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      Inhaltsverzeichnis

      • Was die Zahl über den KI-Hype aussagt, und was nicht
      • Die Spanne ist größer, als der Durchschnitt vermuten lässt
      • Der Test: Zahlt die Börse für den KI-Hype?
      • Was gegen diese Lesart spricht
      • Was Anleger damit anfangen können
      • FAQ: KI-Hype und Quartalscalls

      Home > Analysen

      Analysen Anfänger

      KI-Hype im Test: Wer darüber redet, wird an der Börse nicht dafür bezahlt

      geschrieben von
      Robert Zach
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      Finanzberichte, Anlageportfolios, technische Analyse, Aktienoptionen

      Editor in Chief | Investing.com

      BSc, Accounting, National Economy, Financial Economy, Cost-Earnings Accounting | Business Economist | IHK instructor

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      | Aktualisiert Oktober 17, 2026
      KI-Hype: Erwaehnungsquote und Kursentwicklung der S&P-500-Sektoren

      Wer wissen will, wie weit der KI-Hype trägt, kann eine ungewöhnlich schlichte Größe heranziehen: wie oft Vorstände das Thema von sich aus ansprechen, wenn sie ihre Quartalszahlen erklären. In den Calls zwischen dem 15. Juni und dem 14. September fiel der Begriff bei 331 von 493 Unternehmen des S&P 500. Das sind 67 Prozent. Zum Vergleich: Der Fünfjahresschnitt liegt bei 178 Calls, der Zehnjahresschnitt bei 114.

      Interessant ist daran weniger die Höhe als der Stillstand. Von Ende 2022 bis Ende 2025 hat sich die Zahl mehr als verdreifacht, seither bewegt sie sich nicht mehr. Es ist das dritte Quartal in Folge mit einem Wert um zwei Drittel, und das heißt umgekehrt: Ein Drittel der größten börsennotierten Unternehmen Amerikas spricht in seinen Quartalscalls nicht über die Technologie, die an der Börse angeblich alles bestimmt.

      FactSet stellt dieser Zählung eine zweite Beobachtung zur Seite. Unternehmen, die KI erwähnt haben, legten seit Jahresbeginn im Schnitt 15,7 Prozent zu, die anderen 8,1 Prozent. Das klingt nach einer Prämie fürs Mitreden, und genau so wird die Zahl auch zitiert. Ob es eine ist, lässt sich nachrechnen. Man muss dafür nur die Ebene wechseln und fragen, ob der Zusammenhang auch dann noch steht, wenn man die Sektoren einzeln betrachtet statt alle Unternehmen in zwei Töpfe zu werfen. Das Ergebnis fällt anders aus, als die beiden Zahlen nahelegen.

      Zahl der S&P-500-Quartalscalls mit KI-Erwaehnung in drei Quartalen
      Die Zahl der Quartalscalls, in denen KI vorkommt, liegt drei Quartale in Folge bei rund 330. Quelle: FactSet Earnings Insight, drei Ausgaben von März bis September 2026

      Was die Zahl über den KI-Hype aussagt, und was nicht

      Ein Unternehmen nennt in einem Quartalscall, was für das laufende oder das kommende Geschäft von Belang ist. Wer eine Technologie erwähnt, muss anschließend liefern oder zumindest Fragen dazu beantworten. Die Erwähnungsquote misst deshalb nicht, wie verbreitet KI im Unternehmen ist, sondern ob sie sich schon in Zahlen niederschlägt, die man einem Analysten vorlegen kann.

      Das erklärt auch den Stillstand. Bei zwei Dritteln der Unternehmen ist diese Schwelle überschritten, beim Rest offenbar noch nicht. Ein Vorstand, der das Thema einmal anspricht, wird danach in jedem weiteren Call darauf angesprochen. Diese Tür geht nicht wieder zu, und entsprechend vorsichtig wird sie geöffnet.

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      Die Spanne ist größer, als der Durchschnitt vermuten lässt

      Hinter den 67 Prozent stehen Sektoren, die kaum unterschiedlicher sein könnten. In der Informationstechnologie erwähnten 72 von 74 Unternehmen die Technologie, das sind 97 Prozent. Bei Finanzwerten sind es 91, bei Kommunikationsdiensten 90 Prozent. Am anderen Ende stehen Grundstoffe und Versorger mit je 28 Prozent.

      Anteil der Quartalscalls mit KI-Erwaehnung je Sektor des S&P 500
      Die Erwähnungsquote reicht von 97 Prozent in der Informationstechnologie bis 28 Prozent bei Grundstoffen und Versorgern. Quelle: FactSet Earnings Insight vom 18.09.2026, Sektorquoten aus den Stückzahlen rekonstruiert

      Ausgerechnet die Versorger bilden das Schlusslicht. Sie gelten als der stille Profiteur des KI-Ausbaus, weil Rechenzentren Strom brauchen und die Verträge über Jahrzehnte laufen. In ihren eigenen Quartalscalls kommt das Thema bei acht von 29 Unternehmen vor. Entweder unterschätzt der Markt hier etwas, oder die Sektorstory ist dünner als ihr Ruf.

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      Der Test: Zahlt die Börse für den KI-Hype?

      FactSets Vergleich stellt alle Unternehmen mit Erwähnung allen ohne gegenüber. Diese Rechnung hat eine Schwachstelle: Die Gruppe mit Erwähnung ist keine zufällige Auswahl, sondern voller Technologiewerte. Der Sektor erwähnt KI zu 97 Prozent und liegt seit Jahresbeginn 30,6 Prozent im Plus. Wenn ein einziger Sektor beide Enden der Rechnung dominiert, misst der Vergleich möglicherweise nur, dass Technologieaktien ein gutes Jahr hatten.

      Prüfen lässt sich das, indem man die Ebene wechselt und die elf Sektoren gegeneinander stellt: Erwähnungsquote auf der einen Achse, Kursentwicklung seit Jahresbeginn auf der anderen.

      Streudiagramm: KI-Erwaehnungsquote gegen Kursentwicklung der elf Sektoren
      Jeder Punkt ein Sektor: Erwähnungsquote gegen Kursentwicklung seit Jahresbeginn. Quelle: FactSet Earnings Insight und Kurse der Select-Sector-ETFs, eigene Berechnung

      Die Korrelation über alle elf Sektoren beträgt 0,24. Rechnet man mit Rängen statt mit Werten, was Ausreißer entschärft, bleiben 0,08. Nimmt man die Informationstechnologie heraus, sind es 0,03. Zwischen den Sektoren gibt es also keinen Zusammenhang zwischen Redehäufigkeit und Kursentwicklung.

      Die Einzelfälle zeigen dasselbe. Energie hat mit plus 44,2 Prozent den mit Abstand besten Sektor des Jahres gestellt, bei einer mittleren Erwähnungsquote von 71 Prozent, und der Grund ist der Ölpreis, nicht die Technologie. Kommunikationsdienste stehen mit 90 Prozent auf Platz drei der Redeliste und mit minus 4,6 Prozent im Minus. Finanzwerte reden zu 91 Prozent über KI und liegen 2,0 Prozent im Plus, also deutlich hinter dem Index. Grundstoffe schweigen weitgehend und liegen mit plus 11,8 Prozent über dem Durchschnitt.

      Was gegen diese Lesart spricht

      Die Rechnung hat selbst zwei Schwächen, die man kennen sollte. Erstens sind elf Sektoren eine sehr kleine Stichprobe. Eine Korrelation nahe null über elf Punkte beweist nicht, dass es auf Unternehmensebene keinen Effekt gibt, sie zeigt nur, dass er zwischen den Sektoren nicht sichtbar wird.

      Zweitens verzerrt der Energiesektor in die andere Richtung. Sein Kursplus hat mit dem Ölpreis zu tun und nicht mit Rechenzentren. Ohne Energie stiege die Korrelation etwas, sie bliebe aber weit von einem belastbaren Zusammenhang entfernt.

      Was übrig bleibt, ist trotzdem robust: Der auffälligste Befund an FactSets Vergleich ist, dass er sich fast vollständig auf einen einzigen Sektor zurückführen lässt. Wer daraus ableitet, dass ein Unternehmen durch die Erwähnung von KI an Wert gewinnt, verwechselt die Zusammensetzung einer Gruppe mit einer Eigenschaft ihrer Mitglieder.

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      Den Maßstab für den teuersten Ausgang liefert die Dotcom-Blase: Der Nasdaq verlor nach dem Hoch im März 2000 78 Prozent und brauchte 15 Jahre bis zum alten Stand.

      Was Anleger damit anfangen können

      Die Erwähnungsquote taugt nicht als Auswahlkriterium. Sie sagt etwas über die Kommunikationspflichten eines Vorstands aus und wenig über den Wert des Unternehmens. Als Beobachtungsgröße ist sie trotzdem nützlich, und zwar in einer bestimmten Richtung: Wenn die Quote nach drei Quartalen Stillstand wieder deutlich steigt, hat eine weitere Gruppe von Unternehmen die Schwelle zur Wesentlichkeit erreicht. Das wäre ein Hinweis darauf, dass die Technologie in der Breite der Wirtschaft ankommt und nicht nur bei ihren Lieferanten.

      Für die Beurteilung einzelner Aktien bleibt die Frage dieselbe wie immer: Wie viel künftiges Wachstum steckt bereits im Kurs, und woher stammen die Gewinne, mit denen gerechnet wird. Bei den Lieferanten des KI-Ausbaus lohnt dabei ein Blick darauf, wer die Kunden finanziert, die diese Gewinne erzeugen. Das ist Gegenstand eines eigenen Denkmodells.

      FAQ: KI-Hype und Quartalscalls

      Wie viele S&P-500-Unternehmen sprechen über KI?

      Im Berichtsquartal Q2 2026 erwähnten 331 von 493 Unternehmen den Begriff in ihrem Quartalscall, also 67 Prozent. In den beiden Quartalen davor waren es 337 von 498 und 331 von 485, jeweils 68 Prozent.

      Warum steigt die Zahl nicht weiter?

      Unternehmen nennen in Quartalscalls, was für ihre Zahlen wesentlich ist. Bei etwa zwei Dritteln ist das inzwischen der Fall, beim Rest offenbar noch nicht. Der Stillstand sagt nichts darüber aus, wie verbreitet die Technologie intern ist.

      Schneiden Unternehmen besser ab, die KI erwähnen?

      FactSet kommt auf plus 15,7 gegen plus 8,1 Prozent seit Jahresbeginn. Dieser Unterschied lässt sich weitgehend darauf zurückführen, dass die Gruppe mit Erwähnung von Technologiewerten geprägt ist. Zwischen den elf Sektoren beträgt die Korrelation zwischen Erwähnungsquote und Kursentwicklung 0,24, als Rangkorrelation 0,08 und ohne Technologie 0,03.

      Welcher Sektor spricht am wenigsten über KI?

      Grundstoffe und Versorger mit je 28 Prozent. Bei den Versorgern ist das auffällig, weil sie als Profiteur des Rechenzentrumsausbaus gelten.

      Woher stammen die Daten?

      Die Zählung stammt aus dem wöchentlichen Bericht Earnings Insight von FactSet, der die Transkripte aller S&P-500-Quartalscalls nach dem Begriff durchsucht. Die Kursentwicklung je Sektor ist eigene Berechnung auf Basis der Select-Sector-ETFs.

      Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Daten und können sich jederzeit ändern. Robert ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht in die in diesem Artikel genannten Aktien investiert.

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