Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1260 (07:40 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1193 im europäischen Handel markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 101.07. In der Folge notiert EUR/JPY bei 113.85. EUR/CHF oszilliert bei 1.0853.
Gestern wurden die Verbraucherpreise der USA veröffentlicht.
Die Gesamtrate war im Monatsvergleich per Juli unverändert. Das entsprach der Prognose.
Im Jahresvergleich stiegen die Verbraucherpreise um 0,8% nach zuvor 1,0%. Die Prognose lag bei 0,9%. Das wirkt auf ersten Blick unproblematisch.
Für Zentralbanken entscheidend sind die Kernraten. Sie geben der Zentralbank Aufschluss über die aus der eigenen Volkswirtschaft generierten Preiseffekte.
Die US-Kernrate stieg im Monatsvergleich um 0,1% (Prognose 0,2%).
Im Jahresvergleich stellte sich die Zunahme auf 2,2% nach zuvor 2,3% im Dunstkreis der höchsten Niveaus seit 2009!
Hier wurde also der Zielwert der Federal Reserve, der bei 2% liegt, längst gerissen. Das aktuelle Preisniveau bei Energie und den anderen Rohstoffen impliziert, dass die Gesamtraten im Laufe des vierten Quartals mindestens die Kernraten erreichen werden. Ergo ergibt sich dann ein Inflationsniveau, das die Federal Reserve sehr viel kritischer bewerten muss als derzeit.
Nur so lassen sich die Einlassungen des Gouverneurs der Federal Reserve interpretieren. Der Gouverneur der Federal Reserve New York William Dudley schürte Erwartungen, dass es bis Ende 2017 mehr als eine Zinserhöhung seitens der US-Zentralbank geben werde. Gleichwohl sieht er keinen Grund, die Zinszügel besonders stark anzuziehen. Es sei derzeit noch zu früh, darüber zu diskutieren das Inflationsziel bei 2% zu erhöhen. Der Gouverneur der Fed Atlanta Lockhart thematisierte gestern die Möglichkeit von zwei Zinserhöhungen per 2016.
Hier tut sich ein Dilemma auf. Die Verschuldungsgrade (u.a. Konsum!) sind hoch. Das „Leverage“ ist hoch. Die Bewertungen der US-Aktienmärkte sind ambitioniert, auch wenn Herr Dudley angeblich keine Blasen erkennen will.
Wenn es zu Zinserhöhungen kommen sollte, sind es definitiv keine Zinserhöhungen auf Basis ökonomischer Stärke, sondern es wären Zinsveränderungen die das Thema Stagflation als Ursache in sich trügen.
Ältere Semester erinnern sich vielleicht noch. So etwas wird nicht nur nicht am Devisenmarkt goutiert!
Die US-Neubaubeginne legten per Juli in der annualisierten Fassung von 1.186.000 auf 1.211.000 Objekte zu. Die Prognose lag bei 1.180.000 Immobilien.
Baugenehmigungen verzeichneten in der annualisierten Fassung einen unwesentlichen Rückgang von 1.153.000 auf 1.152.000 (Prognose 1.160.000).
Beide Daten bestätigen das erhöhte, aber historisch betrachtet unverändert niedrige Niveau, auch bezüglich des Bevölkerungswachstums der letzten 16 Jahre!
Damit kommen wir zu Daten des US-Einzelhandels. Die Redbook-Serie hat einen guten Ruf. In der letzten Berichtswoche kam es auf Monatsbasis zu einem Rückgang um 0,3%. Im Jahresvergleich stellte sich ein Anstieg um 0,2% nach zuvor 0,5% ein. Diese Datenreihe ist nicht inflationsbereinigt.
Das konjunkturelle Dilemma wird hier im Zeitverlauf eindrücklich im Chart belegt.
Im Jahresvergleich kam es zum geringsten Anstieg seit 2009 bei wachsender Bevölkerung.
Diese Entwicklung ist schlicht weg und ergreifend kritisch!
Die US-Industrieproduktion setzte mit +0,7% im Monatsvergleich gegenüber der Prognose bei 0,3% zunächst positive Akzente. Die Revision des Vormonatswerts von 0,6% auf 0,4% nivellierte den Akzent nicht unerheblich.
Im aussagekräftigen Jahresvergleich kam es den elften Monat in Folge zu Rückgängen. Per Juli stellte er sich auf -0,53%.
Die US-Kapazitätsauslastung stellte sich auf 75,9% nach zuvor 75,4%. Nachfolgender Chart belegt die leichte Erholung, aber vor allen Dingen das unverändert niedrige Niveau.
In Deutschland liegt die Kapazitätsauslastung beispielsweise bei aktuell 84,7%.
Fazit zu der US-Konjunkturentwicklung:
Das Thema US-Stagflation wird zunehmend hoffähig. Die aktuellen Datenkränze können hinsichtlich eines sich selbst tragenden Aufschwungs nicht ansatzweise überzeugen. Das gilt umso mehr, als dass diese Konjunkturlage mit einem öffentlichen Haushaltsdefizit in einer Größenordnung von voraussichtlich deutlich mehr als 4% des BIP erkauft wird.
Werfen wir einen Blick auf Deutschland und Europa!
Der ZEW-Sentimentindex legte von -6,8 auf +0,5 Punkte per August zu. Damit verfehlte dieser Index den bei 1,8 Zählern angesiedelten Prognosewert.
Der Lageindex überzeugt und lieferte mit 57,6 Punkten den höchsten Indexstand seit Januar 2016 (Vormonat 49,8, Prognose 50,0).
Zusammengefasst konnte diese Veröffentlichung überzeugen. Die befragten Finanzanalysten haben das “Brexit-Trauma“ (Sentiment) wohl überwunden.
Die Handelsbilanz der Eurozone überzeugt voll und ganz. Per Juni stellte sich laut Eurostat ein Überschuss in Höhe von 29,2 Mrd. Euro ein. Die Prognose lag bei nur 25,8 Mrd. Euro.
Nachfolgender Chart zeigt noch einmal eindrucksvoll, wie die Handelsbilanz von Defiziten bis zu mehr als 15 Mrd. Euro in der Phase 2005 – 2011 geprägt war und dann durch die Reformpolitik der Südländer in Überschüsse gedreht wurde.
Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.0950 – 1.0970 dreht den Bias.
Viel Erfolg!
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