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US-Schuldenberg: Wann kracht es?

Wirtschaft21.01.2019 15:22
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© Reuters.

Investing.com - Viele Anleger fürchten sich vor dem Platzen der globalen Schuldenblase - und das zu Recht. Schließlich pumpen Zentralbanker seit 10 Jahren so viel Geld in den Finanzkreislauf wie noch nie in der Geschichte.

Immense Fehlallokationen von Kapital werden allmählich sichtbar - so gesehen an den globalen Aktienmärkten, die in den vergangenen Monaten eine tiefgreifende Korrektur hinnehmen mussten.

Das billige Geld von den Notenbankern mag die Welt in der Krise erfolgreich stabilisiert haben. Die Schuldenparty hat die Wirtschaft aber nicht flottgemacht. Vielmehr hat die lockere Geldpolitik ihre Wirksamkeit verloren.

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Systemrelevante Banken, die als „too-big-to-fail“ gelten, erhielten Subventionen und wurden durch die quantitative Lockerung über Nacht gesund. Von den Verbrauchern kann man das aber nicht sagen. Die Geldflut ist dort nie angekommen.

"Wenn etwas nicht ewig so weitergehen kann, wird es aufhören“, sagte einst der vielbeachtete Ökonom Herbert Stein.

Vor allem bei der Verschuldung der US-Privathaushalte steht die Ampel weiter auf rot. Einer Umfrage der Federal Reserve aus dem Jahr 2017 zufolge besitzen etwa ein Viertel der Amerikaner keine Altersvorsorge. 41 Prozent sagten damals, dass sie noch nicht einmal 400 Dollar für Notfälle zur Verfügung hätten.

In die gleiche Kerbe schlägt die Website CarrerBuilder. Knapp 80 Prozent der Amerikaner sollen demnach von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck leben.

Die Amerikaner versinken in Schulden

Im dritten Quartal des Jahres 2018 schoss die Gesamtverschuldung der privaten Haushalte mit 13,51 Billionen Dollar auf ein neues Rekordhoch. Allein im dritten Quartal kletterten die Schulden um 219 Milliarden Dollar. Das ging aus einem Bericht der New York Fed hervor.

Damit wachsen die Schulden so schnell wie seit 2016 nicht mehr. Darüber hinaus war es das 17. Quartal in Folge, in der die Verschuldung der privaten Haushalte gestiegen ist und die Gesamtsumme 837 Milliarden Dollar über dem ehemaligen Höchststand von 12,68 Billionen Dollar im Vergleich zum dritten Quartal 2008 liegt.

Kreditkartenschulden so hoch wie zuletzt 2008

Die Gesamtzahl der US-Kreditkartenschulden ist im zurückliegenden Jahr um 45 Milliarden Dollar auf insgesamt 829 Milliarden Dollar angewachsen.

Während Banken sich nach wie vor günstig Geld leihen können, liegt der durchschnittliche Zinssatz für Kreditkartenschulden bei 15,5 Prozent. Vor fünf Jahren lag dieser noch bei 12,5 Prozent. Und doch leihen sich immer mehr Leute Geld über ihre Kreditkarte.

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Die Gesamtzahl der US-Kreditkartenschulden liegt nun bei 1,04 Billionen Dollar und damit so hoch wie zuletzt 2008.

Kreditnehmer haben im letzten Jahr 104 Milliarden Dollar an Kreditkartenzinsen und Gebühren bezahlt. Das waren 11 Prozent mehr als im Vorjahr und 35 Prozent mehr als in den letzten fünf Jahren.

Wenn die Fed die Zinsen weiter so aggressiv erhöht, dann steigen auch die Zinsen der Kreditkarten weiter. Zahlungsausfälle wären die mögliche Folge.

Washington fürchtet die Bildungsblase

Amerikanische Studenten müssen sich für ein Studium hoch verschulden. In Washington ist das mittlerweile ein zentrales Thema. Denn die Höhe der Studienkredite wächst und gleichzeitig auch deren Anteil fauler Kredite. Die Bildungsblase könnte für die US-Wirtschaft schlimme Folgen haben.

Im dritten Quartal stieg die Schuldenlast der jungen Akademiker auf 1,5 Billionen Dollar und damit auf ein neues Rekordhoch. Seit 2010/2011 haben sich die Schulden der Studenten um gut 500 Milliarden Dollar erhöht. Das berichtete die Ratingagentur Standard and Poor’s. Seit Beginn der Finanzkrise hat sich diese Zahl fast verdreifacht. Mit 1,5 Billionen Dollar sind Studentenkredite die zweithöchste Verbraucherschuld in den Vereinigten Staaten von Amerika.

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Einen echten Gegenwert erhalten die Studenten nicht. Schließlich können sie ihre Ausbildung nicht verkaufen, außer am Arbeitsmarkt. Viele wählen dann aber auch noch das falsche Studium oder Fach, welches einfach nicht gefragt ist und finden so keine gut bezahlten Jobs. Und so kommt es, dass jeder vierte seinen Studienkredit nicht rechtzeitig bezahlen kann. Daraus ergibt sich dann ein schlechtes Bonitätsrating, was den Studenten sein ganzes Leben verfolgen könnte und langfristig sogar das Wirtschaftswachstum belasten könnte.

Subprime Autokredite boomen

In den USA steckt jeder neunte wegen seines Autos in Kreditschwierigkeiten. Insgesamt sind das 37 Millionen US-Bürger. Das ging aus den jüngsten Quarterly report on houshold debt and credit und Consumer Credit hervor.

Die gesamten US-Autoschulden sind auf 1,26 Billionen Dollar gestiegen. Das sind 52 Milliarden Dollar mehr als noch vor einem Jahr.

Problem an der Sache ist, dass die Kredite den Subprime-Krediten aus der Finanzkrise stark ähneln.

Egal ob das aktuelle Auto Schrott ist, man einen schlecht bezahlten Job hat oder bereits mehrere Pfändungen hatte oder eine Zwangsversteigerung ins Haus steht, bei so genannten „Buy here – Pay here“-Händlern erhalten die Amerikaner trotzdem einen Krediten. Zwar müssen sie dafür bis zu 30 Prozent an Zinsen hinblättern. Das ist den Durchschnittsbürgern aber egal. Sie sind schließlich auf das Auto angewiesen.

Durch die aggressiven Zinserhöhungen der Fed, die den monatlichen Schuldendienst erhöhen, weil die Kredite in der Regel mit variablen Zinssätzen ausgestattet sind, steigt auch die Wahrscheinlichkeit von Zahlungsausfällen. Die Delinquenzraten von Autokrediten sind bereits jetzt höher als während der Finanzkrise.

Experten glauben jedoch, dass das steigende Volumen an Autokredite allein die Schuldenblase in den USA nicht zum Platzen bringt. Aber eine Kombination aus der Verschuldung der privaten Haushalte, Kreditkartenschulden, Studenten- und Autokredite könnte das Kartenhaus sehr wohl ins Wanken bringen.

Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Fed die Zinsen weiter so aggressiv erhöht wie in den letzten zwei Jahren. Dann wäre es der Kuss des Todes für den Aktienmarkt und schlussendlich auch für die US-Wirtschaft. Irgendwann ist einfach eine Grenze erreicht, wo es nicht mehr weiter geht. Spätestens dann erfüllt sich die Prophezeiung von Stein.

Sollte es tatsächlich zum Platzen der Schuldenblase kommen, so müsste man endlich über einen Systemwechsel nachdenken, denn diesmal werden die Zentralbanken den Karren nicht aus dem Dreck ziehen können. Es stehen einfach nicht ausreichend Werkzeuge zur Verfügung, um auf die Schuldenwucht zu reagieren.

Doch bis es soweit ist, wird noch einige Zeit vergehen, die Sie nutzen können, um einen kleinen Teil Ihres Vermögens in Gold und Silber umzuschichten, um sich vor dem heraufziehenden Schuldenkollaps zu schützen.

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