ROUNDUP/Aktien New York Schluss: Deutliche Verluste - Iran-Unsicherheit hält an
Die KI-Story steuert auf ein neues Kapitel zu: Chinesische Wissenschaftler haben einen optischen Computerchip präsentiert, der die führende GPU von Nvidia in Bezug auf Geschwindigkeit und Energieeffizienz um mehr als das Hundertfache übertreffen soll - insbesondere bei generativen Anwendungen wie Videoproduktion und Bildsynthese. (Übrigens: YRI arbeitet mit einem koreanischen Medienunternehmen zusammen, das KI einsetzen wird, um Dr. Eds Sprache in verschiedenen Sprachen zu synthetisieren).
Ein aufmerksamer Leser weist zudem darauf hin, dass KI die Produktivität auch auf indirektem Weg steigern kann:
„Ich habe in der Vergangenheit die These aufgestellt, dass ein Teil dessen, was man am besten als die Verschlankung von Corporate America bezeichnen kann, darin bestehen könnte, dass Unternehmen ihre Arbeitsabläufe analysieren, um festzustellen, wo KI eingesetzt werden kann - und dabei erkennen, dass viele Dienstleistungen möglicherweise vollständig entfallen. Kurz gesagt: Unternehmen richten ihr Management stärker auf Gewinnmaximierung aus als auf einen zusätzlichen gesellschaftlichen Beitrag.“ (Danke, Lee Hoffman.)
Wir gehen davon aus, dass der Produktivitätszuwachs auch 2026 ähnlich stark ausfallen wird wie 2025. In diesem Szenario dürfte sich die laufende Aktien-Hausse auf die sogenannten „vielversprechenden 493“ Titel des S&P 500 ausweiten - also auf die Anwender von Künstlicher Intelligenz - und nicht länger ausschließlich auf deren Produzenten wie die Mag-7 konzentrieren.
Der Aufwärtstrend der Forward Earnings der vielversprechenden 493 gewinnt 2025 deutlich an Steigung (Grafik). Die erwarteten Gewinne dieses Segments sind im abgelaufenen Jahr um rund 10 % gestiegen. Das entspricht etwa der Hälfte des Gewinnzuwachses der Mag-7. Wir rechnen jedoch damit, dass zunehmender Wettbewerb im KI-Sektor den vielversprechenden 493 Rückenwind verleiht, während er zugleich auf die Mag-7 belastend wirken dürfte.

Unterdessen ist der Gewinn je Aktie des S&P 500 in der Woche zum 25. Dezember auf ein weiteres Rekordniveau von 313,86 USD gestiegen (siehe Grafik). Das Forward-KGV liegt aktuell bei 22,1.
Wir gehen davon aus, dass die erwarteten Gewinne bis Ende 2026 um rund 10 % auf etwa 350 USD zulegen. In diesem Szenario dürfte der S&P 500 um rund 10 % auf 7.700 Punkte steigen, wobei das Forward-KGV in diesem Bereich bei etwa 22,0 liegen würde.

An dieser Stelle lohnt ein Blick auf die gemischten Signale einiger von uns beobachteter Contrarian-Indikatoren. So zeigt die November-Umfrage zum Verbrauchervertrauen, dass 52 % der Befragten davon ausgehen, dass die Aktienkurse in zwölf Monaten höher notieren werden. Das entspricht einem ausgesprochen hohen Maß an Optimismus. Aus konträrer Perspektive lässt sich dies daher als potenziell negatives Signal interpretieren.

Der Zwölfmonatsdurchschnitt dieser Zeitreihe weist eine positive Korrelation mit dem Forward-KGV des S&P 500 auf (siehe Grafik). Beide Kennzahlen könnten noch über einen längeren Zeitraum auf erhöhtem Niveau bleiben, sofern Verbraucher und Anleger - wie auch wir - davon ausgehen, dass eine Rezession für den weiteren Verlauf der Roaring 2020er Jahre unwahrscheinlich ist, zumal sie bislang in diesem Jahrzehnt ausgeblieben ist.

Die ausgeprägte Euphorie an den Aktienmärkten spiegelt sich in den rekordhohen Nettozuflüssen in Aktien-ETFs wider. Aus konträrer Sicht lässt sich dies als potenziell negatives Signal werten. Ein erheblicher Teil der in ETFs investierten Mittel stammt jedoch aus Umschichtungen aus klassischen Aktienfonds (Grafik).
Für das abgelaufene Jahr dürften die Nettozuflüsse in Aktien-ETFs erstmals die Marke von 1,5 Bio. USD überschreiten, während die Nettoabflüsse aus Aktien-Publikumsfonds voraussichtlich einen Rekordwert von rund 500 Mrd. USD erreichen werden.

Die Schwäche des US-Dollar im Jahr 2025 wurde vielfach mit Nettokapitalabflüssen aus den USA in ausländische Kapitalmärkte erklärt, insbesondere in internationale Aktienmärkte. Die Daten des US-Finanzministeriums zeichnen jedoch ein anderes Bild. Tatsächlich erreichten die privaten Käufe ausländischer Investoren in US-Aktien in den zwölf Monaten bis Oktober mit 714 Mrd. USD ein Rekordniveau (Grafik).
Auf annualisierter Dreimonatsbasis belief sich das Volumen zuletzt auf nahezu 1,0 Bio. USD. Historisch betrachtet galten starke ausländische Zuflüsse in US-Aktien aus konträrer Sicht als negatives Signal. In der jüngeren Vergangenheit hat sich dieses Signal allerdings klar als wenig verlässlich erwiesen.

Die von uns beobachteten Bull-Bear-Ratios liefern derzeit ein uneinheitliches Bild: Während ein Indikator überdurchschnittlichen Optimismus signalisiert, deutet ein anderer eher auf Zurückhaltung hin (Grafik). In der Gesamtschau ergeben sich daraus aktuell weder eindeutig bullische noch klar bearische Signale.

