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IWF/Fed - EZB: "Lower for longer!" - Mehr Konjunkturmunition?

Von Folker HellmeyerMarktüberblick23.07.2021 08:48
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IWF/Fed - EZB: "Lower for longer!" - Mehr Konjunkturmunition?
Von Folker Hellmeyer   |  23.07.2021 08:48
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Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1770 (06:10 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1758 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 110.25. In der Folge notiert EUR-JPY bei 129,76. EUR-CHF oszilliert bei 1,0828.

An den Finanzmärkten ergibt sich heute ein weitgehend freundlicher Auftakt zumindest an den westlichen Aktienmärkten. Der USD tendiert seitwärts.  

IWF lobt die Fed!

Das Gremium des IWF hat der Fed in dem Bericht zur Bewertung der US-Wirtschaftspolitik eine hohe Effektivität bei der Bewältigung der Pandemie attestiert.

Kommentar: Seit Jahren ziehen der IWF und der westliche Notenbankkreis weitgehend an einem Strang.

Der IWF forderte die Fed auf, ihre Überlegungen zukünftig sorgfältig zu kommunizieren, um zu gewährleisten, dass eine geldpolitische Anpassung geordnet und transparent verlaufe. So könne man Missverständnisse an den Finanzmärkten, Volatilität in der Marktpreisbildung und eine ungerechtfertigte Verschärfung der finanziellen Bedingungen vermeiden.

Kommentar: Vollkasko wird seitens des IWF angemahnt. Implizit steht zwischen den Zeilen "lower for longer"!

Das Gremium stellte sich voll hinter die Regierungspläne im Rahmen der geplanten Programme.

Kommentar: Der IWF hat erkannt, dass hinsichtlich der globalen Machtauseinandersetzungen eine Ertüchtigung der westlichen Strukturen bitte notwendig ist (Aristoteles). 

EZB: "Lower for longer!"

Erwartungsgemäß verzichtete die EZB auf eine Veränderung des Leitzinses (0,00%) und des Anlagezinses (-0,50%). 

Die EZB will laut neuem geldpolitischen Ausblick auf längere Zeit der Wirtschaft mit ihrer expansiven Geldpolitik helfen.

Zu dem Kontext des neuen geldpolitischen Ausblicks:

Die EZB will ihre Leitzinsen so lange auf dem aktuellen oder einem noch tieferen Niveau halten, bis erkennbar ist, dass die Inflation nachhaltig und dauerhaft 2% erreicht. Das könnte eine Übergangszeit von Inflationsraten moderat über 2% bedeuten. Die EZB betonte, dass sie bereit sei, alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente anzupassen, um zu erreichen, dass sich die Inflation mittelfristig bei ihrem neuen Ziel stabilisiert.

Lagarde argumentierte, dass der mittelfristige Ausblick für die Preisinflation weiter deutlich unter dem Ziel der EZB liege. Daher sei der geldpolitische Ausblick verändert worden. Im EZB-Rat gab es Dissens. Gemäß Insidern lehnten Bundesbank-Präsident Weidmann und Belgiens Notenbankchef Wunsch neben einigen anderen Vertretern den neuen Zinsausblick ab. Lagarde betonte, dass mit dem neuen geldpolitischem Ausblick keine Niedrigzinspolitik für eine noch längere Zeit zementiert werde.

Fazit zur absehbaren EZB-Politik:

Der neue geldpolitische Ausblick der EZB bedient zwei Felder. Mit Blick nach Karlsruhe wurden Schwachpunkte ausgemerzt. Darüber hinaus wird die Niedrigzinspolitik losgelöst von Lagardes Einlassungen für längere Zeit festgeschrieben, als es vor Monaten noch denkbar war. 

Ein "Zinswendchen" steht mit größter Wahrscheinlichkeit nicht vor 2023 an, wenn überhaupt. 

Am Kapitalmarkt kündigte sich diese Entwicklung bereits an. So sanken die Renditen der 10-jährigen Bundesanleihe im Vorwege von circa -0,15% auf zuletzt -0,40%. 

Das Thema Zinsversteifung ist damit weder für die Realwirtschaft noch für die Finanzmärkte der Belastungsfaktor, der vor Wochen laut im Markt als potenzielle Hypothek diskutiert wurde.

Bezüglich der Konnektivität (u.a. Devisenmarkt) der westlichen Zentralbankpolitiken impliziert die Haltung der EZB, dass auch die Federal Reserve dem Thema „lower for longer“ sehr offen gegenübersteht.

Hintergrund: Wird noch mehr Konjunkturmunition vorbereitet?

US-Finanzministerin Yellen hat bei einem Treffen mit der Weltbank und anderer Entwicklungsbanken mehr Kapital im Kampf gegen den Klimawandel gefordert. Sie ermutigte, den Fokus auf Klimaanpassung zu erhöhen und die Entwicklungsländer bei der Umsetzung der Emissionsreduktionsmaßnahmen und dem Schutz der Ökosysteme zu unterstützen. 

Fazit: Weitere Konjunkturmunition wird vorbereitet!  

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden

Eurozone: Keine bahnbrechenden Erkenntnisse

Erwartungsgemäß verzichtete die EZB auf eine Veränderung des Leitzinses (0,00%) und des Anlagezinses (-0,50%).

Der Index des Verbrauchervertrauens der Eurozone sank per Juli gemäß vorläufiger Berechnung von zuvor -3,3 auf -4,4 Punkte (Prognose -2,5).

Der Index des französischen Geschäftsklimas stellte sich per Juli auf 113 Punkte (Vormonat revidiert von 113 auf 114). Der Index für das Verarbeitende Gewerbe legte von 108 (revidiert von 107) auf 110 Punkte zu (Prognose 107) und markierte den höchsten Indexstand seit August 2018.

UK: Dynamikverluste

Der vom CBI ermittelte Index des Geschäftsklimas sank per 3. Quartal 2021 von zuvor 38 auf 27 Punkte. Der CBI Index für den Auftragseingang verlor von 19 auf 17 Zähler (Prognose 16). Beide Indices bewegen sich weiter auf hohen Niveaus (Historie). 

USA: Etwas Licht, jedoch mehr Schatten

Die Arbeitslosenerstanträge legten in der Berichtswoche per 17. Juli von zuvor 368.000 (revidiert von 360.000) auf 419.000 zu (Prognose 350.000). Das war der höchste Wert seit20. Mai 2021. Der von der Federal Reserve Chicago berechnete National Activcity Index (Sammelindex aus 85 Einzelindikatoren) sank per Juni von zuvor 0,26 (revidiert von 0,29) auf 0,09 Punkte.

Der Absatz zuvor genutzter Wohnimmobilien stellte sich per Juni in der annualisierten Darstellung auf 5,86 Mio. (Prognose 5,90 Mio.) nach zuvor 5,78 Mio. Objekte (revidiert von 5,80 Mio.). Der Index der Frühindikatoren stieg per Juni im Monatsvergleich um 0,7% (Prognose 0,9%) nach zuvor 1,2% (revidiert von 1,3%). Der Kansas City Fed Composite Index legte per Juli von zuvor 27 auf 30 Punkte zu.

Russland: Positive Entwicklungen bezüglich Erwartungen

Die Devisenreserven nahmen in der Berichtswoche per 16. Juli leicht von zuvor 593,7 auf 597,4 Mrd. USD zu. Die Industrieproduktion legte per Juni im Jahresvergleich um 10,4% (Prognose 10,1%) nach zuvor 12,3% (revidiert von 11,8%) zu.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem EUR favorisiert. Ein Überwinden des Widerstandsniveaus bei 1.1900 - 1.1930 negiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer 
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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