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Seit der Finanzkrise 2008 hat sich die Rolle der Fed bei der Bereitstellung von Liquidität an den Kapitalmärkten grundlegend gewandelt. Am treffendsten lässt sich dieser Wandel wohl mit einem bekannten Ausspruch zusammenfassen: Die Fed ist vom Kreditgeber der letzten Instanz zum einzigen Kreditgeber geworden!
In unseren Artikeln "Als nächstes kommt das QE" und dem Folgebeitrag "Wie die Fed Liquidität in den Markt bringt" erläutern wir, warum die Fed seit 2008 zur zentralen Quelle für Marktliquidität geworden ist und welche Instrumente sie einsetzt, um diese dauerhaft sicherzustellen. Die Auswirkungen dieser neuen Ausrichtung waren enorm – und dennoch wächst die Wahrscheinlichkeit eines weiteren grundlegenden Kurswechsels, der ähnlich weitreichende Folgen haben könnte.
Wie die beiden verlinkten Beiträge ist auch dieser Artikel eher trocken in der Materie. Dennoch ist es für Anleger entscheidend zu verstehen, dass die Geldpolitik zu einem der wichtigsten Treiber für Liquidität geworden ist – und damit für die Preisbildung an den Vermögensmärkten. Wer nicht genau nachvollziehen kann, was die Fed tut und wie ihre Mechanismen funktionieren, läuft Gefahr, Anlageideen zu verfolgen, die überzeugend klingen, aber in der Praxis an der Realität der Geldpolitik scheitern könnten.
Gruppendenken - die bisherige Norm der Fed
Das geldpolitische Entscheidungsgremium der Fed, der Offenmarktausschuss (Federal Open Market Committee, „FOMC“), tagt im Sechs-Wochen-Rhythmus. Dort diskutieren die Mitglieder den Zustand der Wirtschaft, der Finanzmärkte, die Liquiditätssituation sowie zahlreiche weitere Faktoren, die zur Festlegung einer Geldpolitik beitragen, mit der die Fed ihre Inflations- und Beschäftigungsziele verfolgen will.
Nach zwei Tagen voller Datenanalysen, Gespräche und interner Debatten stimmen die stimmberechtigten Mitglieder darüber ab, ob eine Anpassung der Geldpolitik notwendig ist. In der Regel geht es dabei um Veränderungen der Fed Funds Rate und/oder um die Anpassung des monatlichen Tempos von QE oder QT.
Der Ausschuss setzt sich wie folgt zusammen:
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Sieben Mitglieder des Rates der Gouverneure – darunter der oder die Vorsitzende
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Vier regionale Fed-Präsidenten, die in einem festen Turnus rotieren
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Der Präsident der Federal Reserve Bank of New York
Auch wenn in den Sitzungen häufig kontroverse Meinungen geäußert werden, vermitteln die veröffentlichten Beschlüsse meist ein Bild der Geschlossenheit. Die offizielle Sitzungserklärung listet transparent auf, wer die geldpolitischen Maßnahmen unterstützt hat und wer dagegen votierte. Das folgende Beispiel aus der Sitzung vom 29. Oktober 2025 zeigt, dass zwei der zwölf stimmberechtigten Mitglieder gegen die vorgeschlagene Maßnahme stimmten:
„Für die geldpolitischen Maßnahmen stimmten Jerome H. Powell, Vorsitzender; John C. Williams, stellvertretender Vorsitzender; Michael S. Barr; Michelle W. Bowman; Susan M. Collins; Lisa D. Cook; Austan D. Goolsbee; Philip N. Jefferson; Alberto G. Musalem; und Christopher J. Waller. Gegen diese Maßnahme stimmten Stephen I. Miran, der es vorzog, das Zielband für die Federal Funds Rate auf dieser Sitzung um 1/2 Prozentpunkt zu senken, und Jeffrey R. Schmid, der befürwortete, den Zielkorridor für die Federal Funds Rate auf dieser Sitzung nicht zu ändern.“
Historische Gegenstimmen
Wie bereits erwähnt, gab es auf der vergangenen Sitzung zwei Gegenstimmen. Historisch betrachtet haben seit 1936 rund 5 % der Mitglieder pro Sitzung mit „Nein“ votiert. Die höchste Zahl an Gegenstimmen in einer einzelnen Sitzung seit dem Jahr 2000 lag bei drei. Im Durchschnitt der vergangenen 25 Jahre besteht damit nahezu eine 50/50-Chance, dass mindestens ein FOMC-Mitglied der Entscheidung widerspricht.
Unterm Strich kommt es also regelmäßig zu abweichenden Meinungen, doch die Entscheidungen werden nahezu immer von einer klaren Mehrheit getragen. Oder anders formuliert: Bei der Fed herrscht seit rund 100 Jahren ein ausgeprägtes Gruppendenken.
Konsens bei der Fed
Das Protokoll des Offenmarktausschusses, das drei Wochen nach jeder Sitzung veröffentlicht wird, erlaubt einen tieferen Blick in die geführten Debatten. Daraus wird deutlich, dass innerhalb des Gremiums eine Vielzahl unterschiedlicher Meinungen existiert – wenig überraschend, da die Mitglieder aus verschiedenen Regionen stammen und entsprechend unterschiedliche wirtschaftliche Perspektiven einbringen. Dieses breite Meinungsspektrum zeigt sich bereits seit 1936, jenem Jahr, in dem die Fed erstmals Sitzungsprotokolle veröffentlichte.
Trotz dieser Vielfalt an Einschätzungen zur Wirtschaft und zum angemessenen Kurs der Geldpolitik macht die obenstehende Grafik klar, dass sich nahezu alle Fed-Mitglieder am Ende auf eine gemeinsame Maßnahme verständigen können.
Nicht selten ist es der Fed-Vorsitzende, der das FOMC auf eine konsensfähige Linie hinführt.
Politik und Geldpolitik bei der Fed
Wir vertreten die Ansicht, dass die Fed trotz ihrer offiziell unabhängigen Rolle schon immer in gewissem Maße politisch geprägt war. Zudem ist davon auszugehen, dass jede Nominierung eines Fed-Mitglieds durch den Präsidenten wesentlich davon beeinflusst wird, wie gut die geldpolitischen Vorstellungen des Kandidaten mit denen des Präsidenten übereinstimmen.
Vor diesem Hintergrund überrascht es wenig, dass Stephen Miran, Trumps jüngste Ernennung, für deutliche Zinssenkungen eintritt. Ebenso ist wahrscheinlich, dass Trumps potenzielle Kandidaten für die Nachfolge von Lisa Cook und Vorsitzendem Powell, dessen Amtszeit im Mai endet, eine eher lockere Geldpolitik unterstützen würden.
Auch wenn damit mehr Befürworter einer Lockerung in das Gremium einziehen dürften, bleibt weiterhin eine Gruppe stimmberechtigter Mitglieder bestehen, die eine straffere Ausrichtung bevorzugt. Letztlich scheint das Gleichgewicht zwischen „Lockerung“ und „Straffung“ maßgeblich davon abzuhängen, ob die jeweiligen Mitglieder primär auf die Eindämmung der Inflation (für Straffung) oder auf die Stabilität des Arbeitsmarkts (für Lockerung) fokussieren.
Wir weisen jedoch darauf hin, dass diese Debatte zunehmend auch politische Züge annehmen kann. Entwickelt sich die Fed womöglich zu einer ähnlich politisierten Institution wie der Oberste Gerichtshof oder der Kongress?
Mit anderen Worten: Könnte es sein, dass einige Befürworter einer lockeren Geldpolitik weniger besorgt um den Arbeitsmarkt sind, als sie es darstellen, und vielmehr eine akkommodierende Haltung befürworten, damit Trump seine wirtschaftspolitischen Ziele durchsetzen kann? Und umgekehrt: Unterstützen manche Mitglieder eine straffere Politik nicht primär aus Inflationssorgen, sondern weil sie den wirtschaftspolitischen Kurs des Präsidenten ablehnen?
Ist der Konsens tot?
Sollte sich die Fed, wie wir vermuten, politisch stärker polarisieren, könnte es dem Fed-Vorsitzenden zunehmend schwerfallen, einen geschlossenen Konsens zu präsentieren. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung auf der nächsten Sitzung zuletzt deutlich schwankte – zwischen 25 % und 85 %. Diese Verschiebungen gingen jeweils auf öffentliche Äußerungen verschiedener Fed-Mitglieder zurück, die signalisierten, ob sie eine Zinssenkung unterstützen oder ablehnen würden.
Aktuell zeigt sich eine klare Spaltung zwischen jenen, die eine Senkung befürworten, und jenen, die eine weitere Lockerung im Dezember ablehnen. Einige Mitglieder scheinen zudem noch unentschlossen zu sein. Sollte es dem Vorsitzenden nicht gelingen, das Gremium auf eine gemeinsame Linie zu bringen, ist es durchaus denkbar, dass es in der kommenden Sitzung vier, fünf oder sogar sechs abweichende Stimmen geben könnte.
Unsere Meinung zum Dissens
In der Vergangenheit hat der Vorsitzende – wie bereits erwähnt – den FOMC häufig dazu gebracht, nach außen einen breiten Konsens zu präsentieren. Damit entsteht bei Anlegern, Verbrauchern und Unternehmenslenkern jedoch leicht der Eindruck, die Fed wisse genau, was in der Wirtschaft vor sich geht, und verfüge stets über das richtige geldpolitische Rezept.
Wir hingegen begrüßen abweichende Meinungen innerhalb der Fed. Wir begrüßen diesen Wandel. Ein von oben gelenktes Gruppendenken hat in der Vergangenheit zu erheblichen geldpolitischen Fehlentscheidungen geführt. Auch künftig wird die Fed nicht frei von Fehlern sein, doch zumindest wären Anleger, Führungskräfte und Verbraucher besser über alternative geldpolitische Einschätzungen informiert.
So deutet beispielsweise eine Abstimmung mit mehreren Gegenstimmen darauf hin, dass die Institution Fed selbst nicht vollständig von ihrer geldpolitischen Linie überzeugt ist. Das mag zwar verunsichern, ist aber ehrlicher und hilfreicher, als ein Bild von Einigkeit zu vermitteln, das der Realität nicht entspricht. Umgekehrt lässt ein einstimmiger Beschluss in einer Phase intensiver Debatten die Märkte glauben, die Fed sei äußerst zuversichtlich in ihrem Kurs und ihrer politischen Bewertung.

