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Deutschland im Niedergang: Deindustrialisierung schreitet voran

Von Marc Friedrich Marktüberblick06.10.2022 12:56
de.investing.com/analysis/deutschland-im-niedergang-deindustrialisierung-schreitet-voran-200476891
Deutschland im Niedergang: Deindustrialisierung schreitet voran
Von Marc Friedrich   |  06.10.2022 12:56
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„Deutschland muss sterben!“

So heißt ein beliebtes Lied der Hamburger Punkband „Slime“ zu dem gerne Pogo getanzt wird. Kann denn ein Land sterben? Ja, zuerst seine Wirtschaft und damit auch über kurz oder lang das ganze Land, denn die Wirtschaft ist der Herzschlag eines Landes. Und wenn das Herz stirbt, bleibt alles andere auch stehen.

Der Patient „Deutschland“ wurde mit einigen Beschwerden in die Notaufnahme eingeliefert, die sich zuletzt rapide verschlimmert haben und jetzt liegt das Land auf der Intensivstation. Momentan haben wir noch keinen Herztod aber etliche Warnsignale, dass ein akuter und schwerer Herzinfarkt droht. Wir sehen ein Vorhofflimmern in Form von rasant steigenden Energiepreisen und massiver Verunsicherung der Bürger, welche sich durch eine Kaufzurückhaltung ausdrückt. Ein Herzstolpern durch offensichtlich überforderten Politiker und unverblümter Warnungen von besorgten Branchenvertretern und auch schon einige kleinere Infarkte sind aufgetreten in Form von Kurzarbeit sowie Insolvenzen erster Unternehmen. Selbst ein Laie würde attestieren: Es steht nicht gut um den Patienten und akute Gefahr ist in Verzug.

Die Lage spitzt sich immer dramatischer zu. Man muss sich schon die Augen reiben und klar machen, dass man nicht in einem Alptraum gefangen ist. Hätte Ihnen jemand vor wenigen Jahren gesagt, dass wir in Deutschland über Energiekrise, Stromausfälle, Wärmehallen, leere Regale und geforderte Waffenlieferungen durch die Grünen sprechen würden, hätten sie denjenigen völlig zurecht als Spinner oder Verschwörungstheoretiker abgekanzelt. Doch jetzt sehen wir genau diesen Paradigmenwechsel in einer atemberaubenden Geschwindigkeit und damit einhergehend den Niedergang des Landes.

Immer mehr Unternehmen klagen über die hohen Energiepreise und Verbände und Branchenvertreter warnen vor einer Insolvenzwelle sowie einer Deindustrialisierung Deutschlands.

Denn durch die immens steigenden Energie- und Strompreise geraten nicht nur wir Bürger immer weiter unter Druck, sondern auch die deutsche Wirtschaft und Industrie. Vor allem die energieintensiven Branchen wie Chemie, Glas, Papier oder Metall stehen mit dem Rücken zur Wand. Zunehmend gehen Unternehmen dazu über, ihre Produktion zu drosseln, um Kosten zu sparen. Mitarbeiter werden in Kurzarbeit geschickt und Investitionen werden gestoppt. Apropos Investitionen: Ausländische Unternehmen werden es sich zweimal überlegen ob sie im Hochsteuerland Deutschland, mit jetzt auch noch Rekordenergiepreisen plus zäher Bürokratie investieren wollen. Ebenso überlegen jetzt schon zehn Prozent der Firmen die Produktion ins Ausland zu verlagern, um die Energiekosten wieder in den Griff zu bekommen und somit wettbewerbsfähig auf dem globalen Markt zu bleiben. Andere haben schon aufgegeben und die Tore ganz geschlossen bzw. mussten Insolvenz anmelden. Weitere Unternehmen werden leider folgen, wenn sich die Situation nicht rasch bessern sollte. Die unvermeidliche Rezession wird die Lage für viele Firmen und Bürger weiter verschlimmern. Der spektakuläre Abstieg Deutschlands wird genauso in die Geschichtsbücher eingehen wie sein Aufstieg durch das Wirtschaftswunder: Vom wirtschaftlichen Powerhouse zu Wärmehallen innerhalb weniger Jahre.

Insolvenz oder Inflation

Wie prekär die Situation ist zeigt der kolossale Anstieg der Erzeugerpreise.

Diese stiegen zuletzt im August um 45,8 Prozent auf das höchste Niveau seit der Datenerhebung im Jahr 1955!

Alleine zum Vormonat ging es um sportliche 7,9 Prozent nach oben!

Der größte Kostentreiber war die Energie: Kohle, Öl, Gas und Strom haben sich auf Jahressicht mehr als verdoppelt. Besonders drastisch ist der Anstieg von Strom: +174,9 Prozent.

Wichtig zu wissen: Die Erzeugerpreise signalisieren weiteres Ungemach denn seit jeher gelten sie als Vorläufer für die Inflation.

Deutschland: Erzeugerpreise in Prozent
Deutschland: Erzeugerpreise in Prozent

Die Unternehmen müssen die steigenden Preise an den Endverbraucher weitergeben ansonsten droht ihnen die Insolvenz. Wenn sie diese weitergeben können, bedeutet dies wiederum weiter steigende Preise also ein Anfeuern der Inflation und somit eine weitere Belastung für die Bürger. Dies resultiert dann in einer Kaufzurückhaltung der Konsumenten, was man am folgenden Chart schön ablesen kann. Der GfK-Konsumklimaindex hat ein Allzeit-Negativrekord zu verzeichnen:

Deutschland: GfK Konsumklimaindex
Deutschland: GfK Konsumklimaindex

Beinahe die Hälfte (47,5 Prozent) der deutschen Unternehmen werden die Preise erhöhen. In der Lebensmittelindustrie werden fast alle Firmen die Kosten auf die Verbraucher abwälzen.

Sanktionen und Corona-Maßnahmen entfalten ihre volle Wirkung

Entstanden sind die Gefahrenquellen für den Herzinfarkt der Wirtschaft durch die Kumulation von politischen Fehlentscheidungen der letzten Jahre aufgrund von Hybris, Selbstgefälligkeit und dogmatisch verblendeter Ideologien:

1. eine komplett fehlgeschlagene und überstürzte Energiewende

2. Ideologie statt Pragmatismus

Deutschland verkommt immer mehr zum Geisterfahrer und Sonderling

Nicht nur sind wir das einzige Land in Europa mit Maskenpflicht und Coronamaßnahmen, nein, wir sind auch das einzige Land, welches sichere und funktionierende Atomkraftwerke abschaltet, während alle um uns herum einschalten und gar neue Atomkraftwerke bauen wollen.

Das jetzt auch noch die EU mit der Taxonomie Gas und Atom als „grün“ eingestuft hat, ist ein weiterer Schlag ins Gesicht der deutschen Politik und de facto die totale Bankrotterklärung für die deutsche Energiepolitik der vergangenen Jahre.

3. Sanktionen gegen einen der Hauptlieferanten von billigen Rohstoffen und Energie

4. Ungesunde Abhängigkeit von Russland

Ukraine wird den Krieg vielleicht gewinnen oder verlieren - Deutschland hat ihn schon verloren

Die Sanktionen wirken - leider bei uns!

Vorab: Was nicht ein jeder weiß: Die Mehrheit der Weltengemeinschaft macht nicht mit bei den Sanktionen und betreibt weiter fröhlich Handel mit Russland. Dies nimmt dann solche grotesken Züge an, dass wir dann über China oder Indien russisches Gas teuer einkaufen.

Fakt ist: Die Sanktionen sind gescheitert und treffen uns am härtesten, während Putin mit seinen Gas- und Ölverkäufen soviel Geld verdient wie noch nie. Seine Einnahmen aus den Rohstoffverkäufen übertreffen die Kriegskosten bei weitem.

Russlands Ölexporte nach Land/Region
Russlands Ölexporte nach Land/Region

5. ein gescheitertes Währungsexperiment mit immensen Kosten – sowohl finanziell, als auch sozial

6. das Ignorieren der Demographie

7. das Ausruhen auf Lorbeeren

8. mangelnde Investitionen in Bildung, Forschung und Innovation

All das wird nachhaltig die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gefährden. Ebenso die Versorgungssicherheit und damit unser Wohlstand sowie der soziale Frieden sind dadurch in Gefahr.

Die daraus resultierenden Krisen und Probleme werden dann nur zu gerne von den Brandstiftern mit unseren Steuergeldern „gelöst“, um sich dann selbst auf die Schulter zu klopfen und sich als Feuerwehr feiern zu lassen. Absurd aber leider wahr! Die Umverteilung und der Sozialismus sind wieder en vogue. Der Bürger mutiert immer mehr zum unmündigen Abhängigen an der Zitze der Politik, der sich dann zweimal überlegt, ob er seiner Unzufriedenheit Ausdruck verleiht und in die Hand beißt, die ihn füttert. Aus diesem Grund freut sich die Politik über Krisen und weiß diese geschickt zu nutzen. Zur Erinnerung: Wenn der Staat einem 300 Euro Energiegeld „schenkt“, muss er es woanders eintreiben entweder durch Steuern oder neue Schulden. Egal wie, aber wir Bürger zahlen dafür.

Paradebeispiel für den Abschwung ist das einstige Zugpferd der deutschen Wirtschaft, die Automobilindustrie. 2021 sank schon die Produktion um 11,7 Prozent, um jetzt im 1. Halbjahr 2022 nochmals 2,9 Prozent zum Vorjahr zu verlieren.

Ob unsere Autofirmen den Transformationsprozess vollziehen und überleben, steht in den Sternen. Ebenso, ob die mobile Zukunft tatsächlich elektrisch ist und woher der dafür benötigte Strom (von den Rohstoffen fange ich erst gar nicht an) eigentlich kommen soll? Denn zur Wahrheit gehört auch: Grundlastfähig sind aktuell weder Sonne noch Wind.

Deutschland: PKW Produktion in Einheiten
Deutschland: PKW Produktion in Einheiten

Doch nicht nur in der Automobilindustrie sieht es gerade düster aus. Mittlerweile schlägt die Industrie und das Handwerk Alarm. “Vielen steht das Wasser inzwischen bis zum Hals”, so Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Die Politik müsse hier rasch mit staatlichen Hilfen einspringen, sonst drohe eine Insolvenzwelle im Handwerk.

Wie dramatisch die Lage ist, zeigt eine Umfrage des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft BVMW unter 835 befragten Unternehmen in Deutschland. Demnach sehen mehr als 40 Prozent der deutschen Mittelständler ihre Existenz bedroht.

Fakt ist: Wenn Deutschland so weiter macht und sich deindustrialisiert, verliert es massiv an Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit, was Arbeitsplätze, soziale Sicherheit und Wohlstand kosten wird. Wir müssen jetzt handeln!

Energiepolitische Zeitenwende

Wir machen immer noch die dümmste Energiepolitik der Welt

Ein gutes Sinnbild der aktuellen Krise ist der verstaatlichte Energieversorger Uniper (ETR:UN01). Er hatte zu 50 Prozent auf russisches Gas gesetzt, was ihm zum Verhängnis wurde und er kurz vor dem Bankrott stand. Deutschland teilt dasselbe Schicksal: wir haben ebenfalls zu 50 Prozent auf russisches Gas verlassen. Kommt nun die Pleite?

Doch noch hat die Politik Zeit, um den plötzlichen Herztod zu verhindern. Dazu bräuchte es nun aber mehr Realismus und weniger Ideologie und Dogmatismus. Dazu gehört auch das Eingeständnis, dass wir zum aktuellen Zeitpunkt weder auf die saubere Atomenergie, noch auf die fossilen Energieträger verzichten können.

Ob sie das tun wird, ist leider eher fraglich. Folgende Punkte wären wichtig, um Deutschland autark aufzustellen und eine Versorgungssicherheit für den Wirtschaftsstandort zu garantieren:

  • Den Krieg beenden durch Diplomatie und nicht durch Waffenlieferungen
  • Die bestehenden Atomkraftwerke am Netz lassen und abgeschaltete AKW´s reaktivieren
  • Den Bau neuer Kernkraftwerke prüfen
  • Gasförderung und Gasfracking in Deutschland prüfen
  • Kohleabbau wieder starten
  • Geld in die Forschung stecken (Speicher, Wasserstoff etc.)
  • Erneuerbare Energien ausbauen
  • Strategische Vorräte massiv ausbauen
  • Verlässliche Energiepartnerschaften aufbauen
  • Sanktionen beenden
Deutschland im Niedergang: Deindustrialisierung schreitet voran
 

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Kommentare (30)
Christoph Hermann
Christoph Hermann 11.10.2022 12:56
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Auch wenn es weh tut es zu hören, aber der Mann hat Recht! Die ungebildetten Politiker sind dabei unseren Wohlstand zu verzocken, den Wohlstand den unsere Eltern und Großeltern aufgebaut haben! Unser Geld wird auf der ganzen Welt verschenkt, und in Deutschland in Windräder und ähnlichen Murks versenkt! Wärend andere Länder sich hoch gebildette Migranten ins Land holen bekommen wir die Analphabeten die dann maximal für Amazon die Pakete ausfahren! Ein englischer Politiker erkannte das Problem schon vor Jahren und nannte Deutschland zu recht, einen verblödetten Hippistaat! Kein Wunder den idiologisch verblendette Hippies oft ohne Ausbildung regieren dieses Land! Ich kann nur hoffen das wir einen Neuanfang wie nach dem 2. Weltkrieg schaffen! Und nein ich bin kein Nazi, sondern Familienvater und mache mir große Sorgen um die Zukunft meiner Kinder! Das Land der Dichter und Denker sind wir jedenfalls nicht mehr! Es ist nur noch zum ko..en!
DeVuchelsbercher
DeVuchelsbercher 07.10.2022 14:36
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Laut unserem Minister H. gibt es keine Insolvenz ….die machen ihre Betriebe nur zu, um sie später wieder aufzumachen🤷‍♂️
Dennis Pfeffer
Dennis Pfeffer 07.10.2022 10:21
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Geschichte reimt sich. Im Deutsxhland der 1920er Jahre hat ein katastrophale linksideologische Politik das Land ruiniert. Der wirtschaftliche Abschwung und die Verteilungskämpfe haben schließlich als Reglex der Menschen und in Hoffnung auf Besserung den rechtsradikalen Kräfte in die Karten gespielt. Die Parallelen zu heute sind frappierend.
Money Ball
Money Ball 07.10.2022 10:21
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das ist falsch. die Regierung damals, die mehrheitlich von der SPD gebildet wurde, war gegen die extreme linke und gegen die nationalistische Rechte. schlechter Vergleich
Christoph Hermann
Christoph Hermann 07.10.2022 10:21
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Das Bild das uns Dennis hier zeigt stimmt aber im großen und ganzen! Die SPD hat noch nie etwas gutes für Deutschland getan, damals nicht und heute auch nicht!
Dennis Pfeffer
Dennis Pfeffer 07.10.2022 10:21
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Geschichte reimt sich. Im Deutsxhland der 1920er Jahre hat ein katastrophale linksideologische Politik das Land ruiniert. Der wirtschaftliche Abschwung und die Verteilungskämpfe haben schließlich als Reglex der Menschen und in Hoffnung auf Besserung den rechtsradikalen Kräfte in die Karten gespielt. Die Parallelen zu heute sind frappierend.
Richard Wagner
Richard Wagner 07.10.2022 10:16
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Das erwähnte Lied bezieht sich auf den Spruch "Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen" auf dem Hamburger Kriegerdenkmal direkt am Dammtordamm. Er stammt aus dem Gedicht "Soldatenabschied" von Heinrich Lersch. Als Entgegnung dieser Kriegsverherrlichung heißt es daher in dem zitierten Lied: „Deutschland muss sterben, damit wir leben können.“
eva schulz
eva schulz 07.10.2022 8:09
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Auf den Punkt!
Dominik Greren
TINTIDAX 07.10.2022 6:38
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Geld in Forschung - ja aber in Chinesische Firmen investieren
Axel Rothe
Axel Rothe 07.10.2022 6:32
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Alles sehr einseitig … Atommüll? Uran? Diplomatie mit Putin? Autoindustrie hat selber verpennt, sich ausgeruht und lieber in China verkauft. Ich gebe 50% okay zu den Punkten. Leider aber zu einseitig. Wer will denn Braunkohle und Fracking etc?
TTTom UnterweGS
TTTom UnterweGS 07.10.2022 3:29
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Komplett bei der AFD abgeschrieben, deren Wirtschaftskompetenz ist ja weltweit anerkannt. :-)
MB
MB 06.10.2022 20:46
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Guter und fundierter Artikel, Herr Friedrich!
 
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