Im Börsen-Sommerloch

Veröffentlicht am 11.08.2015, 08:12


Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

derzeit befinden sich die Börsen im Sommerloch. Die Anzeichen dafür sind unübersehbar – aber auch die dadurch drohenden Gefahren.

Wie Sie das Sommerloch erkennen
Woran erkennt man das Sommerloch? Kurz gesagt: Am Unterschied zu „vorher“. „Vorher“, das war z.B. die Griechenlandkrise. Sie erinnern sich vage? Das war die Zeit, in der die Kurse nach jeder Nachricht aus Brüssel, Berlin oder Athen wie wild hin und her sprangen.
Man mag es kaum glauben, aber das ist kaum einen Monat her. Seitdem ist viel geschehen. So gab es z.B. einen Crash in China. Dieser verursachte zwar ebenfalls einigen Wirbel, aber hauptsächlich in den Medien. Die Börsen hierzulande ließen sich davon kaum beeindrucken – ein erstes untrügliches Zeichen für das Börsen-Sommerloch.
Eine Fed-Sitzung kam – und ging vorüber. Auch darauf regierten die Börsen kaum. Zugegeben, das geschieht häufiger nach Fed-Sitzungen, von denen nichts erwartet wird und die diese Erwartung auch nicht enttäuschen. Kaum Reaktionen nach wichtigen Ereignissen und Zahlen.

Aber immerhin gab in den vergangenen Wochen noch einige wichtige Zahlen und Konjunkturdaten, die durchaus unterschiedlich ausfielen: die Ergebnisse der Quartalsberichtssaison und die erste Schätzung des US-Bruttoinlandsprodukts für das zweite Quartal (siehe Steffens Daily vom 03.08.2015), die ISM-Frühindikatoren aus den USA (siehe Steffens Daily vom 06.08.2015) und der wichtige US-Arbeitsmarktbericht (siehe Steffens Daily vom 07.08.2015).
Auf all das reagierten die Kurse faktisch nicht. Selbst der bedeutsame Fehlausbruch im NASDAQ 100 führte (noch?) nicht zu den üblichen Reaktionen. Wenn also selbst derartige Ereignisse die Anleger nicht mehr aus der Reserve locken können, dann befinden wir uns im Sommerloch.

Das ist aber auch kein Wunder. Überall haben inzwischen die Ferien begonnen. Viele Leute sind im Urlaub und falls man doch mal jemanden erreicht, dann hört man häufig: „Sag mal, hat das eventuell auch Zeit bis nach meinem Urlaub?“ Der Sommer fordert auch an den Börsen seinen Tribut
In manchen Gegenden, z.B. in Frankreich, ruht faktisch „das Leben“ während des typischen Sommermonats August. Und so wirken gerade in südlichen Gegenden die Orte im Hochsommer oft wie ausgestorben.
Selbst an den Börsen fordert dann der Sommer seinen Tribut und lichtet die Reihen der aktiven Trader. Dementsprechend wird es im Sommerloch – gemessen an den Kursausschlägen – mitunter etwas ruhiger an den Börsen.

Das hat aber auch seine Vorteile. So muss man nun nicht ständig auf den Ticker starren, sondern hat mal wieder etwas Zeit zur Besinnung. Besinnlichkeit bringen wir zwar üblicherweise mit Weihnachten in Verbindung, aber auch das Sommerloch eignet sich hervorragend dazu. Sommerloch bietet Gelegenheit zum Nachdenken
Insbesondere in südlichen Gefilden ziehen sich die Leute einen Großteil des Tages zur Siesta zurück – einer Ruhephase. In Mitteleuropa pflegen wir derartige Bräuche eher weniger, aber gerade im Urlaub können wir mal „die Seele baumeln“ und unsere Gedanken schweifen lassen – und dabei über „Gott und die Welt“ bzw. über die Börse nachdenken.
Perfekt wäre es natürlich, wenn die Investoren nach ihrer Sommerpause frohgemut an die Börsen zurückkehren – und die Kurse dann quasi mit frischer Kraft auf neue Hochs treiben.

Allerdings ist auch das Gegenteil möglich: Wenn ihnen die Anregung bzw. Fantasie für weiter steigende Kurse fehlt, dann könnten die Märkte zunächst weiter dahindümpeln und am Ende sogar – den zuletzt eher bearishen Chartsignalen folgend – kräftiger zurückfallen. Auf die Fortsetzung der Rally besinnen
Denn auch das ist leider ein häufig zu beobachtendes Phänomen im Sommerloch: „unerklärlich“ schwankende Kurse oder starke Kursausschläge, die letztlich mitunter unerwünschte Tatsachen schaffen. Aber auch das kennen wir aus dem „richtigen“ Leben: Wenn man zu lange Pause macht, kommt man hinterher nur schwer wieder in Gang und hat dann Mühe, wieder Anschluss zu finden.

Hoffen wir also, dass die sommerliche Besinnung doch noch den einen oder anderen Impuls für die Fortsetzung der bisherigen Rally bringt.
Mit besten Grüßen,
Ihr Torsten Ewert

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