Die fünf wertvollsten Technologieunternehmen der Welt sitzen alle in den Vereinigten Staaten. Nvidia, Apple, Alphabet, Microsoft und Amazon bringen zusammen mehr als 20 Billionen Dollar auf die Waage. Erst auf Rang sechs steht ein Unternehmen von außerhalb, und es ist keins, das Endkunden kennen: TSMC aus Taiwan, der Auftragsfertiger, bei dem Nvidia und Apple ihre Chips produzieren lassen.
Der erste europäische Name taucht auf Rang dreizehn auf: ASML aus Veldhoven, 657 Milliarden Dollar, Hersteller der Belichtungsmaschinen, ohne die moderne Halbleiterfertigung nicht funktioniert. Danach kommt lange nichts. Europas zweitgrößter Technologiewert ist SAP mit 241 Milliarden Dollar, also keine fünf Prozent von Nvidias Marktwert.
Alle europäischen Technologiewerte zusammen kommen auf rund 1,47 Billionen Dollar, etwas mehr als Samsung Electronics allein und gut ein Viertel von Nvidia. Europa hat damit keine schwache Technologiebranche, sondern fast keine.
In Asien liegt der Fall anders. TSMC, Samsung und SK Hynix gehören zu den zwölf größten Technologieunternehmen der Welt, und an ihren Heimatbörsen wiegen sie schwerer, als Nvidia im amerikanischen Markt je gewogen hat. Was sie von den amerikanischen Konzernen trennt, ist nicht die Größe, sondern die Art des Geschäfts, und dieser Unterschied erklärt den Bewertungsabstand besser als jede Größenangabe.
Die Rangliste
Acht der zehn größten Technologiewerte sind amerikanisch, zwei asiatisch, keiner europäisch. TSMC auf Rang sechs ist mehr wert als Meta, Samsung Electronics auf Rang neun mehr als Micron.

Die europäische Seite lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Alle europäischen Technologiewerte zusammen kommen auf rund 1,47 Billionen Dollar. Das ist gut ein Viertel von Nvidia und etwas mehr als Samsung Electronics allein. Nvidia ist 8,3-mal so viel wert wie ASML, Apple 7,5-mal.
Wo Technologie ganze Aktienmärkte bestimmt
In Asien bestimmt die Branche ganze Aktienmärkte, und zwar in einem Ausmaß, das es in den USA nie gab.

In Taiwan stecken 75,6 Prozent des Börsenwerts in Technologieunternehmen. TSMC allein macht 41,3 Prozent der gesamten Taiwaner Börse aus. Zum Vergleich: Nvidia, über dessen Gewicht im amerikanischen Markt viel geschrieben wird, kommt auf 7,3 Prozent.
In Südkorea sind es 51,1 Prozent, und zwei Unternehmen tragen davon den größten Teil: Samsung Electronics mit 31,7 Prozent des KOSPI und SK Hynix mit 23,6 Prozent. Zusammen 55,2 Prozent in zwei Chipherstellern. Der koreanische Aktienmarkt ist zur Hälfte eine Wette auf Speicherpreise.
Der amerikanische Markt liegt mit 37,0 Prozent Technologieanteil dazwischen. Japan kommt auf 18,1 Prozent, China auf 12,1. Und Europa auf 9,2.
💡 Mit dem InvestingPro Screener gezielt suchen
Mit dem InvestingPro Screener kannst du weltweit Aktien nach über 1.200 Kennzahlen filtern – darunter Fair Value, Qualitätscheck und viele weitere eigens entwickelte Metriken. Zusätzlich lassen sich Daten exportieren, mit WarrenAI per Chat durchsuchen und durch ProResearch-Berichte inklusive Bull- und Bear-Case sowie SWOT-Analyse ergänzen. Jetzt InvestingPro-Mitglied werden
Was Asiens Technologie von amerikanischer unterscheidet
Asiens Riesen bauen. TSMC fertigt Chips, Samsung und SK Hynix stellen Speicher her, MediaTek entwirft Mobilfunkchips, Tokyo Electron und Advantest liefern die Maschinen und Prüfgeräte dafür. Das sind Zulieferer in einer Kette, deren Kunden sich an einer Hand abzählen lassen.
Die amerikanischen Riesen betreiben Plattformen. Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft verkaufen Suche, Werbung, Handel und Rechenleistung an Milliarden von Nutzern weltweit. Zusammen sind sie 12,43 Billionen Dollar wert. Asiens beide große Plattformen, Tencent und Alibaba, kommen auf 0,78 Billionen, also ein Sechzehntel davon. Beide sind im Wesentlichen auf ihren Heimatmarkt beschränkt.
Die Zahl, die den Unterschied am schärfsten fasst: Nvidia entwirft Chips und lässt sie bei TSMC fertigen. Nvidia ist 2,7-mal so viel wert wie sein eigener Fertiger.
Darin steckt keine Aussage darüber, wer das schwierigere Geschäft betreibt. Marktkapitalisierung misst, was Anleger heute für künftige Gewinne zahlen. Plattformen mit globaler Reichweite werden dafür höher bewertet als Fertigung, die alle paar Jahre zweistellige Milliardenbeträge in neue Werke steckt und ihre Umsätze mit einer Handvoll Kunden macht.
Europas Problem ist nicht ASML
In den USA sind neun der zehn größten börsennotierten Unternehmen Technologiewerte im weiteren Sinn. Die einzige Ausnahme ist Tesla. In Europa sind es zwei: ASML auf Rang eins und SAP auf Rang neun.

Dazwischen stehen drei Pharmakonzerne, zwei Banken, ein Ölkonzern, ein Lebensmittelhersteller und ein Industriekonzern.
ASML ist dabei kein Schwachpunkt, sondern das Gegenteil. Das Unternehmen hat in seinem Segment faktisch keinen Wettbewerber und trägt 4,33 Prozent des europäischen Gesamtmarktes, gegen 7,30 Prozent für Nvidia in den USA. Europas Lücke liegt hinter ASML: Es fehlt die zweite, dritte und vierte Reihe. Nach SAP folgen Infineon mit 0,56 Prozent Marktgewicht, Spotify mit 0,48, Nokia mit 0,35 und ASM International mit 0,29.
Was in Europa fehlt, sind Plattformen. Der Kontinent hat keinen Suchanbieter, keinen dominierenden Onlinehändler, kein soziales Netzwerk und keinen der drei großen Cloudanbieter. Spotify ist mit 105 Milliarden Dollar die größte europäische Plattform, und selbst dieses Unternehmen ist an der New Yorker Börse notiert.
Der Abstand ist nicht neu
In Dollar gerechnet wurden aus 100 Dollar seit Januar 2005 im US-Technologiesektor 1.961, am Taiwaner Markt 800 und im europäischen Technologiesektor 373.

Bis nach der Finanzkrise liefen alle drei ähnlich. Danach setzte sich der amerikanische Sektor ab. Seit Januar 2015 hat er sich noch einmal verzehnfacht, Taiwan verfünffacht, Europa verdreifacht. Der Abstand entstand also nicht erst mit dem KI-Boom der vergangenen drei Jahre, dieser hat ihn nur beschleunigt.
An der Währung liegt es nicht. Der Euro hat gegenüber dem Dollar in diesen einundzwanzig Jahren verloren, weshalb der US-Sektor aus Sicht eines Anlegers in Euro sogar noch besser dasteht: Aus 100 Euro wurden dort 2.248 statt 1.961, im europäischen Sektor 428 statt 373. Das Verhältnis zwischen beiden bleibt gleich, weil sich der Wechselkurs auf beide Seiten derselben Division auswirkt.
Was daraus für Anleger folgt
Wer einen Welt-ETF hält, hält überwiegend amerikanische Technologie. Das ist keine Entscheidung, die der Anleger getroffen hat, sondern das Ergebnis der Marktkapitalisierungsgewichtung. Wer das für zu viel hält, sollte wissen, dass die naheliegende Gegenbewegung nicht funktioniert wie erwartet: Ein Europa-ETF ist keine Technologiewette mit europäischem Etikett, sondern überwiegend Pharma, Banken und Industrie. Wer gezielt in die Branche will, landet bei Tech-ETFs, die ihrerseits zu großen Teilen aus denselben amerikanischen Namen bestehen. Und ein Schwellenländer- oder Asien-ETF ist häufig eine konzentriertere Halbleiterwette, als ein Nasdaq 100 es ist.
Für die Einschätzung eigener Positionen ist der zweite Punkt aus der Heimatmarkt-Tabelle der wichtigere. Wer über Taiwan- oder Korea-Fonds streuen will, streut kaum. Die Fonds mildern die Konzentration mit Kappungsgrenzen ab: Der Taiwaner Markt besteht zu 41,3 Prozent aus TSMC, der iShares-Taiwan-Fonds weist den Titel mit 21,9 Prozent aus. Auch das ist noch das Zweieinhalbfache von Nvidias Gewicht im S&P 500. Beim Korea-Fonds stehen Samsung und SK Hynix zusammen bei 46,2 Prozent, am ungekappten Markt bei 55,2. Das kann eine bewusste Entscheidung sein. Als Diversifikation taugt es nicht.
Wer passiv investiert, kauft die Welt so, wie der Markt sie bewertet, nicht so, wie die Wirtschaftsleistung verteilt ist. Diese Unterscheidung ist der Kern der Sache. Wie die amerikanischen Konzerne ihr Geld inzwischen verwenden, steht in unserer Auswertung zu Aktienrückkäufen gegen KI-Investitionen.
🤖 WarrenAI: Deine persönliche Aktien-KI
Egal ob du eine Aktie analysierst, Risiken verstehst oder Chartmuster erkennst – WarrenAI liefert dir in Sekunden professionelle Antworten. Von automatischer Chartanalyse über Prognosen bis hin zu kompakten Research-Zusammenfassungen. Diese KI ist wie ein persönlicher Analyst, der dir jederzeit zur Verfügung steht. Jetzt InvestingPro-Mitglied werden
Fazit
Die größten Technologiekonzerne der Welt sitzen in den USA, und der Abstand zum Rest ist groß. Asien ist dabei der Sonderfall: Taiwan und Südkorea haben Technologiekonzerne, die ihre Heimatbörsen stärker beherrschen, als Nvidia den amerikanischen Markt je beherrscht hat. Was ihnen fehlt, ist das Plattformgeschäft, und dort liegt der Bewertungsunterschied.
Europa fehlt beides. Nach ASML und SAP kommt nichts mehr, und die Lücke ist in zwanzig Jahren nicht kleiner geworden, sondern größer.
Häufige Fragen
Warum gibt es in Europa keine Big-Tech-Konzerne?
Es gibt zwei größere Technologieunternehmen, ASML und SAP, und danach eine Lücke. Was fehlt, sind Plattformen: Suche, sozialer Austausch, Onlinehandel und Cloud werden weltweit von amerikanischen Anbietern betrieben. Alle europäischen Technologiewerte zusammen kommen auf rund 1,47 Billionen Dollar, gut ein Viertel von Nvidia.
Hat Asien Big Tech?
Ja, aber anderer Art. TSMC steht weltweit auf Rang sechs, Samsung auf neun, SK Hynix auf zwölf. Diese Unternehmen fertigen Chips und Speicher, sie betreiben keine Plattformen. Asiens größte Plattformen Tencent und Alibaba sind zusammen 0,78 Billionen Dollar wert, die vier großen US-Plattformen 12,43 Billionen.
Welches ist das größte Technologieunternehmen außerhalb der USA?
TSMC aus Taiwan mit rund 2,04 Billionen Dollar, Stand 24. September 2026. Danach folgen Samsung Electronics mit 1,33 Billionen und SK Hynix mit 0,99 Billionen.
Wie stark ist der Taiwaner Markt von TSMC abhängig?
TSMC macht 41,3 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung der Taiwan Stock Exchange aus, gerechnet aus den Schlusskursen vom 23. September 2026 und den ausgegebenen Aktien aller 1.088 gelisteten Unternehmen. Zum Vergleich: Nvidia kommt auf 7,3 Prozent des gesamten US-Marktes.
Ist ein Europa-ETF eine Alternative zur US-Technologie?
Er ist vor allem etwas anderes. Der europäische Markt besteht zu 9,2 Prozent aus Technologie, der amerikanische zu 37,0 Prozent. Ein Europa-ETF ist überwiegend Pharma, Banken, Industrie und Konsum.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Alle Angaben basieren auf aktuellen Daten und Analystenschätzungen, die sich jederzeit ändern können. Robert ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht in die in diesem Artikel genannten Aktien investiert.
🚀 Alles in einer Plattform – InvestingPro
Wer ernsthaft in Aktien investiert, weiß: Ein einzelnes KGV oder ein Analystenziel reicht nicht aus. Du brauchst den Rundumblick. Genau hier setzt InvestingPro an:
- Über 1.200 Kennzahlen für eine tiefgehende Unternehmensanalyse
- Einen Fair-Value-Rechner mit mehr als 16 Bewertungsmodellen
- Fundamentale Charts, die Cashflow, Margen und Profitabilität sofort sichtbar machen
- Qualitätschecks in fünf Schritten, die Klarheit über Stärke und Schwächen einer Aktie geben
- Pro Research mit bis zu 10-seitigen Berichten zu 1.400 US-Aktien
- KI-Features wie WarrenAI für blitzschnelle Antworten und ProPicks, die 88 Strategien weltweit abbilden
- Tägliche Markt-Updates, damit du keine relevanten Entwicklungen verpasst
👉 Statt zwischen Tools, Newsportalen und Tabellen zu springen, bekommst du bei InvestingPro alles in einer Plattform – kompakt, datenstark und praxisnah.
Werde jetzt InvestingPro-Mitglied und verschaffe dir den entscheidenden Vorsprung an der Börse.
