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Wie gefährlich ist Khosta-2, das Coronavirus aus russischen Fledermäusen?

Veröffentlicht am 23.09.2022, 16:19
Aktualisiert 23.09.2022, 16:35
Wie gefährlich ist Khosta-2, das Coronavirus aus russischen Fledermäusen?

Als SARS-CoV-2 in China entdeckt wurde und langsam aber sicher die gesamte Welt lahmlegte, kam schnell der Verdacht auf, dass das Virus vom Tier auf den Menschen übergesprungen sein könnte.

Mittlerweile untermauern mehrere Studie diese Annahme und haben den Ursprung zurückverfolgt auf ein Markt in Wuhan, auf dem lebendige Tiere verkauft wurden.

Zweieinhalb Jahre später warnen US-Forscher:innen der Washingston State University (WSU) vor einem Virus bei russischen Hufeisennasen - einer Fledermausart mit hufeisenförmiger Nase - das menschliche Zellen befallen kann und immun gegen Antikörper und Impfstoffe ist.

Das Fledermausvirus mit dem Namen Khosta-2 ist als Sarbecovirus bekannt und gehört damit zu derselben Unterkategorie der Coronaviren wie SARS-CoV-2. Laut der in der Fachzeitschrift PLoS Pathogens veröffentlicht Studie weist das Virus, "beunruhigende Merkmale" auf.

Demnach nutzt Khosta-2 seine Spike-Proteine, um menschliche Zellen zu infizieren, ähnlich wie SARS-CoV-2 es tut.

"Unsere Forschung zeigt, dass Sarbecoviren, die in Wildtieren außerhalb Asiens zirkulieren - sogar an Orten wie Westrussland, wo das Khosta-2-Virus gefunden wurde - ebenfalls eine Bedrohung für die globale Gesundheit und die laufenden Impfstoffkampagnen gegen SARS-CoV-2 darstellen", sagte Michael Letko, ein Virologe an der WSU und Mit-Autor der Studie, in einer Erklärung.

Die Entdeckung unterstreiche die Notwendigkeit, neue Impfstoffe zu entwickeln, die nicht nur auf bekannte Varianten von SARS-CoV-2, wie Omicron, abzielen, sondern gegen alle Sarbecoviren schützen.

Hufeisennasen der Gattung Rhinolophus sind in Eurasien, Afrika und Australien verbreitet. Pavel Kirillov, CC BY-SA 2.0

"Seltsame russische Viren"Von den Hunderten von Sarbecoviren, die in den letzten Jahren entdeckt wurden, hatte man die meisten in asiatischen Fledermäusen gefunden - sie waren aber meist nicht in der Lage, menschliche Zellen zu infizieren.

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Die Viren Khosta-1 und Khosta-2 wurden 2020 in Fledermäusen in der Nähe des russischen Sotschi-Nationalparks entdeckt und schienen zunächst keine Gefahr für den Menschen darzustellen, so die Autor:innen der Studie.

"Genetisch sahen diese seltsamen russischen Viren aus wie andere, die anderswo auf der Welt entdeckt wurden. Aber weil sie nicht wie SARS-CoV-2 aussahen, dachte niemand, dass man sich um sie Sorgen machen müsste", sagte Letko.

"Als wir sie genauer untersuchten, waren wir wirklich überrascht, dass sie menschliche Zellen infizieren können. Das ändert ein wenig unser Verständnis dieser Viren, woher sie kommen und welche Regionen betroffen sind".

Glücklicherweise fehlen dem neuen Virus einige der genetischen Merkmale, von denen man annimmt, dass sie das Immunsystem angreifen und zu Krankheiten beim Menschen beitragen. Es bestehe jedoch die Gefahr, dass Khosta-2 durch Rekombination mit einem zweiten Virus wie SARS-CoV-2 verheerende Folgen haben könnte.

"Wenn man sieht, dass SARS-2 die Fähigkeit hat, vom Menschen auf Wildtiere überzuspringen, und dann andere Viren wie Khosta-2 in diesen Tieren warten, die diese Eigenschaften haben, von denen wir nicht wollen, dass sie sie haben, dann entsteht dieses Szenario, bei dem man die Würfel weiter rollen lässt, bis sie sich zu einem potenziell riskanteren Virus verbinden", sagte Letko.

Erstmal Entwarnung?Letko und seine Kollegen stellten fest, dass Khosta-1 ein geringes Risiko für den Menschen darstellt, Khosta-2 war dagegen besorgniserregender.

Wie SARS-CoV-2 kann auch Khosta-2 mit seinem Spike-Protein Zellen infizieren, indem es sich an ein Rezeptorprotein namens Angiotensin-Converting Enzyme 2 (ACE2) anheftet, das in allen menschlichen Zellen vorkommt.

Leider ist jeder, der heutzutage Fledermausviren erforscht, Gegenstand von Verschwörungstheorien.
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Michael Letko Virologe, Washington State University

Das Forscherteam will dann herausfinden, ob sich das Virus der Immunität entziehen kann - die entweder durch frühere Coronavirus-Infektionen oder durch COVID-19-Impfstoffe besteht.

Anhand des Serums von Menschen, die mit der Omicron-Variante infiziert waren, stellte das Team fest, dass die vorhandenen Antikörper gegen Khosta-2 unwirksam waren.

Gleiches galt für das Serum von Personen, die gegen COVID-19 geimpft worden waren: Khosta-2 wurde nicht neutralisiert.

"In diesem Experiment haben wir Viren (oder in unserem Fall virusähnliche Partikel) mit dem Serum von Menschen, die mit Moderna- oder Pfizer-Impfstoffen geimpft wurden kombiniert. Dann haben wir es den Zellen in Reagenzgläser hinzugefügt", so Letko.

"Wenn die Antikörper im Serum der geimpften Person an das Virus binden können, dann kann das Virus die Zellen nicht infizieren - das können wir messen".

Allerdings, so Letko, sei es nicht überraschend, dass COVID-19-Impfstoffe die Infektion von Zellen mit Khosta-2 nicht wirksam verhindern können. Beide Viren seien sehr unterschiedlich.

Wie schnell können COVID-Impfstoffe angepasst werden?Alle Ergebnisse stammen aus Zellkulturexperimenten, "so dass wir nicht mit 100-prozentiger Sicherheit sagen können, dass diese Reaktionen wirklich eine echte Infektion bei einer Person imitieren".

"Es ist möglich, dass die Immunreaktion bei einer realen Person vielfältiger und wirksamer ist als dieses vereinfachte experimentelle System, das wir verwenden", sagte er.

Ein Ziel dieser Arbeit ist es, eine bessere Vorstellung davon zu bekommen, wie weit verbreitet diese Art von Virusbedrohungen sind.

Aufgrund der Ungewissheit über die Immunreaktion sei es schwierig zu sagen, ob und wie schnell die derzeitigen COVID-Impfstoffe so verändert werden könnten, dass sie gegen dieses neue Virus eingesetzt werden können.

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Auf die Frage, ob er über die Verschwörungstheorien besorgt sei, die im Zusammenhang mit seinen Erkenntnissen auftauchen könnten, antwortete Letko: "Jeder, der heutzutage Fledermausviren erforscht, ist Gegenstand von Verschwörungstheorien".

"Ein Ziel dieser Arbeit ist es, eine bessere Vorstellung davon zu bekommen, wie weit verbreitet diese Art von Virusbedrohungen sind, was unterstreicht, dass sie nicht nur in China oder sogar nur in Asien vorkommen", sagte er.

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