Fed uneins: Kommt die Zinssenkung jetzt doch früher als gedacht?

Veröffentlicht am 01.08.2025, 07:57

Der Dezember 2024 war das vorletzte Mal, dass ein stimmberechtigtes Mitglied des FOMC eine Entscheidung der Fed nicht mitgetragen hat. Damals stimmte Jefferey Schmid als Einziger gegen eine Zinssenkung. Gestern gab es erneut Dissens: Während die Mehrheit für die Beibehaltung des Leitzinses von 4,25 bis 4,50 % votierte, sprachen sich Michelle Bowman und Christopher Wallace für eine Senkung aus.

Es war das erste Mal seit 1993, dass gleich zwei Mitglieder gegen die Entscheidung stimmten (siehe unten). Diese beiden Gegenstimmen deuten darauf hin, dass sich etwas bewegt – die Argumente gegen eine Zinssenkung verlieren offenbar an Gewicht.

Die Fed änderte in ihrer Erklärung im Vergleich zu vor sechs Wochen zwei Punkte:

  • Ersetzt wurde: „Die Wirtschaftstätigkeit hat sich weiterhin in einem soliden Tempo ausgeweitet“ – durch „Das Wachstum der Wirtschaftstätigkeit hat sich in der ersten Jahreshälfte abgeschwächt“.

  • Entfernt wurde: „vermindert“ aus dem Satz „Ungewissheit über Wirtschaftsaussichten hat abgenommen, bleibt aber auf einem erhöhten Niveau“.

Aus unserer Sicht sprechen diese Anpassungen und die Gegenstimmen für eine etwas lockerere Haltung der Fed. Die Reaktion an den Märkten deutet allerdings darauf hin, dass die Investoren diese Einschätzung noch nicht teilen. Nachfolgend einige Zitate und Kommentare aus Powells Pressekonferenz.

Uneinigkeit bei der Fed

Wenn Powell redet, hören die Anleger zu

Die folgenden Punkte stammen aus der Pressekonferenz von Jerome Powell nach dem FOMC-Meeting:

  • Zur aktuellen Geldpolitik: Die Wirtschaft verhalte sich nicht so, als wäre die Politik restriktiv. Aus Powells Sicht ist die derzeitige Ausrichtung daher „angemessen“. Gleichzeitig räumt er ein, dass „Abwärtsrisiken für den Arbeitsmarkt durchaus erkennbar sind.“

  • Zum Arbeitsmarkt: Das Beschäftigungswachstum verläuft schleppend – auch, weil die Erwerbsbevölkerung durch die Einwanderungspolitik schrumpft. Powell spricht deshalb von einem „ausgeglichenen“ Arbeitsmarkt.

  • Zur Zinssenkung im September: „Wir haben keine Entscheidungen über die Sitzung im September getroffen.“ – eine klare Absage an voreilige Erwartungen.

  • Zu den Abweichlern: Die Gegenstimmen von Bowman und Wallace lösten laut Powell eine „interessante geldpolitische Diskussion“ innerhalb des FOMC aus.

  • Zu den Zöllen: Powell hält es für zu früh, die Auswirkungen auf die Inflation genau einzuschätzen. Er geht davon aus, dass der Prozess langsamer verläuft, als ursprünglich gedacht, und spricht weiterhin von „einmaligen Preiseffekten“. Sein Credo: „Wir werden dafür sorgen, dass sie nicht zu einer ernsthaften Inflation führen.“

  • Services vs. Waren: Die Preisentwicklung bei Dienstleistungen gleicht laut Powell einen Teil der zollbedingten Preissteigerungen bei Waren aus.

  • „Look-through“-Strategie: Interessant war Powells Bemerkung, dass die Fed „temporäre, schockbedingte Preiserhöhungen tolerieren kann, indem sie die Zinsen nicht erhöht“. Seine Begründung: „Eine ziemlich vernünftige Grundannahme ist, dass es sich um einen einmaligen Preisanstieg handelt.“

  • Marktreaktion: Am Fed Funds Futures-Markt fiel die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung im September von 68 % auf 47 %. Mit anderen Worten: Die Marktteilnehmer interpretierten Powells Aussagen und die FOMC-Erklärung insgesamt als leicht hawkisch.

Aktuelle Kommentare

Installieren Sie unsere App
Risikohinweis: Beim Handel mit Finanzinstrumenten und/oder Kryptowährungen bestehen erhebliche Risiken, die zum vollständigen oder teilweisen Verlust Ihres investierten Kapitals führen können. Die Kurse von Kryptowährungen unterliegen extremen Schwankungen und können durch externe Einflüsse wie finanzielle, regulatorische oder politische Ereignisse beeinflusst werden. Durch den Einsatz von Margin-Trading wird das finanzielle Risiko erhöht.
Vor Beginn des Handels mit Finanzinstrumenten und/oder Kryptowährungen ist es wichtig, die damit verbundenen Risiken vollständig zu verstehen. Es wird empfohlen, sich gegebenenfalls von einer unabhängigen und sachkundigen Person oder Institution beraten zu lassen.
Fusion Media weist darauf hin, dass die auf dieser Website bereitgestellten Kurse und Daten möglicherweise nicht in Echtzeit oder vollständig genau sind. Diese Informationen werden nicht unbedingt von Börsen, sondern von Market Makern zur Verfügung gestellt, was bedeutet, dass sie indikativ und nicht für Handelszwecke geeignet sein können. Fusion Media und andere Datenanbieter übernehmen daher keine Verantwortung für Handelsverluste, die durch die Verwendung dieser Daten entstehen können.
Die Nutzung, Speicherung, Vervielfältigung, Anzeige, Änderung, Übertragung oder Verbreitung der auf dieser Website enthaltenen Daten ohne vorherige schriftliche Zustimmung von Fusion Media und/oder des Datenproviders ist untersagt. Alle Rechte am geistigen Eigentum liegen bei den Anbietern und/oder der Börse, die die Daten auf dieser Website bereitstellen.
Fusion Media kann von Werbetreibenden auf der Website aufgrund Ihrer Interaktion mit Anzeigen oder Werbetreibenden vergütet werden.
Im Falle von Auslegungsunterschieden zwischen der englischen und der deutschen Version dieser Vereinbarung ist die englische Version maßgeblich.
© 2007-2026 - Fusion Media Limited. Alle Rechte vorbehalten.