzerbeurteilungen von der Abgabe von Kommentaren ausgeschlossen. Ihr Status wird von unseren Moderatoren überprüft.
Warten Sie bitte eine Minute bis zur erneuten Abgabe Ihres Kommentars.
Chart zum Kommentar hinzufügen
Sperre bestätigen

Sind Sie sicher, dass Sie %USER_NAME% sperren möchten?

Dadurch werden Sie und %USER_NAME% nicht mehr in der Lage sein, Beiträge des jeweils anderen auf Investing.com zu sehen.

%USER_NAME% wurde erfolgreich zu Ihrer Sperrliste hinzugefügt.

Da Sie diese Person entsperrt haben, müssen Sie 48 Stunden warten, bevor Sie sie wieder sperren können.

Diesen Kommentar melden

Sagen Sie uns Ihre Meinung zu diesem Kommentar

Kommentar markiert

Vielen Dank!

Ihre Meldung wurde zur Überprüfung an unsere Moderatoren geschickt
Mit Google registrieren
oder
Registrierung