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MONTE CARLO/GESAMT-ROUNDUP: Rückversicherer halten die Hand auf

Veröffentlicht am 11.09.2023, 15:35
Aktualisiert 11.09.2023, 15:45
© Reuters.
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MONTE CARLO (dpa-AFX) - Eine Häufung von Waldbränden, schweren Hagelgewittern und Überschwemmungen schreckt die großen Rückversicherer nicht von der Übernahme weiterer Katastrophenrisiken ab. Allerdings verlangen die Weltmarktführer Munich Re (ETR:MUVGn) , Swiss Re (SIX:SRENH) und Hannover Rück (ETR:HNRGn) von Erstversicherern wie Allianz (ETR:ALVG) und Axa (BIT:AXA) erneut mehr Geld dafür - und wollen bei kleineren und mittelgroßen Unwettern nicht mehr ständig mit einspringen müssen. Unterdessen erwartet die Branche 2023 wieder ein teures Naturkatastrophenjahr, wie ihre Vertreter beim traditionellen Branchentreffen in Monte Carlo deutlich machten.

Beim "Rendez-Vous de Septembre", wie das Zusammenkommen offiziell heißt, im Fürstentum Monaco loten Rückversicherer und Erstversicherer seit dem Wochenende wieder die Konditionen für die Vertragserneuerung im Schaden- und Unfallgeschäft zum kommenden Jahreswechsel aus. An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Aktien von Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück legten bis Montagnachmittag um ein bis zwei Prozent zu.

Während manche Rückversicherer keine Schäden durch Naturkatastrophen mehr decken wollen, scheuen die drei Großen der Branche solche Risiken weiterhin nicht. "Wir haben Appetit auf Naturkatastrophenrisiken", sagte Munich-Re-Vorstandsmitglied Stefan Golling bereits am Sonntag. Am Montag stellten auch Swiss Re und Hannover Rück klar, dass sie in diesem Geschäft weiter wachsen möchten - allerdings nicht auf Biegen und Brechen.

"Der Preis des Risikos steigt", sagte Hannover-Rück-Chef Jean-Jacques Henchoz. "Das ist uns allen hier in Monte Carlo klar." Zwar habe die Hannover Rück in den Erneuerungsrunden des laufenden Jahres bereits deutlich adäquatere Preise und Konditionen erzielt. "Allerdings reichen diese Verbesserungen in Anbetracht der nach wie vor anspruchsvollen Risikolage nicht aus", sagte Henchoz.

Die Erstversicherer hatten ihre Gewinne jahrelang immer weiter gesteigert - während sie den Rückversicherern unliebsame Risiken aufbürdeten. Der Ratingagentur Moody's zufolge holen sich die Rückversicherer derzeit ein Stück des Kuchens zurück. Die Unternehmen selbst wollen diesen Trend auch 2024 aufrechterhalten.

Dass ihnen dies gelingt, erwarten auch die Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch. Sie haben ihre Ausblicke für die Rückversicherungsbranche angehoben. Deren Margen hätten sich verbessert, und die Unternehmen könnten zudem von den gestiegenen Zinsen am Markt profitieren.

Bei den Verhandlungen mit ihren Kunden haben die Rückversicherer besonders die immer häufiger werdenden mittelgroßen Naturkatastrophen im Blick. Die sogenannten zweitrangigen Naturgefahren ("secondary perils") wie Waldbrände, Sturm, Hagel und Überschwemmungen hätten in den vergangenen fünf Jahren mehr als die Hälfte der Katastrophenschäden verursacht, analysiert Moody's.

So richteten die Unwetter in Deutschland Ende August laut dem deutschen Versichererverband GDV versicherte Schäden von rund 900 Millionen Euro an. "Für den gesamten August summieren sich damit die Schäden durch Sturm, Hagel, Blitz und Überschwemmungen auf 1,5 Milliarden Euro", sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen am Montag.

Nach Auffassung der Swiss Re müssen Erstversicherer und Rückversicherer solche Risiken künftig neu untereinander aufteilen. Nur so könne es Rückversicherern auch in Zukunft gelingen, Spitzenrisiken und Großkatastrophen abzufedern. Erstversicherer seien besser dazu geeignet, um die Folgen von häufiger auftretenden, kleineren Unwettern zu tragen. Rückversicherer sollen verstärkt für die Folgen von ganz großen Katastrophen geradestehen.

Im ersten Halbjahr hinterließen Naturkatastrophen der Munich Re zufolge wirtschaftliche Schäden von rund 110 Milliarden Dollar - davon seien 43 Milliarden versichert gewesen. Im Gesamtjahr dürften die versicherten Naturkatastrophen-Schäden daher wie im Vorjahr die Marke von 100 Milliarden überschreiten, schätzen Vertreter von Munich Re und Swiss Re. Vergangenes Jahr waren sie mit 120 Milliarden Dollar wegen Hurrikan "Ian" noch höher ausgefallen.

Dabei dürfte der sich beschleunigende Klimawandel dazu beitragen, dass tropische Wirbelstürme, Hitzewellen und Winterfrost, extreme Regenfälle, Waldbrände und schwere Stürme zunehmen, hieß es bei der Hannover Rück. Der Vorstand erinnerte an die jüngsten Feuer auf Hawaii sowie die Überflutungen in Slowenien und Österreich. Die hohe Inflation verteuert die Versicherungsschäden zusätzlich.

Dies trifft auch die Kfz-Versicherung, bei der steigende Preise für Ersatzteile und Reparaturen teuer zu Buche schlagen. Um 2024 nachhaltig in die schwarzen Zahlen zu kommen, müssten die Unternehmen die Prämien ihrer Kunden um etwa 20 Prozent anheben, sagte Hannover-Rück-Deutschlandchef Michael Pickel. Dies sei aber unrealistisch.

2023 hätten die Kfz-Versicherer die Prämien im Schnitt lediglich um drei Prozent erhöht. Dabei wären zehn Prozent notwendig gewesen, um nicht in die roten Zahlen zu rutschen, erklärte Pickel. Als größter Kfz-Rückversicherer in Deutschland hat die Hannover Rück einen besonders guten Einblick in die Tarifgestaltung von Kfz-Versicherern wie Huk Coburg und Allianz.

Unterdessen plädierte die Hannover-Rück-Führung dafür, in Zusammenarbeit mit Regierungen auch Risiken versicherbar zu machen, für die es bisher keine oder keine ausreichenden Deckungen gibt. Dazu zählten Risiken wie die Corona-Pandemie, die zu flächendeckenden Lockdowns führte. "Solch ein Risiko können wir nicht versichern", sagte Henchoz.

Gleiches gilt dem Manager zufolge für Risiken rund um Computersysteme, Internet und Daten, die bisher nur zu geringen Teilen durch sogenannte Cyberversicherungen abgedeckt werden. Hier brauche es eine Kooperation mit Regierungen, bei denen der Staat ab einer gewissen Schadensumme einspringe.

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