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ROUNDUP 2: Thyssenkrupp senkt Ausblick wegen Konjunkturschwäche erneut

Veröffentlicht am 15.05.2024, 13:23
© Reuters
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(neu: Aktienkurse, Analysten, Nucera (ETR:NCH2), Aussagen aus der Telefonkonferenz)

ESSEN (dpa-AFX) - Die Konjunkturschwäche drückt beim Industriekonzern Thyssenkrupp (ETR:TKAG) weiter auf die Geschäfte. Auch im zweiten Quartal (per Ende März) schrieb das sich in einem tiefgreifenden Umbau befindende Unternehmen rote Zahlen. Thyssenkrupp macht dafür vor allem Wertberichtigungen im Anlagevermögen der Werkstoff-Handelssparte sowie negative Effekte aus der Marktbewertung von CO2-Termingeschäften der Stahlsparte verantwortlich.

Das Unternehmen senkte am Mittwoch bei der Vorlage der Zahlen erneut seine Jahresprognosen für Umsatz und Konzernergebnis. Unter dem Strich dürften im Geschäftsjahr 2023/24 nun erneut Verluste stehen. An der erwarteten Steigerung im operativen Geschäft hält Thyssenkrupp aber fest. Das Unternehmen sprach insgesamt von einer "soliden Geschäftsentwicklung" in einem "herausfordernden Umfeld".

Von dem ebenfalls börsennotierten Elektrolyse-Spezialisten Thyssenkrupp Nucera , an dem die Essener die Mehrheit halten, kamen ebenfalls durchwachsene Signale: Projekte im zukunftsträchtigen Wasserstoffgeschäft verschieben sich, das Unternehmen senkte seine Prognosen für den Bereich.

Die im MDax notierte Aktie von Thyssenkrupp verlor zwischenzeitlich mehr als acht Prozent, konnte die Verluste im Verlauf jedoch etwas eingrenzen. Am Mittag stand noch ein Minus von drei Prozent zu Buche.

Analyst Christian Obst von der Baader Bank wertete den Quartalsbericht als "eine gemischte Tüte mit einem negativen Touch" wegen des gesenkten Umsatzziels. Dem gegenüber stehe, dass der Konzern im zweiten Quartal ein operatives Ergebnis (Ebit) über den Erwartungen abgeliefert und die Zielmarken für das Ebit und den freien Mittelzufluss bestätigt habe. Laut dem Experten Moses Ola von der US-Bank JPMorgan (NYSE:JPM) birgt das Umsatzziel die Gefahr, dass die Ebit-Schätzungen am Markt dennoch reduziert werden.

Die Papiere von Nucera verloren im SDax in der Spitze 13,5 Prozent. Beide Aktien kommen mit der jüngsten Schwäch weiter nicht auf die Beine, gehören sie doch in ihren Indizes MDax und SDax in diesem Jahr bislang zu den größten Verlierern. Während die Titel von Thyssenkrupp ein Viertel eingebüßt haben, bewegen sich jene von Nucera 2024 mit einem Drittel in der Verlustzone.

Laut Thyssenkrupp-Chef Miguel López hat sich der Konzern im zweiten Quartal "planmäßig" entwickelt - "und das in einem sich weiterhin eintrübenden Marktumfeld". Er sprach zudem von "wichtigen Fortschritten" bei der strategischen Neuausrichtung des Konzerns. Dabei verwies er auf die Pläne zur Verselbständigung des Marinegeschäfts sowie der Stahlsparte. Im Marinegeschäft findet derzeit die Buchprüfung der Investmentgesellschaft Carlyle statt, mit dem Ziel eines möglichen Teilverkaufs. "Parallel dazu sondieren wir weitere Möglichkeiten der Verselbstständigung am Kapitalmarkt", sagte López in einer Telefonkonferenz. Gleichzeitig liefen wie bereits bekannt Gespräche mit der Bundesregierung zur Beteiligung des Staates.

Die geplanten, tiefgreifenden Umbaupläne für die Stahlsparte verteidigte er. "Trotz langer Tradition und hoher technischer Kompetenz ist die Zukunft unserer Stahlindustrie heute massiv gefährdet", sagte er. Die Nachfrage sei zu gering, die Kosten insbesondere für Energie seien zu hoch, Überkapazitäten drückten auf die Preise. Hinzu kämen Billigimporte aus Asien. "Deshalb muss sich etwas ändern." Daher habe man in den vergangenen Wochen wichtige Schritte eingeleitet, um den Stahlbereich zukunftsfähig aufzustellen. "Wir wollen einen Stahl, der nachhaltig Geld verdient - und zwar so viel Geld, dass wir die Transformation hin zu grünem Stahl schaffen", sagte López.

Thyssenkrupp plant einen deutlichen Abbau von Stahl-Erzeugungskapazitäten in Duisburg, der mit einem Stellenabbau verbunden sein soll. Details dazu sind noch offen und werden derzeit ausgearbeitet. Außerdem soll die EPCG-Holding des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky 20 Prozent der Stahlsparte übernehmen, später 50 Prozent. Bei der geplanten strategischen Partnerschaft soll es vor allem um Energielieferungen gehen.

Unter dem Strich wies Thyssenkrupp im Quartal einen Verlust von 78 Millionen Euro aus, was weniger war als ein Jahr zuvor, als ein Minus von 223 Millionen auflief. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank auf 184 Millionen nach 205 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Grund für die Verringerung sei vor allem der Wegfall von positiven Einmaleffekten der Autozuliefer-Sparte, hieß es. Ohne diese Effekte habe das bereinigte Ebit ein Plus verzeichnet. Ergebnissteigerungen im Stahl- und Marinegeschäft hätten dazu beigetragen. Auch Maßnahmen des Effizienzprogramms Apex hätten sich positiv ausgewirkt.

Vor allem konjunkturbedingte Preis- und Nachfragerückgänge im Werkstoffhandel und im Stahlgeschäft sorgten im Vergleich zum Vorjahresquartal für Rückgänge beim Umsatz von 10,1 auf 9,1 Milliarden Euro und bei den Auftragseingängen von 10,2 auf 8,6 Milliarden Euro.

Der Elektrolyse-Spezialist Nucera schrieb unterdessen ebenfalls rote Zahlen. Dabei belastete der Hochlauf des Wasserstoffgeschäfts. Den Umsatz konnte das Unternehmen hingegen deutlich steigern. Jedoch mache sich eine zunehmende Zurückhaltung bei der finalen Investitionsentscheidung bei vielen potenziellen Kunden bemerkbar, hieß es. Projekte im Wasserstoffgeschäft verzögerten sich, weswegen Nucera die Wachstumserwartungen in dem Bereich zurückschraubte. Thyssenkrupp hält an Nucera nach dem Börsengang noch die Hälfte der Anteile, während rund ein Viertel bei dem italienischen Partner Industrie De Nora liegt.

Thyssenkrupp senkte für Umsatz und Jahresergebnis erneut die Aussichten für das Gesamtjahr 2023/24. Wegen Mengenrückgängen und geringerer Preise im Stahl- und Werkstoffhandelsgeschäft wird jetzt ein Umsatz unter Vorjahresniveau erwartet. Zuvor hatte der Konzern mit einem Wert auf Vorjahresniveau gerechnet.

Unter dem Strich geht Thyssenkrupp nun von einem Fehlbetrag im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich aus. Bislang hatte das Unternehmen einen ausgeglichenen Wert angenommen. 2022/23 hatte der Verlust knapp zwei Milliarden Euro betragen. Beim bereinigten Ebit erwartet der Konzern weiterhin eine Steigerung auf einen Wert im hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich nach 703 Millionen Euro im Vorjahr.


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