Eilmeldung
0

Trump befeuert Zollstreit mit China - "Zahlen sind gewaltig"

Wirtschaft11.07.2018 16:42
Gespeichert. Lesezeichen ansehen.
Dieser Artikel wurde bereits unter Lesezeichen gespeichert
 
© Reuters. FILE PHOTO: Flags of U.S. and China are placed for a meeting in Beijing

- von Eric Beech und Stella Qiu und Reinhard Becker

Washington/Peking/Berlin (Reuters) - Die USA verschärfen den Zollstreit mit China und schüren Sorgen vor einem Ausufern des Konflikts der beiden größten Wirtschaftsmächte.

US-Präsident Donald Trump droht auf weitere Produkte im Wert von 200 Milliarden Dollar zusätzliche Zölle zu erheben, wie aus einer Liste der Regierung in Washington hervorgeht. Auf diese Waren sollen zusätzlich zehn Prozent bei der Einfuhr in die USA fällig werden - darunter Sojabohnen, Stahl, Kohle und Elektronik. Regierungskreisen zufolge sollen die Zölle aber erst in zwei Monaten greifen, was Zeit für Verhandlungen lässt. China äußerte sich schockiert und kritisierte die US-Pläne als inakzeptabel. Die Volksrepublik werde darauf reagieren müssen, erklärte das Handelsministerium am Mittwoch.

Die Furcht vor einem Handelskrieg setzte weitweit den Börsen zu. Sollte Trump die Drohung wahr machen, wären rund die Hälfte der in die USA ausgeführten chinesischen Güter betroffen, erläuterte Ökonom Rajiv Biswas vom Forschungsinstitut IHS Markit. "Unter den Marktteilnehmern wächst die Sorge, dass sich der Handelskrieg auf die Güterwirtschaft auswirkt und das globale Wachstum bremst", so Commerzbank-Experte Eugen Weinberg. Allerdings könne China nicht mehr im gleichen Umfang zurückschlagen, da es im vorigen Jahr "nur" Güter und Dienstleistungen aus den USA im Wert von insgesamt rund 150 Milliarden Dollar eingeführt habe. Falls sich der Konflikt weiter hochschaukele, drohe eine gefährliche Eskalationsspirale, warnte Chefökonom Uwe Burkert von der Landesbank LBBW: "Die Zahlen sind gewaltig, die Aufheizung des Konflikts dramatisch."

Die Regierung in Washington hatte bereits in der vorigen Woche zusätzliche Zölle auf chinesische Waren im Wert von 34 Milliarden Dollar eingeführt, worauf Peking mit Gegenmaßnahmen reagierte. Zuvor hatten sich die USA bereits mit Schutzzöllen auf Stahl und Aluminium vor ausländischer Konkurrenz abgeschottet. Womöglich ist das Ende der Fahnenstange trotzdem noch nicht erreicht: Trump hat schon damit gedroht, chinesische Produkte im Gesamtwert von 500 Milliarden Dollar mit Sonderzöllen zu belegen.

Die Regierung in Peking kündigte an, umgehend eine Klage bei der Welthandelsorganisation WTO einzureichen. Trumps Handelsbeauftragter Robert Lighthizer verteidigte die US-Linie. China sei mehr als ein Jahr lang aufgefordert worden, die unfaire Handelspolitik zu beenden, den eigenen Markt zu öffnen und sich dem Wettbewerb zu stellen. Der US-Botschafter bei der WTO, Dennis Shea, stieß in das selbe Horn: Das Reich der Mitte füge seinen Handelspartnern schweren Schaden zu. Die "Abrechnung" dafür dulde keinen Aufschub mehr. Doch die WTO sei nicht der richtige Platz, um viele der wesentlichsten Probleme zu lösen.

"HANDELSKRIEG SCHEINT UNVERMEIDLICH"

Der Chef des chinesischen Staatsfonds CIC, Tu Guangshao, befürchtet, dass sich die Eskalationsspirale nun weiter drehen wird: "Keiner von uns hofft, dass es zu einem Handelskrieg kommt, aber er scheint unvermeidlich zu sein", sagte er in Paris. Der Fonds werde nun in Europa verstärkt investieren.

Die Bundesregierung will trotz der weiteren Zuspitzung im Streit zwischen den USA und China noch nicht von einem Handelskrieg sprechen. Ein Sprecher von Wirtschaftsminister Peter Altmaier verwies darauf, dass der CDU-Politiker davon gesprochen habe, dass ein solcher Handelskrieg vermieden werden sollte. Es dürfe keine Spirale von Zollerhöhungen geben. Besser sei es, Zölle zu senken.

Doch auch in der EU herrscht Sorge, dass sich der Handelsstreit mit den USA verschärfen könnte - falls es zu zusätzlichen Zöllen auf europäische Autos kommt. Der US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, hat den Chefs von BMW (DE:BMWG), Daimler (DE:DAIGn) und Volkswagen (DE:VOWG) allerdings jüngst eine Lösung unterbreitet, die auf eine Streichung der Zölle hinausläuft. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist bereit dazu, dass die EU mit den USA darüber verhandelt. Bedingung sei aber, dass die Regelung auf alle Länder übertragen wird, mit denen die EU Autos handelt.

Die deutsche Industrie setzt sich für den Abbau aller Industriegüterzölle ein. Gespräche sollten zum Ziel haben, nach den Vorgaben der WTO annähernd den gesamten Handel zu liberalisieren, sagte Stefan Mair, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Branchenverbands BDI: "EU und USA müssen im Gespräch miteinander bleiben. Ziel muss sein, transatlantische Handelsbarrieren abzubauen."

Trump befeuert Zollstreit mit China - "Zahlen sind gewaltig"
 

Verwandte Beiträge

Kommentieren

Richtlinien zur Kommentarfunktion

Wir möchten Sie gerne dazu anregen, Kommentare zu schreiben, um sich mit anderen Nutzern auszutauschen. Teilen Sie Ihre Gedanken mit und/oder stellen Sie anderen Nutzern und den Kolumnisten Fragen. Um jedoch das Niveau zu erhalten, welches wir wertschätzen und erwarten, beachten Sie bitte die folgenden Kriterien:

  • Bereichern Sie die Unterhaltung
  • Bleiben Sie beim Thema. Veröffentlichen Sie nur Texte, die zu den genannten Inhalten passen. 
  • Respektieren Sie einander. Auch negative Meinungen und Kritik kann positiv und diplomatisch ausgedrückt werden. 
  • Benutzen Sie die anerkannten Ausdrucks- und Rechtschreibregeln. 
  • Beachten Sie: Spam, Werbenachrichten und Links werden gelöscht. 
  • Vermeiden Sie Profanität, Beleidigungen und persönliche Angriffe auf Kolumnisten oder andere Nutzer. 
  • Bitte kommentieren Sie nur auf Deutsch.

Diejenigen, die die oben genannten Regeln missachten, werden von der Webseite entfernt und können sich in der Zukunft je nach Ermessen von Investing.com nicht mehr anmelden.

Was denken Sie?
 
Sind Sie sicher, dass Sie diesen Chart löschen möchten?
 
Senden
Posten auf
 
Angehängten Chart durch einen neuen Chart ersetzen?
1000
Sie sind gegenwärtig aufgrund von negativen Nutzerbeurteilungen von der Abgabe von Kommentaren ausgeschlossen. Ihr Status wird von unseren Moderatoren überprüft.
Warten Sie bitte eine Minute bis zur erneuten Abgabe Ihres Kommentars.
Danke für Ihren Kommentar. Bitte beachten Sie, dass alle Kommentare erst nach vorheriger Überprüfung durch unsere Moderatoren veröffentlicht werden und deshalb nicht sofort auf unserer Webseite erscheinen können.
 
Sind Sie sicher, dass Sie diesen Chart löschen möchten?
 
Senden
 
Angehängten Chart durch einen neuen Chart ersetzen?
1000
Sie sind gegenwärtig aufgrund von negativen Nutzerbeurteilungen von der Abgabe von Kommentaren ausgeschlossen. Ihr Status wird von unseren Moderatoren überprüft.
Warten Sie bitte eine Minute bis zur erneuten Abgabe Ihres Kommentars.
Chart zum Kommentar hinzufügen
Sperre bestätigen

Sind Sie sicher, dass Sie %USER_NAME% sperren möchten?

Dadurch werden Sie und %USER_NAME% nicht mehr in der Lage sein, Beiträge des jeweils anderen auf Investing.com zu sehen.

%USER_NAME% wurde erfolgreich zu Ihrer Sperrliste hinzugefügt.

Da Sie diese Person entsperrt haben, müssen Sie 48 Stunden warten, bevor Sie sie wieder sperren können.

Diesen Kommentar melden

Sagen Sie uns Ihre Meinung zu diesem Kommentar

Kommentar markiert

Vielen Dank!

Ihre Meldung wurde zur Überprüfung an unsere Moderatoren geschickt
Haftungsausschluss: Fusion Media would like to remind you that the data contained in this website is not necessarily real-time nor accurate. All CFDs (stocks, indexes, futures) and Forex prices are not provided by exchanges but rather by market makers, and so prices may not be accurate and may differ from the actual market price, meaning prices are indicative and not appropriate for trading purposes. Therefore Fusion Media doesn`t bear any responsibility for any trading losses you might incur as a result of using this data.

Fusion Media or anyone involved with Fusion Media will not accept any liability for loss or damage as a result of reliance on the information including data, quotes, charts and buy/sell signals contained within this website. Please be fully informed regarding the risks and costs associated with trading the financial markets, it is one of the riskiest investment forms possible.
Mit Google registrieren
oder
Registrierung