ROUNDUP/Aktien New York Schluss: Deutliche Verluste - Iran-Unsicherheit hält an
Seit dem 1. Oktober steht die US-Regierung vor einem politischen Patt – ein Ende des Shutdowns ist derzeit nicht absehbar. Es ist der erste Regierungsstillstand seit 2019, als die Auseinandersetzung über die Finanzierung der von Präsident Donald Trump geplanten Grenzmauer die Bundesbehörden für eine Rekordzeit von 34 Tagen lahmlegte. (Spoiler-Alarm: Eine Einigung über die Finanzierung kam nie zustande; Trump griff schließlich auf Mittel des Verteidigungsministeriums zurück, um den Mauerbau an der Grenze zu Mexiko zu finanzieren).

Diesmal bekommen auch die Amerikaner selbst die Folgen des Stillstands deutlich zu spüren. Hunderttausende Bundesbedienstete sind entweder beurlaubt oder müssen ohne Bezahlung weiterarbeiten. Die Nationalparks bleiben nur eingeschränkt geöffnet, und bestimmte Wohnungsbaudarlehen können derzeit nicht an neue Hauskäufer vergeben werden.
An Flughäfen im ganzen Land müssen Reisende mit längeren Sicherheitskontrollen, verspäteten Flügen und Engpässen bei der Flugsicherung rechnen.
Für Anleger – insbesondere für jene mit Engagements im Airline-Sektor – ist die Lage jedoch weniger dramatisch, als es auf den ersten Blick erscheinen mag.
Airline-Aktien outperformen
Ein Blick zurück auf den Dezember 2018 und Januar 2019, als die US-Regierung den längsten Shutdown ihrer Geschichte durchlebte, zeigt ein überraschendes Bild. Laut dem Congressional Budget Office (CBO) mussten rund 800.000 Beschäftigte ohne Gehalt nach Hause gehen, und das BIP schrumpfte im vierten Quartal 2018 um geschätzte 3 Mrd. USD.
An der Wall Street verlief die Entwicklung jedoch anders: Ein Index der großen US-Fluggesellschaften legte in dieser Zeit um fast 15 % zu und übertraf damit die allgemeine Marktperformance deutlich. Southwest Airlines war mit einem Kursplus von fast 20 % der Spitzenreiter. Trotz zahlreicher Flugverspätungen sahen Anleger, dass die Reiselust der Amerikaner ungebrochen blieb.

Zugegeben, der internationale Reiseverkehr in die USA dürfte in diesem Jahr um rund 6 % zurückgehen. Der Inlandsflugverkehr – das Kerngeschäft der meisten US-Fluggesellschaften – wächst jedoch weiterhin und liegt im Jahresvergleich noch immer fast 2 % im Plus.
Auch der Geschäftsreiseverkehr zeigt Anzeichen einer nachhaltigen Erholung. Laut einer aktuellen Umfrage von Discover Global Network betrachten 74 % der Unternehmen Reisen als wesentlichen Bestandteil ihrer Geschäftstätigkeit, und mehr als die Hälfte plant, im kommenden Jahr wieder mehr Geschäftsreisen durchzuführen.
Fluggesellschaften - eine robuste Branche
Seit Beginn des Shutdowns arbeiten Fluglotsen und TSA-Mitarbeiter ohne Bezahlung. Viele melden sich krank, was zu längeren Warteschlangen und weiteren Flugunterbrechungen führt. Der Mangel an Fluglotsen betrifft Städte von Boston und Philadelphia bis hin zu Houston und Dallas. Allein am Nashville International Airport waren an einem einzigen Wochenende über 40 000 Passagiere verspätet oder gestrandet.
Die zentrale Erkenntnis daraus: Das kommerzielle Luftverkehrssystem funktioniert selbst unter erheblichem Druck weiter. Ich bin in früheren Shutdowns selbst geflogen – und die Abläufe blieben weitgehend normal. Die Fluggesellschaften haben gelernt, mit Turbulenzen umzugehen – sei es eine Pandemie, steigende Treibstoffpreise oder ein politisches Patt.
Das Zielsegment von Delta: Vermögende Kunden
Keine Fluggesellschaft steht so sehr für diese Widerstandsfähigkeit wie Delta Air Lines. In der Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des dritten Quartals betonte das Management, dass sich das Unternehmen gezielt auf Premium-Reisende konzentriert – also auf Business-Class-Passagiere, Vielflieger und wohlhabende Freizeitkunden.
„Wir versuchen nicht, alles für jeden zu sein“, erklärte Delta-Präsident Glen Hauenstein. „Unsere Fokussierung auf Passagiere mit höherem Einkommen hat unsere Position im Vergleich zu Wettbewerbern gestärkt, die stärker auf ein preissensibleres Kundensegment ausgerichtet sind.“
Diese Strategie zeigt Wirkung: Die Umsätze in Deltas Premium-Segment stiegen im vergangenen Quartal um 9 % gegenüber dem Vorjahr und übertrafen damit deutlich das Wachstum in der Standard-Economy. CEO Ed Bastian sagte gegenüber CNBC, der Betrieb verlaufe weiterhin „reibungslos“ und er rechne erst nach einigen weiteren Tagen des Shutdowns mit nennenswerten Auswirkungen.
Die Weltflotte wird sich bis 2044 voraussichtlich verdoppeln
Blickt man über die politische Dysfunktion in Washington hinaus, ergibt sich für die globale Luftfahrtbranche langfristig ein ausgesprochen positives Bild.
Laut der globalen Marktprognose von Airbus wird sich die weltweite Passagier- und Frachtflugzeugflotte in den kommenden zwei Jahrzehnten nahezu verdoppeln – von derzeit rund 24.700 Flugzeugen auf fast 50.000 im Jahr 2044. Das entspricht einem Zuwachs von mehr als 43.000 Maschinen. Angetrieben wird dieses Wachstum vor allem durch den Aufstieg der globalen Mittelschicht: Schätzungsweise 1,5 Milliarden neue Reisende – überwiegend aus Asien und dem Nahen Osten – werden in den kommenden Jahren hinzukommen.

Selbst wenn die reifen Märkte wie die USA künftig nur moderat zulegen, dürfte der internationale und regionale Flugverkehr stark an Dynamik gewinnen. Airbus rechnet mit einem jährlichen Passagierwachstum von 8,9 % in Indien und 8,5 % in den asiatischen Schwellenländern – ein eindrucksvoller Beleg für das enorme Expansionspotenzial der Region.
Die Menschen werden weiter reisen
Während des Shutdowns 2019 gingen die Umsätze der Fluggesellschaften aufgrund von Personalengpässen und wetterbedingten Problemen leicht zurück – die Branche erholte sich jedoch rasch. Selbst Southwest Airlines, die damals einen Umsatzrückgang von 10 bis 15 Mio. USD meldeten, erzielten unmittelbar nach der Wiedereröffnung der Regierung einen Rekordumsatz im ersten Quartal.
Heute sind die Fluggesellschaften besser aufgestellt als je zuvor: Die Bilanzen sind solider, die Kundenbindungsprogramme profitabler und die Premium-Angebote stärker nachgefragt. Der aktuelle Shutdown mag den Betrieb kurzfristig beeinträchtigen, könnte langfristig jedoch attraktive Einstiegsmöglichkeiten für Investoren eröffnen, die das strukturelle Wachstumspotenzial des globalen Luftverkehrs erkennen.
Wer schon einige dieser politischen Stillstände erlebt hat, weiß: Sie kommen und gehen. Der Kongress wird sich am Ende auf eine Einigung verständigen, die Staatsbediensteten werden wieder bezahlt, und die Schlagzeilen wenden sich neuen Themen zu. Fliegen werden die Menschen ohnehin – denn der Wunsch nach Entdeckungen, Begegnungen und freier Bewegung liegt tief in der menschlichen Natur.
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