Cloudflare: Absturz nach Ausfall – jetzt die Mega-Chance?

Veröffentlicht am 20.11.2025, 07:08

Als Amazon Web Services (AWS) Ende Oktober für weitreichende Internetstörungen sorgte, legte die AMZN-Aktie deutlich zu. Seit Cloudflares „interne Servicebeeinträchtigung“ jedoch am Dienstag um 11:48 UTC begann, rutschte die NET-Aktie um mehr als 4 Prozent ab und setzte damit den Kursverlust vom Montag fort - ein Hinweis auf die unterschiedlichen Größenordnungen.

Nach dem jüngsten Stand hat Cloudflare seine Dienste wieder vollständig hergestellt. Am stärksten betroffen waren Nutzerinnen und Nutzer von OpenAIs ChatGPT, Elon Musks X sowie verschiedene Online-Gaming-Plattformen. Das überrascht kaum, denn laut den am Dienstag veröffentlichten W3Techs-Daten nutzen 20,4 Prozent aller Websites weltweit Cloudflares Content-Delivery-Network (CDN).

Obwohl Cloudflare innerhalb einer Woche rund 16 Prozent an Wert verloren hat, gehört die Aktie seit Jahresbeginn zu den starken Performern: NET legte bislang 76 Prozent zu. Doch stellt sich damit die Frage, ob sich die Aktie nun als „Buy-the-Dip“-Chance anbietet.

Wie passt Cloudflare in die KI-Erzählung?

Als eine Art Sicherheitswächter für den Datenverkehr im Netz ist Cloudflare in einer besonderen Position, um Datenströme zu verstehen. Wenn das Content-Delivery-Network (CDN) Kopien von Websites weltweit speichert, geschieht dies, um sicherzustellen, dass riesige künstlich erzeugte Datenströme (DDoS-Angriffe) nicht die Dienste echter Kunden lahmlegen.

Ebenso prüft das Unternehmen potenzielle Angreifer - darunter Hacker oder Bots - und stoppt deren Aktivitäten, bevor sie überhaupt Schaden anrichten können. Zusätzlich sorgt Cloudflare für mehr Sicherheit und schnellere Ladezeiten, selbst im kostenlosen Basispaket. Dadurch konnte das Unternehmen seine globale Reichweite massiv ausbauen.

Mit dem Aufschwung der KI-Investitionswelle, die Nvidia zum ersten 5-Billionen-Dollar-Konzern der Welt machte, profitierte auch Cloudflare deutlich. Im Juli führte das Unternehmen ein standardmäßiges Berechtigungsmodell für KI-Scraping ein - ein wichtiger Schritt angesichts der wachsenden Zahl von KI-Crawlern, die Ergebnisse für Endnutzer generieren.

„Wenn du dir OpenAI ansiehst, oder Anthropic, oder Perplexity, oder sogar das moderne Google: Das sind keine Suchmaschinen mehr, sie geben dir keine Schatzkarte. Sie geben dir stattdessen direkt eine Antwort oben auf der Seite. Diese Antwort ist für die meisten Nutzer, 95 Prozent der Nutzer, 95 Prozent der Zeit, eine bessere Benutzeroberfläche.“ - Cloudflare-CEO Matthew Prince zu Stratechery

Wenn Nutzer also Webseiten nicht mehr besuchen müssen und stattdessen auf Googles „AI Overview“ vertrauen, schwächt das die Anreize zur Erstellung neuer Inhalte erheblich. Cloudflare-CEO Matthew Prince glaubt, dass seine Blockade für KI-Crawler ein neues Geschäftsmodell schaffen wird - Bezahlung pro Crawl -, wodurch klassische werbebasierte Einnahmen durch Traffic an Bedeutung verlieren könnten.

„Meine utopische Vision ist eine Welt, in der Menschen Inhalte kostenlos bekommen - und Roboter viel dafür zahlen müssen.“ - Cloudflare-CEO Matthew Prince im Gespräch mit Time Magazine

Zweitens scheint Cloudflare das Konzept des sogenannten „Vibe-Coding“ vollständig angenommen zu haben, wie der Start der VibeSDK-Demoplattform Ende September zeigt. Ähnlich wie Nutzer Bilder, Videos oder Texte über große Sprachmodelle generieren, ermöglicht Vibe-Coding das Entwickeln von Apps über einfache Eingaben in natürlicher Sprache.

Das stellt das alte „Lern programmieren“-Paradigma infrage, denn Nutzer können Code über präzise formulierte Anweisungen erzeugen. Allerdings erhöht dieser Ansatz die Gefahr von Sicherheitslücken - hier kommen die Cloudflare-Sandboxes ins Spiel: isolierte Umgebungen, in denen Nutzer ihren Code testen können, bevor er breit ausgerollt wird.

Mit ausreichend Tests und Fehlerkorrekturen - erneut unterstützt durch KI - schafft Cloudflare damit eine attraktive Infrastruktur für das kommende KI-basierte Web. Einen ähnlichen Effekt sah man bereits im Kryptobereich, als das Internet Computer Protocol (ICP) die Plattform caffeine.ai vorstellte, was Ende Oktober zu einem Preissprung der ICP-Token führte.

Diese strategische Linie passt zum jüngsten Cloudflare-Vorhaben, Replicate zu übernehmen - eine KI-Plattform, die Entwickler beim Einsatz und Betrieb von KI-Modellen unterstützt.

Cloudflares Finanzlage bisher

Im Quartalsbericht für Q3, der am 30. September endete, steigerte Cloudflare seinen Umsatz im Jahresvergleich um 31 Prozent auf 562 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen ist noch nicht durchgängig profitabel, bewegt sich aber zunehmend in diese Richtung - ähnlich wie zuvor Palantir. Im jüngsten Quartal lag der Nettoverlust bei nur noch 1,3 Millionen US-Dollar, verglichen mit 15,3 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Der freie Cashflow (FCF) verdoppelte sich nahezu von 45,3 auf 75 Millionen US-Dollar. Allerdings belasteten KI-bezogene Investitionen die Bruttomarge, die im Jahresvergleich von 77,7 auf 74 Prozent sank.

Bemerkenswert ist zudem, dass nach dem Rücktritt des MongoDB-CEOs Anfang November Cloudflares Produkt- und Technikchef CJ Desai diese Rolle übernahm.

Für das Geschäftsjahr 2025 rechnet Cloudflare mit einem Umsatz zwischen 2,142 und 2,143 Milliarden US-Dollar, nach 1,669 Milliarden im Jahr 2024. Das entspräche einem Wachstum von 27 Prozent gegenüber 2023.

Kursziele für NET

Beim aktuellen Kurs von 196,53 US-Dollar liegt die NET-Aktie deutlich unter dem durchschnittlichen Kursziel von 244,59 US-Dollar. Laut Konsens des Wall Street Journal sprechen 17 Analysten eine Kaufempfehlung aus, 12 raten zum Halten. Nur zwei Analysten sind pessimistisch.

Die Spanne der Kursziele reicht von 117 US-Dollar am unteren Ende bis 318 US-Dollar am oberen Ende. Angesichts von Cloudflares jüngstem Ausbau seiner KI-Angebote - von VibeSDK über die Workers-AI-Plattform bis hin zur angekündigten Replicate-Übernahme - könnten Anleger den jüngsten Kursrückgang infolge des Ausfalls als günstigen Einstiegszeitpunkt betrachten.

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