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Deutsche Anleihen: Kursgewinne - Preisdaten bewegen

Wirtschaft 29.06.2022 18:30
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© Reuters

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Kurse deutscher Staatsanleihen sind am Mittwoch merklich gestiegen. Die rückläufige deutsche Inflation sorgte bereits am Morgen für heftige Kursgewinne, die aber teilweise wieder abgegeben wurden. Der richtungsweisende Terminkontrakt Euro-Bund-Future legte bis zum Nachmittag um 1,03 Prozent auf 146,87 Punkte zu. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel auf 1,51 Prozent.

Gestützt wurden die Anleihen durch die deutschen Verbraucherpreise. Die hohe Inflationsrate in Deutschland ist Juni für Volkswirte überraschend etwas zurückgekommen. Der Tankrabatt und das 9-Euro-Ticket haben den Preisauftrieb etwas gedämpft. Der für europäische Zwecke erhobene Verbrauchpreisindex HVPI stieg um 8,2 im Jahresvergleich, nachdem die Rate im Vormonat noch bei 8,7 Prozent gelegen hatte. Die Inflation in Deutschland liegt aber weiter deutlich über dem Inflationsziel der EZB von 2 Prozent. Die Zahlen für die gesamte Eurozone werden am Freitag veröffentlicht. Die EZB will ab Juli ihre Leitzinsen anheben.

Bereits mit den am Morgen veröffentlichten Verbraucherpreisdaten aus Nordrhein-Westfalen kam es am Vormittag zu einer rasanten Kurserholung. Zeitweise war der Bund-Future bis auf 147,37 Punkte gestiegen. Offenbar seien Anleger "völlig auf dem falschen Fuß erwischt" worden, hieß es von Experten der Commerzbank (ETR:CBKG). Nach ihrer Einschätzung deutet die Kursreaktion darauf hin, dass bereits eine kleine Abwärtsüberraschung den Markt stark bewegen kann.

Im weiteren Handelsverlauf gab der Bund-Future zunächst größere Teile seiner Gewinne wieder ab. Er zog am Nachmittag aber wieder an. Preisdaten aus Spanien lasteten wieder auf den Kursen. Hier hat sich der Anstieg der Inflation im Juni überraschend stark beschleunigt. Auch in Belgien legte die Inflation zu.

"Für die EZB bringt der heutige Rückgang der deutschen Gesamtinflation keine Erleichterung", kommentierte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Bank. Stattdessen deute der Anstieg der belgischen und spanischen Inflation darauf hin, dass sich die Inflation im Euroraum nach oben und nicht wie in Deutschland nach unten bewegt. "In gewisser Weise vermitteln die heutigen deutschen Inflationsdaten auch eine wichtige Botschaft: Derzeit sind es nicht die Zentralbanken, sondern die Regierungen, die die Inflation wirksam senken können."

Die Kapitalmarktzinsen in allen Ländern der Eurozone gaben deutlich nach. In Italien sank die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen um 0,16 Prozentpunkte auf 3,38 Prozent. Noch deutlicher war der Rückgang nur in Griechenland, wo sie um 0,21 Prozentpunkte sank. Die südeuropäischen Länder würden aufgrund ihrer Schuldenlast besonders stark unter Leitzinserhöhungen leiden.

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