ROUNDUP/Aktien New York Schluss: Deutliche Verluste - Iran-Unsicherheit hält an
Die Feiertagssaison läuft auf Hochtouren, und die Regierung ist wieder geöffnet. An den Märkten macht sich die Hoffnung auf eine Jahresendrally breit – und sogar etwas Normalität bei den Konjunkturdaten. Wenig überraschend ist der Cboe Volatility Index (VIX) wieder unter 17 gefallen, während im S&P 500 geringere tägliche Schwankungen eingepreist werden. Zudem rechnen Händler inzwischen fest mit einer Zinssenkung der US-Notenbank um einen Viertelpunkt – genau eine Woche von heute an.
Bis sich die Wirtschaftsdaten normalisieren, könnte es allerdings bis Mitte des ersten Quartals dauern. Bis dahin wird jede offizielle Veröffentlichung besonderes Gewicht haben. Erste zeitnahe Daten treffen in den kommenden Tagen ein.
Dafür sollten Anleger eine hilfreiche Quelle im Blick behalten: das Stockcharts-Portal für Wirtschaftsindikatoren. Zu finden ist es in der „Sample Chart Gallery“, einem Fundus grafischer Darstellungen, der für Makrointeressierte besonders aufschlussreich ist.
Alle Blicke auf den Arbeitsmarkt: Der erste Dominostein
Was steht nun auf dem weiterhin durcheinandergeratenen Datenkalender? Der erste wichtige offizielle Termin ist der Bericht über offene Stellen und Arbeitskräftefluktuation (JOLTS) für Oktober. Das US-Arbeitsministerium (BLS) hatte die September-Veröffentlichung gestrichen, weshalb der Bericht, der am Dienstag, 9. Dezember, erscheint, umso bedeutender wird.
JOLTS, zusammen mit den ADP-Beschäftigungszahlen, den Erstanträgen und fortlaufenden Anträgen auf Arbeitslosenhilfe, den Challenger-Entlassungszahlen, Beschäftigungskomponenten der Einkaufsmanagerindizes und weiteren arbeitsmarktbezogenen Indikatoren aus dem privaten Sektor, führen schließlich zum Arbeitsmarktbericht für November, der am Dienstag, 16. Dezember, veröffentlicht wird. Zur Erinnerung: Der inzwischen überholte Bericht über die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft für September zeigte die höchste Arbeitslosenquote seit Oktober 2021.
Auf der Seite der Wirtschaftsindikatoren zeigt der Chart „US Unemployment Rate“, dass ein steigender Arbeitslosenanteil dem S&P 500 nicht geschadet hat. Beide Linien sind in den vergangenen drei Jahren nach oben gelaufen.
US-Arbeitslosenquote: Höchster Stand seit Oktober 2021 (Aktien ebenfalls gestiegen)

Chartquelle: StockCharts.com
Eine wieder aufgewärmte Inflationsgeschichte?
Als Nächstes folgt der Verbraucherpreisindex (CPI) für November, der am Donnerstag, 18. Dezember, erscheint. Da sich der Offenmarktausschuss (FOMC) noch vor dem Arbeitsmarktbericht und der CPI-Veröffentlichung trifft, wird die sonst ruhige Phase Mitte Dezember ungewöhnlich bedeutsam für die Zinspolitik – insbesondere für die Sitzung im Januar.
Auf der Wirtschaftsindikatorenseite zeigt der Chart „Consumer Price Index (CPI)“ den wichtigen Inflationsmaßstab auf zwei Nachkommastellen. Aussagekräftiger ist jedoch die „ROC“-Linie, also die Rate of Change. Die 12-Monats-Veränderungsrate des CPI erreichte im Juni 2022 ihren Höhepunkt bei 8,77 %.
Chart-Tipp: Mit der Crosshair-Funktion lassen sich Details zu jedem Datenpunkt anzeigen.
Derzeit liegt die Inflationsrate so hoch wie seit Mitte vergangenen Jahres nicht mehr. Ich nutze gerne die Zoom-Funktion, um das jüngste rechte Ende des Charts hervorzuheben. Was die zwölf stimmberechtigten Fed-Mitglieder offenbar beschäftigt, ist der Anstieg der jährlichen CPI-Rate um fast 70 Basispunkte seit April.
CPI-Rate steigt auf 3,02 % im Jahresvergleich – höher als im April

Chartquelle: StockCharts.com
Die Fed tagt – aber ohne vollständige Datengrundlage
Der Arbeitsmarktbericht und der CPI bilden das makroökonomische Doppelpack in diesem datenarmen Ergebnismonat. Einige Stimmen argumentieren, der Offenmarktausschuss solle seine Dezembersitzung verschieben, um die neuesten Beschäftigungs- und Inflationszahlen vorliegen zu haben. Doch die Sitzung bleibt wie geplant am Dienstag und Mittwoch kommender Woche. Für Anleger bedeutet das mögliche zusätzliche Schwankungen bis Weihnachten.
Weitere wichtige Veröffentlichungen sind der Produzentenpreisindex (PPI) für November am Donnerstag, 11. Dezember, der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor (Flash) von S&P Global am Dienstag, 16. Dezember, sowie die erste Schätzung des BIP für das dritte Quartal, möglicherweise am Dienstag, 23. Dezember.
Das große Fragezeichen beim Einzelhandel
Unklar ist derzeit, wann der Bericht zu den Einzelhandelsumsätzen für November erscheint. Dieser stammt vom US-Census Bureau und dürfte wichtige Hinweise darauf liefern, wie stark der Konsum während vier der fünf großen Einkaufstage von Thanksgiving bis Cyber Monday ausgefallen ist.
Die ungewöhnliche Ruhe am Anleihemarkt & die Aussicht auf 5-Prozent-Hypotheken
Beim Kursverlauf versucht der Anleihemarkt weiterhin, Signale von bloßem Rauschen zu unterscheiden. Ironischerweise wirken US-Staatsanleihen derzeit bemerkenswert stabil. Der MOVE-Index der Zinsvolatilität notiert nahe dem niedrigsten Stand seit vier Jahren, während die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Staatsanleihe um die Marke von 4 % pendelt – ziemlich genau dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre.
MOVE Index: Nun unter 70

Chartquelle: StockCharts.com
Die ungewöhnliche Ruhe bei Staatsanleihen kommt auch dem Hypothekenmarkt zugute. Damit zum letzten Wirtschaftsindikator-Chart.
Der durchschnittliche Zinssatz für 30-jährige Hypotheken liegt mit 6,23 % (Stand 28. November) nahe den Tiefstständen des aktuellen Zyklus. Rückblickend markierte der konventionelle Hypothekensatz Anfang 2021 mit 2,65 % ein Rekordtief, stieg dann aber bis Oktober 2023 auf 7,79 %. Ein Rückgang um 1,5 Prozentpunkte bis heute ist beachtlich – und nährt die Hoffnung, dass eine Fünf vor dem Komma irgendwann im Laufe des Jahres 2026 wieder möglich wird.
Technisch gilt: Sollte die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe in den Bereich unter 4 % fallen (möglicherweise in Richtung des Tiefs von 3,62 % aus dem dritten Quartal 2024), könnte diese Hoffnung für Erstkäufer realistischer werden.
Hypothekenzinsen sinken langsam – 10-Jahres-Rendite stabil bei rund 4 %

Chartquelle: StockCharts.com
Fazit
Ich verfolge den Makrokalender sehr genau, und offen gesagt bin ich weiterhin unsicher, welche offiziellen Daten wie geplant erscheinen und welche abgesagt wurden. Ich beobachte die BLS-Seite nach Updates – und achte darauf, was die Marktbewegungen signalisieren.
