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Zypern braucht mehr Geld, Gold stürzt ab. Wo ist der Zusammenhang?

Von FXCM Deutschland (Torsten Gellert)Rohstoffe16.04.2013 10:19
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Zypern braucht mehr Geld, Gold stürzt ab. Wo ist der Zusammenhang?
Von FXCM Deutschland (Torsten Gellert)   |  16.04.2013 10:19
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Warum es sinnvoll ist, mit einem Engagement in Gold noch zu warten

Was hat das kleine Land Zypern gerungen, bis es zumindest auf dem Papier endlich die sieben Milliarden Euro aufbringen konnte, welche die Retter aus Brüssel als Eigenleistung forderten, damit sie ihrerseits den Scheck über zehn Milliarden Euro ausstellten? Und nun, drei Wochen später ist das eingetreten, was ich immer erwartet hatte: Beim genauen Blick in die Kasse klafft nun ein Loch nicht mehr von 17,5 Milliarden, sondern von ganzen 23 Milliarden Euro. Ich lehne mich mit der Behauptung sicher nicht zu weit aus dem Fenster, auch das ist noch nicht die finale Summe, die den kompletten Finanzbedarf der Mittelmeerinsel bis 2016 abdeckt. Denn die Begründung für die größere Finanzlücke ist so lapidar wie fadenscheinig.

Die Vorgängerregierung sei schuld, nicht etwa die noch in letzter Minute abgezogenen Milliarden derjenigen, die gedeckt von Regierungsvertretern und Notenbank den einen oder anderen Euro noch rechtzeitig außer Landes gebracht haben. Und auch sind es nicht die benötigten Milliarden, die jetzt erst noch auf dem Weg durch eine tiefe Rezession gebraucht werden, da es Zypern nicht schafft, schon in zwei Jahren wieder ein Wirtschaftswachstum hinzulegen wie von den Brüsseler Experten erwartet oder besser erhofft.

Ich bleibe bei meiner Einschätzung, eine Pleite Zyperns und damit folglich der Austritt aus dem Euro ist noch lange nicht vom Tisch. Die fast gleichgültige Reaktion der Finanzmärkte, allen voran des Euro, ist in meinen Augen nur damit zu erklären, dass die Mehrheit der Marktteilnehmer wie ich vom höheren Finanzbedarf Zyperns nicht sonderlich überrascht waren, darüberhinaus aber auch immer noch festzuhalten bleibt, der Status Zyperns ist nicht systemrelevant für die Eurozone.

Gold ist zum „Verkaufsschlager“ geworden
Und genauso wenig ist es für den Goldpreis relevant, ob und wenn Zypern seine geschätzten 13,9 Tonnen verkaufen muss, die jetzt nach dem Absturz der vergangenen Tage gerade noch rund 500 Millionen Euro mehr wert sind. Zum Vergleich: Die USA verfügen über rund 8.000 Tonnen Gold, in den Tresoren der Bundesbank lagern rund 3.400 Tonnen des gelben Edelmetalls.

Die gesamte jährliche Goldnachfrage liegt bei über 4.000 Tonnen. Und selbst diese ist schon lange nicht mehr besonders ausschlaggebend, was den Goldpreis angeht. Dieser hängt vielmehr davon ab, ob Gold bei den Investoren gerade angesagt ist oder sie ihren Liebling der vergangenen drei Jahrzehnte jetzt plötzlich mit Liebesentzug bestrafen. Im weltweit größten börsengehandelten Fonds SPDR Gold Trust werden mit Stand vom Wochenende noch über 1.150 Tonnen Gold gehalten.

Noch sage ich deshalb, weil sich allein am Freitag die gehaltene Goldmenge im Fonds um fast das doppelte der von den Zyprern besessenen Goldmenge reduziert hat. Auch heute werden wieder massive Abflüsse zu verzeichnen sein, der Preis des Edelmetalls beschäftigt sich heute mit der Marke von 1.400 US-Dollar, was einem Absturz von mehr als zehn Prozent in nur zwei Handelstagen bedeutet. Wo sind auf einmal die ganzen Experten hin, die in den vergangenen Jahren Gold als sicheren Hafen und Inflationsschutz angepriesen haben?

Weit und breit sind keine Optimisten mehr zu sehen. Goldman Sachs empfiehlt Gold gar zum Leerverkauf, andere Investmentbanken senkten ihre Kursziele ebenfalls. Rohstoff-Investor Jim Rogers „kauft auf diesem Niveau noch kein Gold, erst wenn der Preis weiter falle“, erzählte er Journalisten in Singapur. Leider hat er auf Nachfrage nicht verraten, wo denn sein bevorzugtes Einstiegsniveau liegt. Investment-Legende George Soros sprach Gold jetzt seinen Status als sicheren Hafen ganz ab und sieht die „ultimative Blase“ jetzt platzen.

Aber was spricht auch aktuell noch für den Goldpreis? Eigentlich ist die Frage schnell beantwortet. Nämlich das, was in den vergangenen Jahren während der Rally auch für Gold gesprochen hat. Die Notenbanken pumpen weiterhin kräftig Geld in die Märkte. Am schnellsten rotieren im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung zurzeit die Notenpressen in Japan. Hier soll die Geldmenge innerhalb der nächsten 20 Monate mal einfach so verdoppelt werden.

Das Ziel: Zwei Prozent Inflation. Und Inflation ist und bleibt auch genau das Argument für ein Investment in Gold. Aber dafür ist Geduld gefragt, und die haben Investoren nun mal eben nicht. Zumindest diejenigen unter ihnen, die auf im gewohnten Tempo weiter steigende Kurse gesetzt haben und nun ihre über die vergangenen Jahre aufgelaufenen Gewinne nicht gänzlich verlieren wollen. Immerhin hat der Goldpreis seit seinem Hoch bei über 1.900 US-Dollar mehr als ein Viertel an Wert verloren. Man könnte meinen, damit sei Gold billig geworden. Die andere Argumentation könnte aber auch sein, es ist damit immer noch genau so teuer wie vor zwei Jahren, und doppelt so teuer wie vor fünf Jahren vor dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise.

Zu früh für ein Engagement im Gold
Seitdem hat sich durch die lockere Geldpolitik der vier wichtigsten Notenbanken in den USA, Japan, Großbritannien und der Eurozone allein in diesen Währungen die umlaufende Geldmenge um mehr als fünf Billionen US-Dollar erhöht und damit sage und schreibe verdoppelt. Noch einmal 2,5 Billionen US-Dollar sind seitens der Federal Reserve und der Bank of Japan bis Ende 2014 schon ausgemachte Sache. Aber von Inflation ist weit und breit noch nichts zu spüren, weil all die Billionen frisches Geld nicht so in der Wirtschaft angekommen sind, wie es nötig wäre, um auf Investitionen, Löhne und Gehälter und damit auf die Preise durchzuschlagen.

Das passiert erst, wenn das Wirtschaftswachstum und damit die Nachfrage in allen Regionen der Welt wieder spürbar anziehen. China wächst zwar mit 7,7 Prozent immer noch in einem Tempo, von dem der Rest der industrialisierten Welt nur träumen kann, aber als Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft müssten es noch ein paar Prozentpunkte mehr sein. Die Eurozone ist mehr mit sich selbst und seinen schwächelnden Mitgliedern beschäftigt, auch der Arbeitsmarkt in den USA als wichtigster Hoffnungsträger hat im März einen Dämpfer bekommen. Es wird also wohl noch eine ganze Weile dauern, bis wir tatsächlich eine Inflationsgefahr spüren. Da lohnt es sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, das Ende der Korrektur im Goldpreis suchen zu wollen.

Das Edelmetall wird weiterhin sehr volatil bleiben, weitere Rückschläge halte ich nicht für ausgeschlossen. Genauso gut kann die Spekulation aber auch dazu führen, dass es mal wieder ganz schnell 100 US-Dollar nach oben geht. Dann ist es aber immer noch nicht die Angst vor Inflation und damit fundamentale Faktoren, die sich geändert haben. Auf diesen Trend zu setzen, wird man auch noch einige Monate später und vielleicht auf immer noch demselben jetzt erreichten Niveau Gelegenheit haben.
Goldpreis in USD; Wochenchart; 10 Jahre
Goldpreis in USD; Wochenchart; 10 Jahre
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