ROUNDUP/Aktien New York Schluss: Deutliche Verluste - Iran-Unsicherheit hält an
In unserem Tageskommentar vom 9. Oktober haben wir darauf hingewiesen, dass das Overnight-Repo-Programm der Fed auf eine Verknappung verlässlicher Überschussliquidität im Finanzsystem hindeutet. Das ist zwar kein Grund zur Sorge (siehe unser Zitat unten), dennoch empfiehlt es sich, die Entwicklung im Auge zu behalten.
„Anders ausgedrückt: Nachdem das Finanzsystem jahrelang über einen beträchtlichen Liquiditätspuffer verfügte, fehlt es nun an überschüssiger Liquidität. Das bedeutet nicht, dass eine Liquiditätskrise unmittelbar bevorsteht, sondern lediglich, dass das Finanzsystem zu dem Liquiditätszustand vor der Pandemie zurückgekehrt ist. Sollte der Liquiditätsbedarf jedoch steigen, steht die gewohnte Liquidität in der sprichwörtlichen Bank nicht mehr zur Verfügung. Die Fed wird daher künftig vermutlich deutlich schneller auf Engpässe reagieren als in Zeiten, in denen das Overnight Reverse Repurchase Facility-Programm noch hohe Salden aufwies.“
Am 16. Oktober berichteten wir in unserem Kommentar über die unerwartete Ankündigung von Fed-Chef Jerome Powell, dass die quantitative Straffung (QT) möglicherweise bald beendet werden könnte. Da die QT dem Finanzsystem Liquidität entzieht, lassen seine überraschenden Äußerungen darauf schließen, dass er die Öffentlichkeit womöglich vor einer zunehmenden Verknappung der Liquidität warnen wollte.
Diese beiden Beobachtungen führen uns zur nachstehenden Abbildung. Das Diagramm zeigt die Differenz zwischen der Secured Overnight Financing Rate (SOFR) und der Overnight Reverse Repurchase Rate (ON RRP) der US-Notenbank (blau) im Vergleich zur Menge an US-Dollar in der ON RRP-Fazilität (orange). Die orangefarbene Linie signalisiert, dass keine überschüssige Liquidität mehr vorhanden ist, während die blaue Linie zeigt, dass Tagesgeldkreditnehmer selbst mit erstklassigen Sicherheiten einen steigenden Aufschlag für Liquidität zahlen. Mit anderen Worten: Die Nachfrage nach Liquidität übersteigt derzeit das Angebot.
Sollte die SOFR-Rate weiter steigen, dürfte die Fed mit gezielten Liquiditätsmaßnahmen, erneuten Anleihekäufen (QE) oder einer Senkung des Fed Funds Rate reagieren, um die Märkte zu stabilisieren. Sie will eine Wiederholung des Jahres 2019 vermeiden, als sie die Warnsignale zu spät erkannte und plötzlich vor akuten Liquiditätsengpässen stand. Angesichts der zentralen Rolle, die Liquidität als Schmiermittel sämtlicher Vermögensmärkte spielt, sollten Investoren diese Entwicklungen aufmerksam beobachten.

Ist Ben Graham pessimistisch?
Ben Graham gilt als Vater des Value-Investing. Seine Werke Security Analysis und The Intelligent Investor sind für viele fundamental orientierte Aktienanalysten bis heute die maßgeblichen Standardwerke. Wer ihn kennt, weiß allerdings auch, dass Graham bereits vor fast fünfzig Jahren verstarb – insofern mag der Titel etwas verwirrend erscheinen. Natürlich kann Ben Graham weder pessimistisch noch optimistisch sein. Mithilfe künstlicher Intelligenz lässt sich jedoch nachvollziehen, wie er Aktien nach den Prinzipien seines Anlageansatzes vermutlich bewerten würde.
Das AI Agents Dashboard analysiert die Bewertungsmuster von 14 bekannten Investoren und Analysten, um abzuschätzen, wie sie einzelne Aktien einschätzen könnten. Die folgende Abbildung zeigt, dass unser Ben-Graham-AI-Agent lediglich bei zehn Aktien des S&P 500 eine positive Einschätzung („bullish“) vertritt. Bei 22 Titeln bleibt er neutral, während er die übrigen 472 Aktien klar negativ („bearish“) bewertet. Durch einen Klick auf die Zahl „10“ unter Bullish lassen sich die Aktien einsehen, die der Agent optimistisch beurteilt. Zusätzlich wird ein Konfidenzniveau angegeben, das zeigt, wie stark die jeweilige Einschätzung mit Grahams Anlagephilosophie übereinstimmt – dargestellt in der zweiten Grafik unten.
Für alle, die sich fragen, wie die übrigen 13 Agents eine Aktie bewerten, bietet das Dashboard zudem einen Entscheidungs-Komposit nach Ticker. Die dritte Grafik verdeutlicht, dass unsere KI-Agents bei Nvidia zu einer gemischten Einschätzung gelangen: Fünf zeigen sich pessimistisch, drei neutral und sechs optimistisch. Neben den gelb markierten Agents wurden zusätzlich vier Modelle entwickelt, die sich auf Fundamentaldaten, Marktstimmung, technische Analyse und Bewertungsmetriken stützen.




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