Leonardo-Aktie: Jetzt Kauf? Analysten sehen Potenzial
In einem kürzlich veröffentlichten Weißbuch mit dem Titel "The Risk Of Higher US Inflation In 2026" vertreten Adam Posen und Peter Orszag die Auffassung, dass die Inflation bis zum Jahresende die Marke von 4 Prozent überschreiten könnte. Ihre Argumentation leiten sie wie folgt ein:
"Unserer Ansicht nach ist dieser Optimismus jedoch verfrüht. Wir halten es für wahrscheinlicher, dass die Inflation überraschend ansteigen wird - bis Ende 2026 könnte sie über 4 % liegen."
Da diese Prognose mit 4 Prozent deutlich über den Konsenserwartungen der Wall Street liegt, lohnt sich ein genauerer Blick auf die zugrunde liegenden Annahmen. In einem späteren Abschnitt werden wir einige dieser Argumente kritisch hinterfragen.
Die Autoren stützen ihre Einschätzung im Wesentlichen auf folgende Punkte:
- Verzögerte Zolleffekte: Ausländische Hersteller und Importeure hätten bislang einen Großteil der Zollkosten getragen, würden diese jedoch zunehmend an die Verbraucher weitergeben.
- Große Haushaltsdefizite: Defizite oberhalb des Wirtschaftswachstums führten zusätzliche Kaufkraft zu, stärkten die Nachfrage und erhöhten den Inflationsdruck.
- Angespannte Arbeitsmärkte: Ein begrenzteres Arbeitskräfteangebot - unter anderem infolge der Einwanderungspolitik - treibe Löhne und Preise, insbesondere im Dienstleistungssektor.
- Lockere Geldpolitik: Das aktuelle Zinsniveau sei nach Einschätzung der Autoren nicht restriktiv genug für eine weiterhin robuste Wirtschaft.
- Steigende Inflationserwartungen: Höhere Inflationserwartungen könnten das Konsum- und Preisverhalten von Haushalten und Unternehmen verändern und den Preisauftrieb verstärken.
Die Schlussfolgerung der Autoren:
"Für sich genommen würden die verzögerte Abwälzung der Zölle, die Verknappung des Arbeitskräfteangebots, die lockere Finanzpolitik und die akkommodierenden finanziellen Bedingungen die Inflation - jeder Faktor für sich genommen - moderat steigen lassen. Zusammengenommen - und im Zusammenspiel mit zunehmend fragilen Inflationserwartungen der privaten Haushalte - entsteht ein makroökonomisches Umfeld, in dem ein Anstieg der Inflation auf über 4 Prozent bis Ende 2026 nicht nur plausibel, sondern das wahrscheinlichste Szenario ist."

Das Argument gegen 4 Prozent Inflation
Im Folgenden setzen wir uns mit den im einleitenden Abschnitt dargestellten Argumenten auseinander, die vor einer Inflation von 4 Prozent Inflation warnen.
- Verzögerte Folgen der Zölle: Zölle führen typischerweise zu einer einmaligen Anpassung des Preisniveaus, nicht zu dauerhaft höherer Inflation. Historische Erfahrungen zeigen zudem, dass Zölle über die Zeit häufig eher wachstumsdämpfend wirken, da sie Nachfrage und wirtschaftliche Aktivität belasten, anstatt nachhaltigen Inflationsdruck zu erzeugen.
- Große Haushaltsdefizite: Die aktuellen Defizite fließen zunehmend in die Finanzierung von Zinsausgaben und werden weniger für direkte Transfers an Verbraucher verwendet. Anders als während der Pandemie stimulieren sie daher die Nachfrage des privaten Sektors nicht im gleichen Ausmaß. Darüber hinaus kann eine hohe Staatsverschuldung private Kreditschöpfung verdrängen und die finanziellen Bedingungen verschärfen, was das Wachstum bremst und den Inflationsdruck tendenziell reduziert.
- Angespannte Arbeitsmärkte: Kennzahlen wie offene Stellen, befristete Beschäftigung, geleistete Arbeitsstunden, Anträge auf Fortsetzung der Arbeitslosenunterstützung sowie Lohndaten - siehe unten - zeichnen ein differenzierteres Bild und widersprechen den geäußerten Befürchtungen.
- Lockere Geldpolitik: Geldpolitische Maßnahmen wirken mit zeitlicher Verzögerung. Die Straffung durch die Fed seit 2022 bleibt historisch betrachtet erheblich. Das aktuelle Zinsniveau ist restriktiv, was sich insbesondere in zinssensitiven Bereichen wie Wohnungsbau, Kreditmärkten und der Finanzierung kleiner Unternehmen widerspiegelt.
- Steigende Inflationserwartungen: Auch dieses Argument findet in den vorliegenden Daten nur begrenzte Bestätigung. Wie die zweite Grafik unten zeigt, bleiben die marktbasierten Inflationserwartungen - gemessen an TIPS-Breakeven und Forward Inflation Swaps - nahe am Zielbereich der Fed verankert. Gleichzeitig zeigen Umfragen, dass die Erwartungen von Verbrauchern und Unternehmen langsam rückläufig sind.
Unsere Sorge richtet sich daher weniger auf eine anhaltende Inflation von 4 Prozent oder eine Rückkehr zu den Inflationsmustern der 1970er Jahre. Im Fokus steht vielmehr die mögliche Fortsetzung der vor der Pandemie beobachteten Trends - darunter moderateres nominales Wachstum und wiederkehrende Disinflationsphasen.


Blue Owl - eine Eule im Bergwerk?
Private wie institutionelle Anleger zeigen weiterhin starkes Interesse an Private-Credit-Fonds, während die Risikobereitschaft über zahlreiche Anlageklassen hinweg hoch bleibt. Die kräftig gestiegene Nachfrage und die damit verbundene Liquidität haben die Renditen der zugrunde liegenden Kredite auf Niveaus gedrückt, die möglicherweise nicht mehr in einem angemessenen Verhältnis zu den eingegangenen Risiken stehen.
Der jüngste Ausfall zweier prominenter Kreditengagements sowie zunehmende Liquiditätsprobleme schüren die Sorge, dass einzelne Investoren im Private-Credit-Segment unter Druck geraten könnten. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt das Thema am Mittwoch, als der private Private-Credit-Intervallfonds von Blue Owl (NYSE:OWL) Rücknahmen für Anleger aussetzte. Der Fonds richtet sich an Privatanleger, nicht an institutionelle Investoren.
In der Financial Times hieß es:
"Die Private-Credit-Gesellschaft Blue Owl wird den Anlegern auf Dauer untersagen, ihr Geld aus ihrem ersten privaten Schuldnerfonds für Privatkunden abzuziehen."
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die Private-Credit-Märkte zu weit gelaufen sind. Anders formuliert - hat die anhaltend hohe Nachfrage Renditen hervorgebracht, die die Risiken nicht mehr adäquat widerspiegeln? Oder deuten die jüngsten Entwicklungen primär auf nachlassende Liquidität hin, deren Auswirkungen sich schrittweise auch auf größere und stärker überwachte Märkte erstrecken könnten?

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