Shutdown-Schock? Airline-Aktien bleiben im Steigflug

Veröffentlicht am 24.10.2025, 07:25

Seit dem 1. Oktober steht die US-Regierung vor einem politischen Patt – ein Ende des Shutdowns ist derzeit nicht absehbar. Es ist der erste Regierungsstillstand seit 2019, als die Auseinandersetzung über die Finanzierung der von Präsident Donald Trump geplanten Grenzmauer die Bundesbehörden für eine Rekordzeit von 34 Tagen lahmlegte. (Spoiler-Alarm: Eine Einigung über die Finanzierung kam nie zustande; Trump griff schließlich auf Mittel des Verteidigungsministeriums zurück, um den Mauerbau an der Grenze zu Mexiko zu finanzieren).

Die längsten Shutdowns der US-Regierung in der Geschichte der Vereinigten Staaten

Diesmal bekommen auch die Amerikaner selbst die Folgen des Stillstands deutlich zu spüren. Hunderttausende Bundesbedienstete sind entweder beurlaubt oder müssen ohne Bezahlung weiterarbeiten. Die Nationalparks bleiben nur eingeschränkt geöffnet, und bestimmte Wohnungsbaudarlehen können derzeit nicht an neue Hauskäufer vergeben werden.

An Flughäfen im ganzen Land müssen Reisende mit längeren Sicherheitskontrollen, verspäteten Flügen und Engpässen bei der Flugsicherung rechnen.

Für Anleger – insbesondere für jene mit Engagements im Airline-Sektor – ist die Lage jedoch weniger dramatisch, als es auf den ersten Blick erscheinen mag.

Airline-Aktien outperformen

Ein Blick zurück auf den Dezember 2018 und Januar 2019, als die US-Regierung den längsten Shutdown ihrer Geschichte durchlebte, zeigt ein überraschendes Bild. Laut dem Congressional Budget Office (CBO) mussten rund 800.000 Beschäftigte ohne Gehalt nach Hause gehen, und das BIP schrumpfte im vierten Quartal 2018 um geschätzte 3 Mrd. USD.

An der Wall Street verlief die Entwicklung jedoch anders: Ein Index der großen US-Fluggesellschaften legte in dieser Zeit um fast 15 % zu und übertraf damit die allgemeine Marktperformance deutlich. Southwest Airlines war mit einem Kursplus von fast 20 % der Spitzenreiter. Trotz zahlreicher Flugverspätungen sahen Anleger, dass die Reiselust der Amerikaner ungebrochen blieb.

Aktien von Fluggesellschaften erzielten während des letzten Regierungsstillstands eine Outperformance


Zugegeben, der internationale Reiseverkehr in die USA dürfte in diesem Jahr um rund 6 % zurückgehen. Der Inlandsflugverkehr – das Kerngeschäft der meisten US-Fluggesellschaften – wächst jedoch weiterhin und liegt im Jahresvergleich noch immer fast 2 % im Plus.

Auch der Geschäftsreiseverkehr zeigt Anzeichen einer nachhaltigen Erholung. Laut einer aktuellen Umfrage von Discover Global Network betrachten 74 % der Unternehmen Reisen als wesentlichen Bestandteil ihrer Geschäftstätigkeit, und mehr als die Hälfte plant, im kommenden Jahr wieder mehr Geschäftsreisen durchzuführen.

Fluggesellschaften - eine robuste Branche

Seit Beginn des Shutdowns arbeiten Fluglotsen und TSA-Mitarbeiter ohne Bezahlung. Viele melden sich krank, was zu längeren Warteschlangen und weiteren Flugunterbrechungen führt. Der Mangel an Fluglotsen betrifft Städte von Boston und Philadelphia bis hin zu Houston und Dallas. Allein am Nashville International Airport waren an einem einzigen Wochenende über 40 000 Passagiere verspätet oder gestrandet.

Die zentrale Erkenntnis daraus: Das kommerzielle Luftverkehrssystem funktioniert selbst unter erheblichem Druck weiter. Ich bin in früheren Shutdowns selbst geflogen – und die Abläufe blieben weitgehend normal. Die Fluggesellschaften haben gelernt, mit Turbulenzen umzugehen – sei es eine Pandemie, steigende Treibstoffpreise oder ein politisches Patt.

Das Zielsegment von Delta: Vermögende Kunden

Keine Fluggesellschaft steht so sehr für diese Widerstandsfähigkeit wie Delta Air Lines. In der Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des dritten Quartals betonte das Management, dass sich das Unternehmen gezielt auf Premium-Reisende konzentriert – also auf Business-Class-Passagiere, Vielflieger und wohlhabende Freizeitkunden.

„Wir versuchen nicht, alles für jeden zu sein“, erklärte Delta-Präsident Glen Hauenstein. „Unsere Fokussierung auf Passagiere mit höherem Einkommen hat unsere Position im Vergleich zu Wettbewerbern gestärkt, die stärker auf ein preissensibleres Kundensegment ausgerichtet sind.“

Diese Strategie zeigt Wirkung: Die Umsätze in Deltas Premium-Segment stiegen im vergangenen Quartal um 9 % gegenüber dem Vorjahr und übertrafen damit deutlich das Wachstum in der Standard-Economy. CEO Ed Bastian sagte gegenüber CNBC, der Betrieb verlaufe weiterhin „reibungslos“ und er rechne erst nach einigen weiteren Tagen des Shutdowns mit nennenswerten Auswirkungen.

Die Weltflotte wird sich bis 2044 voraussichtlich verdoppeln

Blickt man über die politische Dysfunktion in Washington hinaus, ergibt sich für die globale Luftfahrtbranche langfristig ein ausgesprochen positives Bild.

Laut der globalen Marktprognose von Airbus wird sich die weltweite Passagier- und Frachtflugzeugflotte in den kommenden zwei Jahrzehnten nahezu verdoppeln – von derzeit rund 24.700 Flugzeugen auf fast 50.000 im Jahr 2044. Das entspricht einem Zuwachs von mehr als 43.000 Maschinen. Angetrieben wird dieses Wachstum vor allem durch den Aufstieg der globalen Mittelschicht: Schätzungsweise 1,5 Milliarden neue Reisende – überwiegend aus Asien und dem Nahen Osten – werden in den kommenden Jahren hinzukommen.

Nachfrage für 43.000+ Passagier- und FrachtflugzeugeAircraft by 2044

Selbst wenn die reifen Märkte wie die USA künftig nur moderat zulegen, dürfte der internationale und regionale Flugverkehr stark an Dynamik gewinnen. Airbus rechnet mit einem jährlichen Passagierwachstum von 8,9 % in Indien und 8,5 % in den asiatischen Schwellenländern – ein eindrucksvoller Beleg für das enorme Expansionspotenzial der Region.

Die Menschen werden weiter reisen

Während des Shutdowns 2019 gingen die Umsätze der Fluggesellschaften aufgrund von Personalengpässen und wetterbedingten Problemen leicht zurück – die Branche erholte sich jedoch rasch. Selbst Southwest Airlines, die damals einen Umsatzrückgang von 10 bis 15 Mio. USD meldeten, erzielten unmittelbar nach der Wiedereröffnung der Regierung einen Rekordumsatz im ersten Quartal.

Heute sind die Fluggesellschaften besser aufgestellt als je zuvor: Die Bilanzen sind solider, die Kundenbindungsprogramme profitabler und die Premium-Angebote stärker nachgefragt. Der aktuelle Shutdown mag den Betrieb kurzfristig beeinträchtigen, könnte langfristig jedoch attraktive Einstiegsmöglichkeiten für Investoren eröffnen, die das strukturelle Wachstumspotenzial des globalen Luftverkehrs erkennen.

Wer schon einige dieser politischen Stillstände erlebt hat, weiß: Sie kommen und gehen. Der Kongress wird sich am Ende auf eine Einigung verständigen, die Staatsbediensteten werden wieder bezahlt, und die Schlagzeilen wenden sich neuen Themen zu. Fliegen werden die Menschen ohnehin – denn der Wunsch nach Entdeckungen, Begegnungen und freier Bewegung liegt tief in der menschlichen Natur.

***

Sämtliche zum Ausdruck gebrachten Meinungen und bereitgestellten Daten können jederzeit ohne Vorankündigung geändert werden. Einige dieser Meinungen treffen möglicherweise nicht für jeden Anleger zu. Wenn Sie auf den/die obigen Link(s) klicken, werden Sie auf die Website eines Dritten weitergeleitet. U.S. Global Investors unterstützt nicht alle auf diesen Websites bereitgestellten Informationen und ist nicht für deren Inhalt verantwortlich.

Aktuelle Kommentare

Installieren Sie unsere App
Risikohinweis: Beim Handel mit Finanzinstrumenten und/oder Kryptowährungen bestehen erhebliche Risiken, die zum vollständigen oder teilweisen Verlust Ihres investierten Kapitals führen können. Die Kurse von Kryptowährungen unterliegen extremen Schwankungen und können durch externe Einflüsse wie finanzielle, regulatorische oder politische Ereignisse beeinflusst werden. Durch den Einsatz von Margin-Trading wird das finanzielle Risiko erhöht.
Vor Beginn des Handels mit Finanzinstrumenten und/oder Kryptowährungen ist es wichtig, die damit verbundenen Risiken vollständig zu verstehen. Es wird empfohlen, sich gegebenenfalls von einer unabhängigen und sachkundigen Person oder Institution beraten zu lassen.
Fusion Media weist darauf hin, dass die auf dieser Website bereitgestellten Kurse und Daten möglicherweise nicht in Echtzeit oder vollständig genau sind. Diese Informationen werden nicht unbedingt von Börsen, sondern von Market Makern zur Verfügung gestellt, was bedeutet, dass sie indikativ und nicht für Handelszwecke geeignet sein können. Fusion Media und andere Datenanbieter übernehmen daher keine Verantwortung für Handelsverluste, die durch die Verwendung dieser Daten entstehen können.
Die Nutzung, Speicherung, Vervielfältigung, Anzeige, Änderung, Übertragung oder Verbreitung der auf dieser Website enthaltenen Daten ohne vorherige schriftliche Zustimmung von Fusion Media und/oder des Datenproviders ist untersagt. Alle Rechte am geistigen Eigentum liegen bei den Anbietern und/oder der Börse, die die Daten auf dieser Website bereitstellen.
Fusion Media kann von Werbetreibenden auf der Website aufgrund Ihrer Interaktion mit Anzeigen oder Werbetreibenden vergütet werden.
Im Falle von Auslegungsunterschieden zwischen der englischen und der deutschen Version dieser Vereinbarung ist die englische Version maßgeblich.
© 2007-2026 - Fusion Media Limited. Alle Rechte vorbehalten.