Droht den US-Märkten ein gefährlicher Liquiditätsengpass?

Veröffentlicht am 23.10.2025, 07:39

In der vergangenen Woche befassten sich zahlreiche Experten und Finanzmedien intensiv mit möglichen Spannungen, die sich im US-Finanzsystem zusammenbrauen könnten.

Die SOFR-Fixings lagen mehrere Basispunkte über den Fed Funds. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Repo-Märkte unter Druck geraten, da besicherte Repo-Transaktionen (z. B. SOFR) zunehmend höhere Renditen erzielen als das, was gemeinhin als risikofreier Zinssatz gilt (z. B. Fed Funds).

Bevor ich auf meine Einschätzung dazu eingehe, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Hintergründe: Warum sollte ein solcher Druck überhaupt entstehen?

Das Quantitative Tightening (QT) lief über längere Zeit im Hintergrund, die RRP-Fazilität wurde praktisch auf null zurückgeführt, und das TGA – man kann sich das Treasury General Account (TGA) als das Girokonto der US-Regierung bei ihrer Bank, der Federal Reserve, vorstellen – wurde wieder aufgefüllt. Dieses Zusammenspiel an Liquiditätsmaßnahmen hat dazu geführt, dass sich die Bankreserven derzeit auf rund 3 Billionen USD belaufen.

Ein Reservevolumen von 3 Billionen USD ist ein wichtiger Referenzwert: Es entspricht etwa 10 % des nominalen BIP der USA (2. Quartal). In einer jüngeren Rede bezeichnete Fed-Gouverneur Christopher Waller genau diese Marke von 10 % als ersten Schwellenwert für die Definition eines Systems „knapper Reserven“.

Reserven sind im Kern das Geld der Banken – sie dienen der Abwicklung von Interbankengeschäften. Werden diese Reserven knapp, wird es für die Institute zunehmend schwieriger, den zugrunde liegenden Finanzmechanismus aufrechtzuerhalten, der die Basis der gesamten Finanzmarktpyramide bildet: den US-Repo-Markt.

Das nachstehende Schaubild zeigt, dass die US-Bankreserven inzwischen rund 11 % des nominalen BIP der USA ausmachen und damit nur noch knapp über dem von Waller genannten Schwellenwert liegen.

US-Bankreserven als Prozentsatz vom US-BIP

Doch bedeutet das, dass die Liquidität im Finanzsystem tatsächlich unter Druck steht?

Nicht unbedingt.

Eine der einfachsten Möglichkeiten, die Belastung der Liquidität zu beurteilen, ist der Blick auf die Differenz zwischen dem SOFR-Satz (ein Proxy für den US-Repo-Satz) und dem Fed-Funds-Satz (risikofrei) über eine Laufzeit von drei Monaten – also den sogenannten SOFR/Fed-Funds-Spread, den Anleger für die nahe Zukunft erwarten.

Dieser Spread liegt derzeit bei 8 Basispunkten und signalisiert damit keinen nennenswerten Stress im Finanzsystem.

Auch ein weiteres wichtiges Barometer für Spannungen am US-Finanzmarkt – die Swap-Spreads – zeigt bislang keinerlei Anzeichen von Belastung.

Zudem deutete Powell in dieser Woche an, dass das Ende des QT in Sicht sein könnte – ein Risiko, das die Fed aktiv und umsichtig steuert.

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