Vor 2 Tagen verbuchte der chinesische Elektroautohersteller Nio (NYSE:NIO) einen seiner bislang größten Erfolge: die erste Auslieferung seiner Luxus-Limousine ET7 in Deutschland. Beim „Nio Berlin“-Event am 7. Oktober gab das Unternehmen bekannt, dass es 3 seiner Fahrzeuge in Europa an den Markt bringen wird: in Dänemark, Schweden, den Niederlanden und Deutschland. Die Modelle ET7, EL7 und ET5 sind nun in diesen Ländern verfügbar und markieren einen Meilenstein für das Unternehmen. Zwar kann man den ET7 in Deutschland aktuell nur als Auto-Abo bestellen, jedoch lieferte Nio vorgestern das erste Fahrzeug in München aus.
Sein Konkurrent Xpeng (NYSE:XPEV), ebenfalls aus China, ist schon länger in Europa unterwegs. In Norwegen, den Niederlanden, Schweden und Belgien düsen die innovativen E-Autos, deren gesamte Software im eigenen Haus produziert wird, schon längst herum. Auch ein Start in Deutschland ist geplant, jedoch noch nicht mit einem festen Datum belegt. Genau wie Nio, setzt auch Xpeng auf eine umfangreiche serienmäßige Ausstattung und versucht somit die allgemeinen Kritikpunkte an Elektroautos, wie Ladezeit und Reichweite, zu adressieren. Dabei hat Xpeng die Nase sogar vor allen anderen Konkurrenten in diesem Segment, da sein Flaggschiff-Modell, der P7, eine Reichweite von mehr als 700km aufweist – vollelektrisch.
In den letzten Jahren haben beide Unternehmen ihre Modellreihen ausgebaut. Auch hier zog Xpeng im letzten Monat an Nio vorbei und brachte mit dem Luxus-SUV G9 seine Modellanzahl auf 4, im Gegensatz zu Nios 3 Modellen. Auch der größte und womöglich bekannteste E-Auto-Hersteller hat gerade einmal 4 Modelle in petto – und das schon seit Jahren. Daran dürfte der Erfolg der China-Autos nicht scheitern. Auch technologisch und preislich schieben sich diese beiden Marken an die Spitze dieser E-Auto-Bewegung, die auch unter den deutschen Herstellern buchstäblich immer mehr Fahrt aufnimmt. Ob man E-Autos mag oder nicht, allein die seitens der Politik gesetzten Reize und die allgemeine Agenda, vom Verbrenner wegzukommen, reichen aus, um diesen Sektor zu beflügeln.
Apropos Flügel, Xpeng ist übrigens ein Pionier-Unternehmen in Sachen Flug-Autos. Letzte Woche erst absolvierte der Xpeng X2, ein bemanntes Flug-Auto, den ersten internationalen kommerziellen Flug in Dubai. Bei dem Event war eine Vielzahl von Investoren aus aller Welt, vornehmlich aber den Emiraten, zu Gast. Mit dem schnittigen Flugobjekt demonstriert Xpeng seinen technischen Vorsprung, denn alles an Xpeng wird im eigenen Hause entwickelt.
Allein die Aktien der China-Autobauer sehen nicht so gut aus. In den letzten Wochen mussten die Wertpapiere von Nio und Xpeng mehr als 50% ihrer Federn lassen. Damit setzen die Kurse ihre Korrekturen von den Höchstständen im November 2020 (Xpeng) und Januar (2021) weiter fort – trotz stetig wachsender Verkaufszahlen. Allein vom 1. Januar bis zum 30. September dieses Jahres lieferte Xpeng über 98500 Fahrzeuge aus, was 75% mehr ist als in derselben Periode im Vorjahr. Nio lieferte in demselben Zeitraum 31600 Fahrzeuge aus und übertraf damit die Anzahl aus 2021 um 29%.
Die Aktien stehen vor allem wegen der strikten Corona-Politik der chinesischen Regierung unter Druck, welche die gesamte chinesische Wirtschaft hart traf. Dass die Regierung weiterhin strengere Kontrollmaßnahmen seiner Unternehmen durchsetzt, trägt nicht zur Besserung der Lage bei. Zudem verhalten sich die Nordamerikaner recht protektionistisch gegenüber chinesischen Unternehmen. Anleger in den USA haben somit eine konstante Angst, dass der Handel mit China-Aktien weiter eingeschränkt oder womöglich komplett verboten wird. Als die größte Geldquelle fällt somit ein wichtiger Anlegerstamm weg. Zu guter Letzt kommt noch hinzu, dass in der aktuellen sensiblen Marktlage das Ende der Korrektur an den Märkten noch nicht absehbar ist. Somit stehen risikoreiche Investitionen in chinesische Unternehmen nicht sonderlich weit oben auf der Prioritätenliste. Es wird interessant sein, zu beobachten, wie sich diese beiden Unternehmen in Zukunft entwickeln und wie der europäische Markt diese aufnimmt.
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