Eilmeldung
0

Thyssen-Chef wischt Zweifel an Stahl-Joint-Venture beiseite

Aktien12.02.2019 13:41
Gespeichert. Lesezeichen ansehen.
Dieser Artikel wurde bereits unter Lesezeichen gespeichert
 
© Reuters. Guido Kerkhoff, CEO of steelmaker Thyssenkrupp AG, speaks during the annual shareholders meeting in Bochum

- von Tom Käckenhoff und Christoph Steitz

Düsseldorf/Frankfurt (Reuters) - Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff demonstriert nach dem Warnschuss der EU-Wettbewerbshüter beim geplanten Stahl-Joint-Venture mit Tata Gelassenheit.

Das von der Kommission angekündigte "Statement of Objections" sei ein üblicher Vorgang bei Transaktionen dieser Größenordnung, sagte Kerkhoff am Dienstag bei der Vorstellung der Quartalsbilanz. "Ich sehe in dem Vorgehen keinen Grund zu irgendeiner neuen Besorgnis." Ein Vergleich mit der in Brüssel kürzlich untersagten Zug-Fusion von Siemens (DE:SIEGn) und Alstom (PA:ALSO) sei nicht haltbar, betonte Kerkhoff. Den Deal mit Tata will er im Frühjahr abschließen. Allerdings ließ er offen, mit welchen Zugeständnissen die Partner auf die EU-Kommission zugehen könnten. Die Stahlsparte musste wie der gesamte Konzern im ersten Quartal Einbußen hinnehmen.

Kerkhoff ist einer der Architekten des geplanten Gemeinschaftsunternehmens der europäischen Stahlgeschäfte von Thyssenkrupp (DE:TKAG) und Tata. Die Konzerne wollen den größten europäischen Anbieter nach ArcelorMittal schmieden. Zwei Jahre hatte Kerkhoffs Vorgänger Heinrich Hiesinger an dem Bündnis gefeilt, ehe er im Sommer 2018 - wenige Tage nach einer Vereinbarung mit Tata - das Handtuch warf. Vorausgegangen war ein Streit mit Investoren über die grundsätzliche Performance und Strategie des Mischkonzerns mit seinen Geschäften, die von der Stahlproduktion über Autoteile bis zum U-Bootbau reichen.

EU HATTE SCHON IM OKTOBER BEDENKEN

Insider hatten der Nachrichtenagentur Reuters am Montag berichtet, dass die EU-Kommission noch in dieser Woche das Statement verschicken wird, wenn nicht Thyssen und Tata zuvor Zugeständnisse machten. Kerkhoff sagte dazu, die Argumente der Kommission würden geprüft, danach würden gemeinsam mit Tata Lösungen erarbeitet. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass es Auflagen geben werde. Der Fall Siemens/Alstom sei etwas anderes. "Wir haben in Europa eine ganze Vielzahl von Stahlherstellern." Es habe in der Vergangenheit auch schon große Zusammenschlüsse gegeben. So sei etwa die Übernahme der italienischen Ilva durch ArcelorMittal mit Auflagen genehmigt worden.

Nicht alle sehen das Thema so gelassen wie Kerkhoff. Der umfassende Konzernumbau, zu dem im ersten Schritt das Stahl-Joint-Venture mit Tata gehöre, gerate zumindest teilweise in Gefahr, schrieben die Experten von Independent Research mit Verweis auf die Ankündigung der EU-Wettbewerbshüter. Diese hatten bereits im Oktober bei Thyssen/Tata drei Bereiche als kritisch bezeichnet: Stahl für die Automobilindustrie, für Verpackungen sowie Elektrostahl etwa für Transformatoren. "Zum gegenwärtigen Zeitpunkt befürchtet die Kommission, dass der Zusammenschluss zu einer Verringerung des Wettbewerbs zwischen den Anbietern verschiedener hochwertiger Stahlsorten führen könnte", hieß es.

Weitreichende Zugeständnisse könnten jedoch auf Proteste bei den Beschäftigten stoßen. Sollte die EU-Kommission größere Verkäufe fordern, die zu einer deutlichen Verringerung der Beschäftigung führen, müssten die Arbeitnehmervertreter ihre Position zu dem Gemeinschaftsunternehmen überdenken, hatte der nordrhein-westfälische IG Metall-Chef Knut Giesler zu Reuters gesagt. Einige Investoren haben die Pläne ohnehin kritisiert, da Tata das über Jahre verlustreiche Werk im britischen Port Talbot mit einbringt.

HOFFNUNG AUF DAS ZWEITE HALBJAHR

Kerkhoff treibt derweil die Aufspaltung von Thyssenkrupp in einen Werkstoff- und einen Industriegüterkonzern voran. Bei den neuen Unternehmen werde die Verwaltung gestrafft und die Zahl der Vorstandsressorts auf je drei begrenzt. Der 51-jährige frühere Finanzchef bekräftigte trotz rückläufiger Ergebnisse die Prognose, wonach der Gewinn im Geschäftsjahr 2018/19 steigen werde. Er fügte jedoch hinzu: "Gleichzeitig nehmen aber konjunkturelle und politische Unsicherheiten zu." Operativ fuhr der Konzern im ersten Geschäftsquartal einen um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 333 Millionen Euro ein - ein Minus von 26 Prozent.

Die ohnehin gebeutelte Thyssen-Aktie verlor bis zum Nachmittag mehr als zwei Prozent auf 14,29 Euro. Der Vorstand habe die Prognose zwar bestätigt, aber auch für das zweite Quartal einen Gewinnrückgang angekündigt, hieß es bei den Analysten der DZ Bank. "Das bedeutet, dass Thyssenkrupp in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres deutlich zulegen muss."

Thyssen-Chef wischt Zweifel an Stahl-Joint-Venture beiseite
 

Verwandte Beiträge

Kommentieren

Richtlinien zur Kommentarfunktion

Wir möchten Sie gerne dazu anregen, Kommentare zu schreiben, um sich mit anderen Nutzern auszutauschen. Teilen Sie Ihre Gedanken mit und/oder stellen Sie anderen Nutzern und den Kolumnisten Fragen. Um jedoch das Niveau zu erhalten, welches wir wertschätzen und erwarten, beachten Sie bitte die folgenden Kriterien:

  • Bereichern Sie die Unterhaltung
  • Bleiben Sie beim Thema. Veröffentlichen Sie nur Texte, die zu den genannten Inhalten passen. 
  • Respektieren Sie einander. Auch negative Meinungen und Kritik kann positiv und diplomatisch ausgedrückt werden. 
  • Benutzen Sie die anerkannten Ausdrucks- und Rechtschreibregeln. 
  • Beachten Sie: Spam, Werbenachrichten und Links werden gelöscht. 
  • Vermeiden Sie Profanität, Beleidigungen und persönliche Angriffe auf Kolumnisten oder andere Nutzer. 
  • Bitte kommentieren Sie nur auf Deutsch.

Diejenigen, die die oben genannten Regeln missachten, werden von der Webseite entfernt und können sich in der Zukunft je nach Ermessen von Investing.com nicht mehr anmelden.

Was denken Sie?
 
Sind Sie sicher, dass Sie diesen Chart löschen möchten?
 
Senden
Posten auf
 
Angehängten Chart durch einen neuen Chart ersetzen?
1000
Sie sind gegenwärtig aufgrund von negativen Nutzerbeurteilungen von der Abgabe von Kommentaren ausgeschlossen. Ihr Status wird von unseren Moderatoren überprüft.
Warten Sie bitte eine Minute bis zur erneuten Abgabe Ihres Kommentars.
Danke für Ihren Kommentar. Bitte beachten Sie, dass alle Kommentare erst nach vorheriger Überprüfung durch unsere Moderatoren veröffentlicht werden und deshalb nicht sofort auf unserer Webseite erscheinen können.
 
Sind Sie sicher, dass Sie diesen Chart löschen möchten?
 
Senden
 
Angehängten Chart durch einen neuen Chart ersetzen?
1000
Sie sind gegenwärtig aufgrund von negativen Nutzerbeurteilungen von der Abgabe von Kommentaren ausgeschlossen. Ihr Status wird von unseren Moderatoren überprüft.
Warten Sie bitte eine Minute bis zur erneuten Abgabe Ihres Kommentars.
Chart zum Kommentar hinzufügen
Sperre bestätigen

Sind Sie sicher, dass Sie %USER_NAME% sperren möchten?

Dadurch werden Sie und %USER_NAME% nicht mehr in der Lage sein, Beiträge des jeweils anderen auf Investing.com zu sehen.

%USER_NAME% wurde erfolgreich zu Ihrer Sperrliste hinzugefügt.

Da Sie diese Person entsperrt haben, müssen Sie 48 Stunden warten, bevor Sie sie wieder sperren können.

Diesen Kommentar melden

Sagen Sie uns Ihre Meinung zu diesem Kommentar

Kommentar markiert

Vielen Dank!

Ihre Meldung wurde zur Überprüfung an unsere Moderatoren geschickt
Haftungsausschluss: Fusion Media would like to remind you that the data contained in this website is not necessarily real-time nor accurate. All CFDs (stocks, indexes, futures) and Forex prices are not provided by exchanges but rather by market makers, and so prices may not be accurate and may differ from the actual market price, meaning prices are indicative and not appropriate for trading purposes. Therefore Fusion Media doesn`t bear any responsibility for any trading losses you might incur as a result of using this data.

Fusion Media or anyone involved with Fusion Media will not accept any liability for loss or damage as a result of reliance on the information including data, quotes, charts and buy/sell signals contained within this website. Please be fully informed regarding the risks and costs associated with trading the financial markets, it is one of the riskiest investment forms possible.
Mit Google registrieren
oder
Registrierung