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OPEC-Gipfel: Ölförderkürzung ist alles andere als sicher

Von Ellen R. Wald, Ph.D.Rohstoffe06.12.2018 06:54
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OPEC-Gipfel: Ölförderkürzung ist alles andere als sicher
Von Ellen R. Wald, Ph.D.   |  06.12.2018 06:54
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Ölminister aus aller Welt kommen heute in Wien zu ihrem halbjährlichen Treffen von OPEC und OPEC+ zusammen. Die ölexportierenden Ländern werden den Erwartungen nach eine mögliche Senkung der Ölförderung im kommenden Jahr diskutieren. Wie es scheint, gibt es Einigkeit über die Notwendigkeit von Einschnitten, aber über deren Höhe wird noch verhandelt. Diskutiert werden Produktionssenkungen zwischen 1 Mio Fass am Tag und 1,3 Mio Fass am Tag.

Ein kurzer Rückblick

Im November 2016 entschied die OPEC—zusammen mit Russland und allen anderen Ölexporteuren außerhalb des Kartells, die sich beteiligen wollen—die Ölförderung um insgesamt 1,8 Mio Fass am Tag (barrels per day, bpd) zusammenzustreichen. Der Ölmarkt nahm sich Zeit zu reagieren, aber letztlich leerten sich die Öllager und Angebot und Nachfrage begannen sich aufeinander zuzubewegen. Die Umsetzung war nicht immer perfekt. Saudi-Arabien senkte seine Förderung stärker als seine Quote es erforderte, während der Irak und Kasachstan ihre Produktion zwar etwas senkten, ohne aber je ihre Quoten zu erfüllen. Allerdings kompensierten andere Ölproduzenten diese Überproduktion mit unbeabsichtigten Rückgängen. Die Fördermengen Venezuelas, Angolas und jetzt auch des Irans sind alle rückläufig. Allein die Ausfälle durch Venezuela und dem Iran haben 1,3 Mio bpd vom Markt genommen.

Auf der OPEC und OPEC+ Sitzung im Mai 2018 entschied die Gruppe, ihr Gesamtproduktionsziel aufrecht zu erhalten, ermutigte aber Förderländer mit Reservekapazitäten über ihre Quoten hinaus zu produzieren, um sicherzustellen, dass der Markt gut versorgt bleibt, wenn die damals neuen Sanktionen gegen iranische Öllieferungen im November in Kraft traten. Die Ölpreise stiegen den ganzen Sommer über an und erreichten Anfang Oktober ein Hoch, das Brent bis auf knapp über 85 USD das Fass steigen ließ.

Seitdem sind die Ölpreise erheblich gesunken, mit Brent nur noch bei 61 USD das Fass. Verantwortlich dafür ist ein Bündel von Faktoren, wie die steigende Förderung in den USA, Auflösungen von Long-Positionen durch Investmentbanken, Twitterbotschaften von US-Präsident Donald Trump, in letzter Minute erteilte Ausnahmegenehmigungen für iranische Ölexporte und eine erhöhte Produktion in bestimmten OPEC-Mitgliedsstaaten. Saudi-Arabien produzierte im November durchschnittlich etwa 11,2 Mio bpd (so zumindest Zahlen von Platts), was weitaus mehr als seine Quote von 10,06 Mio bpd ist.

Positionen der einzelnen OPEC-Mitglieder

Das bringt uns zum Treffen dieser Woche, für das ein technischer Ausschuss empfohlen hat, eine Produktionssenkung um 1,3 Mio Fass zu beschließen. Trotz der tiefen Preise ist eine Einigung alles andere als sicher. Unten gibt es eine Übersicht der verschiedenen Positionen.

  • Saudi-Arabien: Ölminister Khalid al Falih unterstützt eine Senkung, aber nicht ohne breite Unterstützung durch andere Förderländer. Er hat gesagt, dass Saudi-Arabien die Last von Einschnitten nicht allein tragen werde. Das bedeutet, dass die VAE, Kuwait, der Irak, Russland und möglicherweise Kasachstan alle eine Produktionssenkung zustimmen müssen und sich dann auch an diese halten.

  • Russland: Präsident Wladimir Putin hat zugestimmt, Russlands Teilnehme am OPEC+ Pakt zu verlängern, da garantiert aber noch keine Produktionssenkung. Russland hat noch nicht die Kooperation der verschiedenen Ölkonzerne Russlands für eine Begrenzung der Förderung sichergestellt. Das ist besonders schwierig, da diese Unternehmen sich auf Produktionssteigerungen vorbereitet haben. Allerdings sinkt die russische Ölförderung typischerweise sowieso in den Wintermonaten, was Russland dazu bewegen könnte, Produktionssenkungen zumindest für eine kurze Zeit zu akzeptieren.

  • Iran: Die iranischen OPEC-Delegierten haben ihrem Ärger darüber Luft gemacht, wie die OPEC-Sitzungen in jüngster Zeit gehandhabt wurden. Der Iran behauptet, dass Saudi-Arabien und Russland die Entscheidungen getroffen haben und die Politik für die ganze Gruppe festgelegt hätten, ohne deren Mitglieder auch nur zu befragen. Da ist etwas Wahres dran, was sich in Katars jüngster Entscheidung widerspiegelt, der OPEC in 2019 den Rücken zu kehren. Der Iran würde gerne Produktionssenkungen von denjenigen Mitgliedern sehen, die über ihre Quoten hinaus produzieren. Die eigene Förderung des Landes ist im November erheblich gesunken: Es hat im letzten Monat lediglich 2,98 Mio bpd produziert, was ein Rückgang um 310.000 bpd ist, berichtete Platts.

  • Irak: Die irakische Produktion liegt beständig über der Landesquote und kam im Oktober auf 4,76 Mio bpd herein, auch wenn sie im November etwas zurück ging, was vor allem am schlechten Wetter im Persischen Golf lag. Der Irak möchte seine Produktion erhöhen, insbesondere die in seinen nördlichen Ölfeldern. Der saudische Ölminister war in jüngster Zeit mehrmals in Bagdad zu Besuch und es ist wahrscheinlich, dass eine irakische Zustimmung für eine Produktionssenkung kritisch für das Zustandekommen einer Vereinbarung sein wird, insbesondere wenn man die gewohnheitsmäßige Überproduktion des Landes in Rechnung stellt.

Die Joker

Auch wenn weder Kanada noch die Vereinigten Staaten direkt in der OPEC oder der OPEC+ sind, haben beide Länder ihre Präsenz in Wien spürbar gemacht. Albertas Premierministerin Rachel Notleys Entscheidung die Ölproduktion der Provinz ab Januar zu beschränken ist jetzt ein Schlüsselfaktor an den globalen Ölmärkten, der völlig unerwartet kam. Trump hat seine Meinung auf Twitter klargemacht, als die Ölminister Saudi-Arabiens und Russland sich zu privaten Gesprächen trafen. Er wiederholte seinen Wunsch nach billigem Öl und sagte,

“Hoffentlich wird die OPEC den Ölfluss lassen wie jetzt und nicht beschränken. Die Welt will keine höheren Ölpreise sehen und braucht auch keine haben!”

Die reale amerikanische Präsenz beim Treffen der OPEC kam allerdings in Form des Sonderbeauftragten für den Iran, Brian Hook. Hook hat Berichten nach am Mittwoch den saudischen Ölminister getroffen, wahrscheinlich um die Sanktionen gegen den Iran zu diskutieren. Wie viel Öl die Sanktionen vom Markt nehmen werden und für welchen Zeitraum wird ein gewichtiger Faktor in den Kalkulationen der OPEC sein. Der iranische Ölminister war noch nicht in Wien eingetroffen, als dieses Treffen stattfand.

Neben der OPEC sollten Marktbeobachter auch die wöchentlichen Rohöldaten der EIA im Auge behalten, die heute erscheinen werden.

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