Fed im Dilemma: Öl-Schock, Iran-Krieg und schwaches Wachstum

Veröffentlicht am 19.03.2026, 11:30

Selten sah sich das FOMC in den vergangenen Jahren mit derart widersprüchlichen Signalen konfrontiert wie nach der gestrigen Sitzung. Der Iran-Konflikt und die daraus resultierenden steigenden Energiepreise bergen das Risiko eines neuen Inflationsschubs. Gleichzeitig würden höhere Zinsen die wirtschaftliche Aktivität bremsen und die Arbeitslosigkeit weiter steigen lassen.

Damit verschärft sich der Zielkonflikt zwischen den beiden zentralen Mandaten der Fed - Preisstabilität und Vollbeschäftigung. Zusätzlichen Druck bringt die jüngste Revision der Wachstumsdaten: Das Bruttoinlandsprodukt für das vierte Quartal wurde auf lediglich 0,7 % nach unten korrigiert. Parallel zeigen die Konsumausgaben erste Schwächesignale, der Arbeitsmarkt kühlt sich ab, und die finanziellen Rahmenbedingungen haben sich durch Spannungen im privaten Kreditmarkt sowie die Aufwertung des US-Dollars weiter verschärft.

Vor diesem Hintergrund beließ der Offenmarktausschuss die Zinsen wie erwartet unverändert. Mit Stephen Miran gab es lediglich einen Abweichler, der für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte stimmte. Auch in der Kommunikation hielt sich die Fed weitgehend an die bisherige Linie. Die einzige relevante Ergänzung betraf den geopolitischen Kontext:

Die Auswirkungen der Entwicklungen im Nahen Osten auf die Wirtschaft der Vereinigten Staaten sind ungewiss.

Zusätzlich veröffentlichte die Fed ihre aktualisierte Zusammenfassung der Wirtschaftsprognosen. Auffällig ist vor allem die Anpassung bei den Inflationserwartungen. Die Prognose für die Veränderung der Preise für Güter und Dienstleistungen (PCE) wurde gegenüber Dezember um 0,3 % angehoben, die Kern-PCE-Prognose um 0,2 %. Gleichzeitig hält die Fed weiterhin an der Erwartung fest, im laufenden Jahr eine Zinssenkung vorzunehmen.

Zusammenfassung der Wirtschaftsprognosen der Fed

Gold im Fokus

Gold gibt trotz steigender Ölpreise und höher als erwarteter Erzeugerpreisinflation nach - ein scheinbarer Widerspruch, der für Verunsicherung sorgt. Der Goldpreis eröffnete am Mittwoch rund 2 % schwächer, obwohl sich Öl nahe der Marke von 100 USD je Barrel hielt und der PPI über den Erwartungen lag. Für Anleger, die Gold als Inflationsschutz sehen, wirkt diese Entwicklung zunächst widersprüchlich.

Ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass kurzfristige Marktbewegungen nicht immer unmittelbar den fundamentalen Rahmenbedingungen folgen. Langfristige Trends bilden diese Zusammenhänge in der Regel besser ab. Dennoch lässt sich der jüngste Rückgang nachvollziehen.

So heißt es bei FinViz: Gold-Futures brachen um 2 % ein, da sich die Ölpreise über 100 USD je Barrel hielten, während die Eskalation des Iran-Israel-Konflikts Inflationsängste schürte und Spekulationen über eine restriktivere Geldpolitik der Fed anheizte

Der entscheidende Punkt liegt in den Realzinsen. Steigende Ölpreise erhöhen den Inflationsdruck und damit die Wahrscheinlichkeit einer restriktiveren Geldpolitik. Historisch orientiert sich Gold jedoch weniger an der Inflation selbst, sondern stärker an den Realzinsen - also den inflationsbereinigten Renditen.

Sind die Realzinsen niedrig oder negativ, spricht das für eine lockere Geldpolitik und stützt in der Regel den Goldpreis. Steigen die Realzinsen hingegen - wie aktuell und in den Markterwartungen - gerät Gold typischerweise unter Druck.

In den vergangenen Jahren war diese Korrelation zeitweise weniger ausgeprägt, wie bereits in unserem Artikel Goldinvestoren setzen auf die Fed (22.02.2023) dargestellt wurde. Die Entwicklung seit 2022 zeigt jedoch, dass sich diese Beziehung weiter verändert hat.

Für Gold-Anleger stellt sich damit eine zentrale Frage: Kehren die Preise wieder stärker zur Entwicklung der Realzinsen zurück, könnte ein restriktiver geldpolitischer Kurs der Fed die Aufwärtsdynamik bei Gold spürbar begrenzen.

Gold und Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen

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