ASML-Aktie explodiert: 41 Prozent Plus - ist der Chip-Gigant jetzt zu teuer?

Veröffentlicht am 29.01.2026, 20:32

Als wir die Aktie von ASML Ende November zuletzt genauer betrachtet haben, lag der Kurs bei 1.028 US-Dollar je Anteilsschein. Beim aktuellen Preis von 1.422,92 US-Dollar hätten Anleger in vergleichsweise kurzer Zeit damit einen beachtlichen Kursgewinn von rund 41 % erzielt.

Schon damals hatten wir den niederländischen Konzern als einen zentralen Engpassfaktor für die gesamte Halbleiterindustrie eingeordnet. Gleichzeitig haben wir jedoch darauf hingewiesen, dass viele Investoren im Bereich Künstliche Intelligenz und Halbleiter häufig auf bewertungstechnisch günstigere Alternativen ausweichen.

Nach der Veröffentlichung der Zahlen zum vierten Quartal am Mittwoch stellt sich nun die entscheidende Frage: Ist ein Einstieg in ASML auf dem aktuellen, deutlich höheren Kursniveau weiterhin attraktiv?

ASMLs einzigartige Marktstellung

Es gibt Monopole – und es gibt ASML. Ohne die Extreme-Ultraviolet-(EUV)-Lithografie des Unternehmens, mit der Chipstrukturen auf atomarer Ebene auf Silizium geschrieben werden, sind moderne Chip-Roadmaps kaum denkbar. Das gilt für Strukturgrößen von fünf, drei oder perspektivisch zwei Nanometern – etwa bei Herstellern wie Intel, Samsung oder TSMC.

Während Chipdesigner wie NVIDIA oder AMD auf TSMC angewiesen sind, ist der weltweit größte Auftragsfertiger seinerseits von ASML abhängig. Bis Ende 2024 entfiel auf den taiwanischen Konzern mehr als die Hälfte aller weltweit installierten EUV-Systeme – also jener Maschinen, die als die komplexesten je von Menschen gebauten Anlagen gelten.

Diese Ausnahmestellung hat sich ASML erarbeitet, weil das Unternehmen früh konsequent auf Immersionslithografie setzte und sich damit gegen die Trockenlithografie entschied, die vor allem japanische Konzerne wie Nikon und Canon verfolgten. Die damit verbundene, äußerst kostenintensive Forschung rund um EUV brachte ASML allerdings bis 2012 an den Rand der Zahlungsunfähigkeit.

Die Wende kam erst, als es gelang, TSMC, Samsung und Intel für ein sogenanntes Customer-Co-Investment-Programm zu gewinnen. Das Investitionsvolumen belief sich auf 3,85 Milliarden Euro, inklusive Eigenkapitalbeteiligungen und Forschungsausgaben sogar auf 5,23 Milliarden Euro. Um eine Verwässerung der bestehenden Aktionäre zu vermeiden, setzte ASML Anfang Dezember 2012 zusätzlich auf einen synthetischen Aktienrückkauf.

Trotz der fehlenden direkten Konkurrenz wurde Ende 2025 spekuliert, China arbeite an einem eigenen „Manhattan-Projekt“, um mithilfe ehemaliger ASML-Mitarbeiter und durch Reverse Engineering einen EUV-Prototypen auf Basis der ASML-Entwürfe zu entwickeln. Angesichts der extremen technologischen Komplexität gilt es jedoch als unwahrscheinlich, dass China diese Technologie in absehbarer Zeit im industriellen Maßstab einsetzen kann.

Unabhängig davon unterliegt ASML weiterhin strengen US-Exportauflagen, auch wenn der Konzern nicht direkt unter Kontrolle der US-Regierung steht. Grundlage hierfür sind die sogenannten Foreign-Direct-Product-Regeln der USA. Washington kann Einfluss ausüben, da zentrale Teile der ASML-Technologie ursprünglich aus dem staatlich finanzierten Lawrence Livermore National Laboratory des US-Energieministeriums hervorgegangen sind.

Rechenleistung wird zum Engpass

Nach dem Blick auf die Entstehungsgeschichte wird klar: Die weitere Entwicklung von ASML hängt entscheidend von der globalen Rechennachfrage ab. Als Näherungsgröße nutzt die Internationale Energieagentur den Stromverbrauch. In einem Bericht vom April 2025 geht sie davon aus, dass sich der Energiebedarf von Rechenzentren weltweit bis 2030 im Basisszenario mehr als verdoppeln wird.

An dieser Stelle kommt das Thema „KI-Blase“ ins Spiel. Ungeachtet der hohen Verschuldung einzelner Akteure wie OpenAI vertreten wir von Beginn an die Auffassung, dass es bei Künstlicher Intelligenz nicht um das bloße Produzieren von „KI-Brei“ geht. Der eigentliche Mehrwert liegt vielmehr im Aufbau automatisierter Steuerungs- und Verwaltungsebenen – was auch die Vielzahl bislang beispielloser öffentlich-privater Partnerschaften erklärt.

Damit KI diesen breiten Nutzen tatsächlich entfalten kann, müssen die Modelle multimodal sein. Das führt zu einem deutlich steigenden Bedarf an Rechenleistung, der weit über reine Textverarbeitung hinausgeht und auch die Analyse sowie die Erzeugung visueller Daten umfasst. Selbst wenn die Effizienz der Chips bei solchen Anwendungen sinkt – etwa bei Nvidias jüngster Vera-Rubin-Plattform – würde dies letztlich lediglich zu einer höheren Gesamtnachfrage führen.

Anders formuliert: Sobald eine neue Technologie marktreif wird, steigt die Gesamtnutzung sprunghaft an, weil neue Anwendungsgrenzen überschritten werden. In der Wirtschaftsgeschichte ist dieses Phänomen als Jevons-Paradoxon bekannt.

Dass inzwischen Konsumelektronik wie Speicherbausteine von Micron in großem Umfang in den Aufbau von KI-Infrastruktur umgeleitet wird, ist ein klares Signal für eine Phase knapper Rechenleistung – einhergehend mit zunehmender Energieknappheit.

So sind die durchschnittlichen Strompreise in US-Städten in den vergangenen fünf Jahren um 39 % gestiegen. Vor diesem Hintergrund dürfte ASML auf absehbare Zeit als eine Art Mautstelle dieser Knappheit fungieren.

Geschäftszahlen unter der Lupe

Im Gesamtjahr 2025 erzielte ASML einen Nettogewinn von 9,6 Milliarden Euro – ein Plus von 27 % gegenüber dem Vorjahr. Der Auftragsbestand stieg im Jahresvergleich um 8 % auf 38,8 Milliarden Euro und bildet damit Bestellungen ab, die bislang noch nicht umsatzwirksam verbucht wurden.

Im vierten Quartal konnte ASML die Bruttomarge auf 52,2 % steigern, nach 51,6 % im Vorquartal. Auf Jahressicht erhöhte sich die Marge auf 52,8 %, verglichen mit 51,3 % im Jahr 2024. Bei einem Gesamtumsatz von 32,6 Milliarden Euro im Jahr 2025 legte der Gewinn je Aktie um 28,4 % auf 24,73 Euro zu.

ASML-Chef Christophe Fouquet rechnet für 2026 mit „einem weiteren Wachstumsjahr“. Der Konzern stellt einen Umsatz von mindestens 34 Milliarden bis maximal 39 Milliarden Euro in Aussicht. Das bedeutet zwar weiteres Wachstum, signalisiert aber zugleich ein moderateres Expansionstempo – vor dem Hintergrund schwankender Nachfrage und einer insgesamt disziplinierteren Investitionspolitik großer Cloud-Anbieter.

Hinzu kommt, dass die bestehenden Stromnetze bislang nicht auf einen massiven Ausbau von KI-Rechenzentren ausgelegt sind und zusätzliche Engpässe bestehen, etwa beim Kupfer. Diese Phase dürfte allerdings vorübergehender Natur sein. Langfristig will ASML Investoren zudem mit einem neu angekündigten Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 12 Milliarden Euro überzeugen, das bis Ende 2028 umgesetzt werden soll.

Beim Blick auf die Bewertung zeigt sich ein eher ausgereiztes kurzfristiges Potenzial: Der durchschnittliche Kurszielwert liegt laut Wall Street Journal-Konsens aktuell bei 1.423,30 US-Dollar und damit nur knapp über dem aktuellen Kurs von rund 1.422 US-Dollar. Das niedrigste Kursziel wird mit 950 US-Dollar, das höchste mit 1.672 US-Dollar je Aktie angegeben.

Unterm Strich gilt die ASML-Aktie dank ihrer einzigartigen Marktstellung zwar als vergleichsweise robustes Investment. Dennoch könnte es sich anbieten, auf eine größere Marktverwerfung zu warten, bevor ein Einstieg erfolgt. Als potenzieller Auslöser wird dabei auch ein geopolitisches Ereignis genannt: Da Präsident Donald Trump vollständig auf Linie mit den Interessen **Israel**s liegt, bleibt Iran ein möglicher marktrelevanter Risikofaktor.

Aktuelle Kommentare

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toll. wieder im Nachinein.... ist nicht wirklich hilfreich, sondern Werbung...
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