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Jumia Technologies-Aktie: Das Für und Wider

Von Vincent MartinAktienmärkte04.07.2022 06:02
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Jumia Technologies-Aktie: Das Für und Wider
Von Vincent Martin   |  04.07.2022 06:02
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Rein fundamental betrachtet wäre es nicht unbegründet, wenn die Aktie von Jumia Technologies (NYSE:JMIA) näher an Null oder etwas Ähnlichem notieren würde. Die finanzielle Performance der in Afrika, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Europa aktiven E-Commerce-Plattform spricht de facto dafür, dass das Geschäftsmodell einfach nicht funktioniert.

Der Fairness halber muss man aber dazu sagen, dass es beim Investieren nicht ausschließlich um Fundamentaldaten geht. Und wenn ein Investor die Ursachen für die miserable Performance der Online-Plattform und deren Sanierungsstrategie richtig einschätzt, dann gibt es durchaus Gründe dafür, die JMIA-Aktie, die derzeit bei 6 USD handelt, auch auf diesem Kursniveau zu halten bzw. zu kaufen.

Wer sich für die Aktie entscheidet, braucht aber viel Zeit und vor allem Geduld. Volatilität ist auf jeden Fall einzukalkulieren.

Das Gerede über eine mögliche Übernahme ist ebenso wenig plausibel wie die Behauptung, das Jumia-Geschäft sei für lau bzw. "kostenlos" zu haben. Wahrscheinlich liegt das Potenzial von JMIA nicht darin, schnelles Geld zu verdienen, sondern eher darin, die Aktie auf lange Sicht zu halten.

Schlechte Fundamentaldaten

In den letzten vier Quartalen erwirtschaftete Jumia einen Umsatz von 193 Millionen Dollar. Allein für allgemeine und administrative Ausgaben hat das Unternehmen 151 Millionen Dollar ausgegeben. Der bereinigte EBITDA-Verlust (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) belief sich in diesem Zeitraum auf 220 Millionen Dollar.

Mit anderen Worten: Jumia verliert mehr als einen Dollar für jeden Dollar Umsatz, selbst vor aktienbasierten Vergütungen (37 Millionen Dollar, fast 20 % des Umsatzes) oder Investitionsausgaben (über 8 Millionen Dollar).

Jumia befindet sich zwar noch immer im Wachstumsmodus. Aber das Unternehmen wurde vor einem Jahrzehnt gegründet und ist eigentlich nicht mehr gerade das, was man ein Startup nennt.

Die Bullen vergleichen Jumia gerne mit Amazon (NASDAQ:AMZN); aber 1999, fünf Jahre nach dessen Gründung, erwirtschaftete Amazon bereits 1,6 Milliarden Dollar Umsatz.

Jumia gibt es bereits zehn Jahre. In den letzten vier Quartalen belief sich der Bruttowarenwert (GMV) von Jumia (der Betrag der tatsächlich über die Plattform getätigten Verkäufe, die nicht alle als Umsatz für Jumia verbucht werden) auf etwas mehr als 1 Milliarde Dollar.

Ein GMV von mehr als 1 Milliarde Dollar klingt doch gut. Das gilt auch für die Tatsache, dass die EBITDA-Margen von Amazon im Jahr 1999 und von Jumia heute (wiederum unter Verwendung des GMV für Jumia anstelle des Umsatzes) in der gleichen Größenordnung liegen, d. h. bei etwas weniger als negativen 20 %.

Aber Amazon steigerte 1999 seinen Umsatz um 169 % im Vergleich zum Vorjahr. 2021 stieg der Umsatz von Jumia nur um 12 %, während das GMV lediglich um 4 % zunahm. Es ist kaum vorstellbar, dass man mit so hohen Verlusten verkaufen und trotzdem den Umsatz nicht steigern kann.

Die Bilanz von Jumia ist zugegebenermaßen in guter Verfassung. Das Unternehmen beendete das erste Quartal mit 89 Millionen Dollar in bar und 333 Millionen Dollar in Termineinlagen und anderen kurzfristigen, relativ liquiden Mitteln. Die Verschuldung ist minimal (nur 12 Millionen Dollar).

Jumia hat derzeit nur eine Marktkapitalisierung von 618 Millionen Dollar. Das operative Geschäft wird also theoretisch mit etwa 200 Millionen Dollar bewertet.

Das Problem bei dieser Argumentation ist jedoch, dass Jumia so viel Geld verbrennt. Der freie Cashflow lag im ersten Quartal bei minus 77 Millionen Dollar.

Betrachtet man JMIA aus einer rein quantitativen Perspektive, gibt es hier nicht viel Gutes zu berichten. Hohe Verluste und minimales Wachstum, selbst bei einer starken Umsatzentwicklung im ersten Quartal, sprechen nicht gerade für die Aktie.

Citron liefert die Gründe

Vor der dramatischen Rallye von GameStop (NYSE:GME) und anderen stark geshorteten Aktien Anfang 2021 war Citron Research ein bekannter Short-Seller. Die wohl bekannteste und effektivste Kampagne richtete sich gegen Valeant Pharmaceuticals, jetzt Bausch Health (NYSE:BHC), dem Citrons Andrew Left "Channel-Stuffing" vorwarf.

Die Valeant-Aktien stürzten ab, und es folgten Untersuchungen und Verurteilungen wegen Betrugs.

Nach GameStop verließ Citron die Arena der Short-Seller. Left veröffentlichte jedoch gelegentlich Bullen-Prognosen, darunter auch mehrere zu Jumia. Im Dezember zum Beispiel argumentierte Left, JMIA könne 22 Dollar erreichen.

Mit einem JMIA-Kurs von unter 7 Dollar hat sich diese Prognose ganz offensichtlich nicht bewahrheitet. Aber Left und Citron setzen weiterhin auf diese Aktie. Diesen Monat argumentierte Left, dass Amazon Jumia dieses Jahr kaufen würde. Letzten Monat twitterte er - vermutlich in Bezug auf den Cash-Bestand - dass das Unternehmen "KOSTENLOS" erhältlich sei (Großbuchstaben aus dem Original-Tweet).

Bei allem Respekt für Citron, keines der beiden Argumente scheint wirklich stichhaltig zu sein. Wie bereits erwähnt, verfügt Jumia jetzt über eine Menge Cash, aber das wird mit ziemlicher Sicherheit in einem Jahr nicht mehr der Fall sein. (Der einzige Weg, wie es dazu kommen kann, ist, wenn es sich entscheidet, mehr Aktien zu verkaufen und die derzeitigen Aktionäre weiter zu verwässern, was keine gute Nachricht ist und auch die Marktkapitalisierung aufbläht.)

Und was Amazon angeht, so plant der E-Commerce-Riese Berichten zufolge, nächstes Jahr in Nigeria und Südafrika Fuß zu fassen. Aber es ist keineswegs klar, warum das Unternehmen dafür Jumia übernehmen muss. Amazon verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Logistik, eine weltweit bekannte Marke und muss nicht wirklich für die Vermögenswerte von Jumia zahlen oder dessen laufende Verluste finanzieren.

Es ist sicherlich möglich, dass ein Deal zustande kommt, aber logisch wäre das nicht gerade. Amazon könnte Jumia in seinen neueren Märkten einfach finanziell ausstechen und überflügeln, so wie es das in den letzten drei Jahrzehnten mit den meisten E-Commerce-Herausforderern getan hat.

Das spricht für Jumia-Aktien

Wie gesagt, es gibt aber auch einen Grund, Jumia-Aktien zu kaufen. Dieser gründet sich aber nicht auf einer möglichen Übernahme oder darauf, dass das Unternehmen für lau bzw. "kostenlos" erhältlich ist.

Vielmehr ist es so, dass sich Jumia in einer außergewöhnlich langwierigen Investitionsphase befindet.

Das Kernproblem eines E-Commerce-Unternehmens in Afrika ist, dass die nötige Infrastruktur schlichtweg nicht vorhanden ist. Ob es um Straßen, Lagerhäuser, Internetzugang oder sogar Arbeitskräfte geht, Jumia und andere Konkurrenten arbeiten nicht unter den gleichen Bedingungen wie ihre reiferen, westlichen Konkurrenten.

Jumia wird also länger brauchen, um dahin zu kommen, wo sich seine westlichen Pendants bereits befinden. Sollte es dem Unternehmen jedoch gelingen, die Verluste zu verringern und ein gewisses Vertrauen zu schaffen, dass es ein Online-Riese auf dem gesamten Kontinent werden kann, ist das Aufwärtspotenzial gegenüber der aktuellen Bewertung enorm.

Die Risiken, die damit einhergehen, sind zahlreich. Es ist nicht so, dass Jumia den Markt für sich allein hat: Zu den Konkurrenten gehört Konga, das dem Milliardär Sim Shagaya gehört. Die aktuelle Cash-Burn-Rate wird die Bilanz des Unternehmens in weniger als zwei Jahren aufzehren. Die Umstellung des Unternehmens von einem stark von Mobiltelefonen abhängigen Geschäft auf ein breiteres Sortiment erfordert mehr Lagerbestand und damit mehr Kapital.

Irgendwann wird es einen E-Commerce-Riesen in Afrika geben, wahrscheinlich sogar mehr als einen. Ob das am Ende Jumia sein wird, ist aber keineswegs sicher, zumal Amazon jetzt einsteigt.

Die Risiken sind enorm. Aber auch die Chancen. Es wird wohl einige Zeit - und zwar Jahre - brauchen, bis die Anleger wissen, in welche Richtung es mit der JMIA-Aktie letztendlich geht.

Disclaimer: Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels hat Vince Martin keine Positionen in den genannten Wertpapieren.

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