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Wirtschaftsgutachten, Fed-Vollkasko, Solidarität gegen USA, gute Daten

Veröffentlicht am 24.06.2020, 10:45
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Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1316 (06:20 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1278 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 106,55. In der Folge notiert EUR-JPY bei 120,57. EUR-CHF oszilliert bei 1,0685.

Die Wirtschaftsweisen rechnen für 2020 mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 6,5%. Ab Jahresmitte unterstellt man eine anziehende Konjunktur. Das deckt sich mit unserer Sichtweise hinsichtlich des Zeitablaufs (Tiefpunkt April 2020). Das Bruttoinlandsprodukt wird laut Sachverständigenrat 2021 um 4,9% steigen. Daraus ergäbe sich, dass das BIP erst im Jahr 2022 wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie läge. 

Wir erinnern an die zu verhaltenen Prognosen der Elite der Ökonomen nach der Krise 2008/2009. Seinerzeit handelte es sich um eine massive endogene Krise der Ökonomie. Hier handelt es sich um eine administrierte Rezession mit einer Ursache exogener Qualität (Covid-19). Das Volumen der verfügten Stabilisierungs-, Konjunktur- und Strukturmaßnahmen auf globaler Ebene nebst der Reduzierung des globalen Zinsniveaus auf neue historische Tiefststände (+QE) impliziert mindestens einen Erholungspfad gemäß Berechnung des Sachverständigenrats. Lesen Sie hier durchaus zwischen den Zeilen. 

Die fünf Wirtschaftsweisen lehnen eine Haushaltskonsolidierung derzeit ab. Professor Feld sagte, dass wir wirtschaftspolitisch gefordert sind, eine expansive Finanzpolitik zu betreiben. Es wäre sehr problematisch, schon 2021 über die Konsolidierung nachzudenken. Professor Wieland betonte, dass es fatal wäre, jetzt eine Diskussion über Steuererhöhungen zu beginnen oder eine Reichensteuer zu fordern. Damit würde man der Erholung einen Schlag verpassen.

Wir stimmen hier dem Sachverständigenrat umfänglich zu, auch weil durch das ermäßigte Zinsniveau die Schuldentragfähigkeit voll und ganz gegeben ist.

Federal Reserve mit Vollkaskopolitik:

Die US-Notenbank Fed hat laut der Federal Reserve Gouverneurin von San Francisco Mary Daly (CNN Interview) einen langen Atem bei der Bekämpfung der Corona-Rezession. Die Zentralbank würde alles tun, um eine ausreichend lange Brücke zu bauen, die die Wirtschaft zur Erholung tragen könne. Damit wird deutlich, dass seitens der Federal Reserve ein Scheitern der implementierten Maßnahmen nicht zugelassen wird. Hier wird bezüglich der Möglichkeiten der US-Notenbank faktisch eine Vollkaskoversicherung ausgesprochen.

Da die US-Wirtschaft, anders als die Kontinentaleuropas (struktureller Vorteil Kontinentaleuropas!), in ihrer Konjunkturlage wesentlich auch von der Bewertung der Wirtschaftsaktiva (Aktien, Immobilien) abhängt (tendenziell US-Asset-Driven-Economy versus EU-Income-Driven-Economy), liefert die Federal Reserve implizit mindestens Teilkaskoschutz für diese Märkte.

Die Fed hat mit diversen Notfallprogrammen und quantitativen Maßnahmen elementar dazu beigetragen, die US-Wirtschaft zu unterstützen. Notenbankchef Jerome Powell hat dem Kongress bei seiner Anhörung geraten, die von der Corona-Pandemie erschütterte Wirtschaft weiter zu stützen. Er sagte, die Währungshüter hätten sich darauf festgelegt, die gesamte Bandbreite ihrer Instrumente zur Stützung der Wirtschaft zu nutzen. Die Notenbank stehe bereit, mehr zu tun, falls es die Konjunkturerholung erfordere. Auch hier wurde der Vollkaskoschutz klar thematisiert, soweit es die Möglichkeiten der US-Notenbank hergeben.

Die US-Regierung mit der US-Treasury liefern auch. Das lässt sich an den öffentlichen Defiziten im laufenden Jahr festmachen. Per 22. Juni stellt sich die öffentliche US-Neuverschuldung im Jahr 2020 auf 3.042 Mrd. USD oder circa 14% des BIP. Die Defizitprognose des IWF für das Gesamtjahr 2020 lag bei 15,6% des BIP. 

Fakt ist, dass die Notenbank und der Staat historisch einmalig bezüglich der Amplitude tätig sind. Fakt ist aber auch, dass die US-Strukturen im Vergleich zu den anderen westlichen Wirtschaftsräumen schwach aufgestellt waren und weiter sind. Was wird das perspektivisch für den USD und die Rolle des USD bedeuten? „Food for thought!“

Solidarität gegen die USA:

Nach den Sanktionsdrohungen der USA gegen den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag haben sich mittlerweile 67 der 123 Mitgliedsstaaten hinter das Gericht gestellt. In einer Erklärung wird von einer unerschütterlichen Unterstützung des Gerichts als unabhängige und unparteiische juristische Institution gesprochen. 

US-Präsident Trump hat ein Vorgehen gegen Mitglieder des Strafgerichtshofs ermöglicht. Hintergrund dieser US-Intervention sind Ermittlungen zu Kriegsverbrechen in Afghanistan, die sich gegen die USA richten könnten. Sowohl die UN als auch die Bundesregierung haben diese US-Drohung kritisiert. Das begrüßen wir. Rechtsstaatlichkeit ist die Grundlage der Demokratie und Freiheit. Wo stellen sich die USA auf? Wie definiert sich ein totalitärer Anspruch? Das US-Verhalten ist mehr als skandalös, es untergräbt die Glaubwürdigkeit der westlichen Werte!

Aktuelle Corona-Lage gemäß der Johns-Hopkins-Universität:

Wir weisen darauf hin, dass die Darstellung der Johns-Hopkins-Universität lediglich eine Annäherung an die reale Lage liefert. Insbesondere das fehlende Nachhalten diverser Länder bei den Genesungszahlen vermittelt eine Überzeichnung der Lage der aktiven Fälle. Die anfängliche Disziplin der Länder im Bemühen um eine transparente Darstellung der realen Lage ist nur noch in Teilen gewährleistet. 

Das Thema der Exit-Strategien aus den Extremmaßnahmen bestimmt weiter grundsätzlich das Bild. Es gibt aber auch vereinzelt Verschärfungen der Maßnahmen, die aber weitgehend regionalen und nicht nationalen Charakter aufweisen.

In Asien setzt sich die Entspannung (und die wirtschaftliche Erholung) fort. In China liegen 457 akute Infektionen vor. In Südkorea stellt sich die Zahl auf 1.324. In Japan liegt sie bei 818. In Singapur sind es 6.411.

In Kontinentaleuropa ist die Lage stabil. Einige Länder liefern keine aktuellen Genesungszahlen laut Johns-Hopkins, so dass wir uns hier nur auf einige Länder fokussieren, die ihren Aufgaben nachkommen. In Deutschland liegt die Zahl der akuten Infektionen bei 7.741. Österreich liegt bei 454 Fällen. Die Schweiz bringt es auf 376. In Italien sind es noch 19.573. Irritierend sind die Genesungszahlen aus den Niederlanden (186!), Belgien, Spanien, Frankreich und Schweden. 

Die Problemländer sind weiter die USA (1.578.174), das UK (263.341, keine Plausibilität bei Genesungen, Bild deutlich überzeichnet), Brasilien (465.298) und Russland (234.682).

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden

Die Einkaufsmanagerindices der großen westlichen Wirtschaftsräume legen derzeit eine V-förmige Erholung hin. Es handelt sich jedoch lediglich um Sentiment-Indices. Man kann diese Entwicklung aber dennoch als Ausdruck einer endogen stabilen Grundlage der Ökonomien (ex Mangel US-Strukturen) interpretieren. Die realwirtschaftliche Seite wird in der Tendenz, jedoch nicht in dieser Amplitude folgen, da sie durch nach wie vor bestehende Maßnahmen aus dem Lockdown gehemmt ist. Nur im Maße, wie diese Regulierungen aufgehoben werden, kann eine Rückkehr zur „Normallage“ schlussendlich erfolgen.

Eurozone: Markit PMIs stark, Paris setzt Ausrufungszeichen!

Die von Markit ermittelten vorläufigen Einkaufsmanagerindices der Eurozone setzten gestern positive Akzente. Der Index für das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete per Juni einen Anstieg von zuvor 39,4 auf 46,9 Punkte (Prognose 44,5). Der Dienstleistungsindex legte von zuvor 30,5 auf 47,3 Zähler zu (Prognose 41,0). In der Folge reüssierte der Composite Index mit einer Zunahme von zuvor 31,9 auf 47,5 Punkte (Prognose 42,4). Insbesondere Frankreich konnte überzeugen. Dort lag der Index für das Verarbeitende Gewerbe bei 52,1 nach 40,6 Zählern und der Dienstleistungsindex bei 50,3 nach 31,1 Zählern (Composite 51,3 nach 32,1). 

UK: Starke Erholung des Sentiments auch im UK

Die von Markit ermittelten vorläufigen Einkaufsmanagerindices des UK setzten positive Akzente. Der Index für das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete per Juni einen Anstieg von zuvor 40,7 auf 50,1 Punkte (Prognose 45,0). Der Dienstleistungsindex legte von zuvor 29,0 auf 47,0 Zähler zu (Prognose 40,0). In der Folge reüssierte der Composite Index mit einer Zunahme von zuvor 30,0 auf 47,6 Punkte (Prognose 41,0). 

USA: Starke Erholung des Sentiments losgelöst von schwacher Struktur

Die von Markit ermittelten vorläufigen Einkaufsmanagerindices der USA setzten gestern positive Akzente. Der Index für das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete per Juni einen Anstieg von zuvor 39,8 auf 49,6 Punkte (Prognose 48,0). Der Dienstleistungsindex legte von zuvor 37,5 auf 46,7 Zähler zu (Prognose 46,5). In der Folge reüssierte der Composite Index mit einer Zunahme von zuvor 37,0 auf 46,8 Punkte. 

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.0850 - 70 neutralisiert den positiven Bias des Euros.  

Bleiben Sie gesund, viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer 
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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