ROUNDUP/Aktien New York Schluss: Deutliche Verluste - Iran-Unsicherheit hält an
Es gibt unzählige Indikatoren, die wir beobachten können, um die Geldpolitik der Federal Reserve zu entschlüsseln. Jeder hat seine eigenen Vor- und Nachteile, doch einer verdient besondere Beachtung: die Arbeitslosenquote.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt eine wenig überraschende Beziehung: Steigende Arbeitslosenquoten gehen oft mit sinkenden Leitzinsen einher, während niedrige Arbeitslosigkeit höhere Zinsen begünstigt. Aktuell nähern sich diese beiden Größen auf ungewöhnliche Weise an – ein seltenes Phänomen, das auf einen bevorstehenden Wandel hindeutet.

Der mediane Leitzins der Fed liegt derzeit bei 4,33 %, während die Arbeitslosenquote bei 4,2 % steht. Dieses nahezu identische Niveau könnte ein Wendepunkt sein. Historisch gesehen folgt auf eine solche Konstellation meist eine Divergenz, bei der sich die beiden Kurven wieder voneinander entfernen. Die spannende Frage ist: In welche Richtung öffnet sich die Schere diesmal?
Angesichts der aktuellen Wirtschaftslage erscheint es plausibel, dass die Fed die Zinsen senken wird, während die Arbeitslosigkeit steigt. Der Zollkrieg bremst das Wachstum, und es gibt Anzeichen dafür, dass sich der Arbeitsmarkt abkühlt – wenn auch langsam und mit gelegentlichen Ausnahmen.
So sind beispielsweise die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf ein Siebenmonatshoch gestiegen, was darauf hindeutet, dass die Einstellungsdynamik weiter nachlassen wird. Die Beschäftigungszahlen wachsen zwar noch moderat, aber der Dreimonatsdurchschnitt ist gefallen und nähert sich dem langsamsten Tempo seit der Erholung nach der Pandemie.
Sollte die Arbeitslosenquote in den kommenden Monaten weiter steigen, würde dies den seit zwei Jahren beobachtbaren, wenn auch schrittweisen Aufwärtstrend fortsetzen. Dies wiederum würde für eine Senkung des Leitzinses sprechen.
Viel hängt davon ab, wie sich die Inflation in den nächsten Monaten im Verhältnis zur Arbeitslosigkeit entwickelt. Ökonomen erwarten, dass die Prognose derzeit zu unsicher ist, um klare Signale für die Fed zu liefern.
Eine neue Umfrage von Reuters zeigt, dass die meisten Volkswirte davon ausgehen, dass die Zentralbank ihren Zielzins in den nächsten Monaten unverändert lassen wird – ein Ausblick, der auch mit den Erwartungen der Fed-Funds-Futures übereinstimmt.
"Solange der Arbeitsmarkt stabil aussieht, erwarten wir, dass das FOMC weiterhin passiv bleibt und seine Rhetorik nutzt, um seine Glaubwürdigkeit im Kampf gegen die Inflation zu stärken. Solange es nichts kostet, warum anders signalisieren?", sagte Jonathan Pingle, Chefökonom für die USA bei UBS (SIX:UBSG). "Im Moment scheint die 'Grauzone' eher 'Kohle' zu sein... Das Komitee steht vor einer erheblichen Unsicherheit."
