Leonardo-Aktie: Jetzt Kauf? Analysten sehen Potenzial
Ein Kunde hat uns folgendes Zitat von Michael Oliver von Momentum Structural Analysis weitergeleitet und um eine Einschätzung zu Gold sowie zur Entwicklung der Geldmenge M2 gebeten:
„…wenn Sie Gewinne aus Gold mitnehmen und sie in Cash halten, weil Sie denken, dass das eine gute Idee ist, dann besuchen Sie die Website der St. Louis Fed und schauen Sie sich das Diagramm für die Geldmenge M" an. Wenn Sie die aktuelle Größe von M2 (zum Anfang dieses Jahres) nehmen und bis ins Jahr 2020 zurückgehen, also sechs Jahre zurück, ist die Geldmenge um 45 % gestiegen. Wenn Sie also glauben, Bargeld sei eine gute Alternative, denken Sie noch einmal darüber nach. Nein, in den USA (und der westlichen Welt im Allgemeinen) ist es noch nicht auf dem Niveau von Weimar, aber es handelt sich um einen erheblichen und anhaltenden Verfall des Realwerts, Jahr um verdammtes Jahr. Bargeld ist keine gute Anlage.“
Der zentrale Punkt in Olivers Argumentation ist das Fehlen von Kontext, um die Relevanz des M2-Wachstums von 45 % einzuordnen. Wie viele Marktteilnehmer betrachtet er Gold primär als Inflationsschutz. Wenn man Inflation als entscheidenden Faktor für Kauf- oder Verkaufsentscheidungen bei Gold zugrunde legt, kommt es jedoch vor allem auf die Entwicklung der Geldmenge im Verhältnis zur wirtschaftlichen Aktivität an.
Wie wir weiter unten zeigen, ist die Geldmenge in den Jahren 2020 und 2021 deutlich schneller gewachsen als die Wirtschaft. In der Folge hat sich diese Dynamik jedoch spürbar abgeschwächt. Über den von Oliver hervorgehobenen Zeitraum von sechs Jahren betrachtet, lag das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts sogar leicht über dem der Geldmenge M2.
Unter der Annahme einer konstanten Umlaufgeschwindigkeit des Geldes - auf die wir später noch eingehen - war das starke M2-Wachstum in den Jahren 2020 und 2021 klar inflationär. Aktuell deutet die Entwicklung jedoch eher auf disinflationäre bis deflationäre Tendenzen hin.
Anschaulich formuliert: Steigt die Produktion von Waren und Dienstleistungen um 10 %, während die Geldmenge nur um 5 % zunimmt, wächst das Angebot schneller als die verfügbare Kaufkraft. In der Folge geraten Preise unter Druck - entweder durch Preissenkungen oder durch steigende Lagerbestände. In beiden Fällen wirkt der Effekt dämpfend auf die Inflation.
Vor diesem Hintergrund war das relative Wachstum der Geldmenge vor einigen Jahren ein plausibles Argument für Gold als Inflationsschutz. Aktuell lässt sich diese Begründung in dieser Form jedoch nicht mehr aufrechterhalten.

Auch die Umlaufgeschwindigkeit spielt eine Rolle
In unseren einleitenden Überlegungen zum Zusammenhang zwischen M2-Wachstum und Inflation blieb die Rolle der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes weitgehend unberücksichtigt. Genau das spiegelt auch Olivers Argumentation wider - wie bei vielen goldfokussierten Prognosen liegt der Fokus stark auf der Geldmenge, während die Umlaufgeschwindigkeit häufig ausgeblendet wird.
Doch was genau beschreibt diese Kennzahl? Die St. Louis Fed definiert sie wie folgt:
"Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ist die Häufigkeit, mit der eine Währungseinheit innerhalb eines bestimmten Zeitraums zum Kauf von im Inland produzierten Gütern und Dienstleistungen verwendet wird. Mit anderen Worten: Es ist die Anzahl der Male, die ein Dollar pro Zeiteinheit für den Kauf von Gütern und Dienstleistungen ausgegeben wird. Steigt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, finden mehr Transaktionen zwischen den Individuen in einer Volkswirtschaft statt."
Die Umlaufgeschwindigkeit ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Geldmenge - also wie viel Liquidität vorhanden ist - und wirtschaftlicher Aktivität - also wie häufig dieses Geld tatsächlich zirkuliert. Da wir das Wachstum von M2 im Kontext der Inflation bereits berücksichtigen, rückt damit der zweite Faktor in den Fokus: die Ausgabebereitschaft von Unternehmen und privaten Haushalten.
Diese wird im Wesentlichen von mehreren Einflussgrößen bestimmt:
Positive Korrelation:
-
Zinssätze und Kreditverfügbarkeit
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Verbraucher- und Unternehmensvertrauen
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Inflationserwartungen
Negative Korrelation:
-
Sparquote
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demografische Alterung
-
wirtschaftliche Unsicherheit
Für den Inflationsausblick bedeutet das: Entscheidend ist nicht nur die Entwicklung der Geldmenge, sondern ebenso, welche Anreize für Unternehmen und Verbraucher bestehen, Kapital auszugeben oder zu sparen.

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