Leonardo-Aktie: Jetzt Kauf? Analysten sehen Potenzial
Der parabolische Anstieg des Silberpreises ist erstaunlich. Seit Jahresbeginn hat sich der Preis mehr als verdoppelt und notiert damit nahezu dreimal so hoch wie noch im Jahr 2023. Die aktuelle Rally weist dabei auffällige Parallelen zu zwei früheren Preissprüngen auf, die unten dargestellt sind.
In diesem Artikel werden diese beiden vergleichbaren Phasen herangezogen, um die derzeitige Marktentwicklung besser einzuordnen - und insbesondere zu analysieren, welche Faktoren eine solche Blasenbildung potenziell zum Kippen bringen könnten.

Der Silberboom nach der Finanzkrise
Als sich die Verwerfungen der Finanzkrise von 2008 im Jahr 2009 allmählich beruhigten, setzte beim Silberpreis eine ausgeprägte Rally ein. Innerhalb von rund zwei Jahren kletterte der Preis um etwa 500 % - von 8,50 US-Dollar auf 50,00 US-Dollar je Feinunze. Die expansive Geldpolitik der US-Notenbank als Reaktion auf die Krise sowie eine zunehmende spekulative Nachfrage bildeten dabei den idealen Nährboden für diesen Anstieg.
Während der Krise senkte die Federal Reserve die Leitzinsen auf null, implementierte umfangreiche Programme zur quantitativen Lockerung und griff zu einer Reihe außergewöhnlicher geldpolitischer Maßnahmen. In der Folge rutschten die realen Zinsen, also inflationsbereinigt, deutlich in den negativen Bereich. Die unten dargestellte Grafik verdeutlicht, dass die realen Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen im Jahr 2009 stark fielen und bis Mitte 2011 weiter nachgaben.
Der Anstieg des Silberpreises fiel zeitlich mit diesem Rückgang der realen Renditen zusammen. Solche geldpolitischen Verzerrungen, sichtbar in den realen Zinsen, begünstigen Silber, da das Metall als besonders sensibler monetärer Absicherungswert gegenüber extrem lockerer Geldpolitik gilt.

Neben dem unterstützenden monetären Umfeld kam es auch zu spürbaren Ungleichgewichten zwischen Angebot und Nachfrage. Das Silberangebot reagiert strukturell träge, da Minen ihre Fördermengen nicht kurzfristig erhöhen können, um plötzliche Nachfrageschübe aufzufangen.
Mit der Einführung von ETFs wurde Silber zudem einem deutlich breiteren Anlegerkreis zugänglich, was das bestehende Ungleichgewicht weiter verschärfte. Besonders stark wirkte sich der Einsatz von Futures, Optionen und anderen gehebelten Instrumenten aus, mit denen spekulative Marktteilnehmer die Nachfrage erheblich ausweiteten.
Das Ende des Booms folgte im Jahr 2011, als die Chicago Mercantile Exchange (CME) innerhalb von neun Tagen fünfmal die Margin-Anforderungen anhob. Die unten dargestellte Grafik von Business Insider veranschaulicht die Verdopplung der Sicherheitsleistungen und deren unmittelbare Auswirkungen auf den Silberpreis.
Diese Maßnahmen zwangen zu einem massiven Abbau von Positionen an den Terminmärkten. In der Folge brach der Silberpreis innerhalb weniger Wochen um nahezu 30 % ein. Die Nachfrage nach physischem Silber verschwand dabei nicht zwangsläufig - wohl aber der Hebel und die zusätzliche Kaufkraft, die dieser ermöglicht hatte. Hinzu kam, dass das zweite QE-Programm im Juni 2011 auslief, die realen Zinsen wieder anzogen und der US-Dollar aufwertete.

Die beispiellos expansive Geldpolitik der Fed, kombiniert mit dem massiven Einsatz spekulativen Leverage, trieb den Silberpreis deutlich nach oben. Als sich diese Faktoren umkehrten und die CME den Einsatz von Fremdkapital spürbar verteuerte, kam es zu einem abrupten Einbruch des Silberpreises.
Der Hunt-Brüder-Squeeze der 1970er-Jahre
Die Brüder Nelson, Lamar und William Hunt verfügten über umfangreiche Engagements in Öl, Immobilien, Vieh und Zucker. Vor dem Hintergrund aus ihrer Sicht zunehmend riskanter geld- und fiskalpolitischer Entscheidungen sowie der Unsicherheiten rund um das neu gegründete Ölkartell OPEC suchten sie nach einer Absicherung für ihr Vermögen. Da der Besitz von Gold für Privatanleger zu diesem Zeitpunkt noch untersagt war, fiel ihre Wahl auf physisches Silber.
Ab 1973 begannen die Hunts, systematisch Silber zu erwerben, als der Preis bei rund 1,50 US-Dollar je Unze lag. In den darauffolgenden sechs Jahren bauten sie ihre Bestände auf mehr als 200 Millionen Unzen aus, was einem damaligen Marktwert von über 4,5 Milliarden US-Dollar entsprach.
Silver Rule 7
Ende 1979 führten die enormen Bestände der Hunts sowie ihr wachsender Einfluss auf den Silberpreis zu Gegenmaßnahmen der Aufsichtsbehörde CFTC und der CME. Beide Institutionen versuchten, weitere Käufe einzudämmen und eine schrittweise Liquidation der Positionen zu erzwingen. Im Januar 1980 führte die CME schließlich die sogenannte Silver Rule 7 ein, die den Handel mit Silber-Futures auf Margin massiv einschränkte.
Die Regel hob die erforderlichen Sicherheitsleistungen deutlich an und bremste damit spekulative Käufe auf Kredit. Zusätzlich wurden Obergrenzen für die Anzahl der Kontrakte eingeführt, während neue Margin-Käufe faktisch zum Erliegen kamen.
Für Marktteilnehmer bedeutete dies, dass nahezu 100 % des Positionswerts in bar hinterlegt werden mussten, anstatt einen Großteil zu finanzieren - der Hebel wurde damit praktisch vollständig ausgeschaltet.
Nachdem Silber Mitte Januar 1980 noch knapp 50 US-Dollar je Unze erreicht hatte, brach der Preis infolge der abrupten Verschärfung der Margin-Anforderungen bis Ende März auf rund 10 US-Dollar ein. Margin Calls auf Terminpositionen sowie Kredite, die durch bestehende Silberbestände besichert waren, zehrten die Liquidität der Hunts auf und zwangen sie schließlich zur Liquidation ihrer Bestände.

Hebelwirkung treibt Preise - und kehrt sich später um
Zu Beginn erwarben die Hunts physisches Silber vollständig ohne Fremdfinanzierung. Mit der Zeit erkannten sie jedoch die Wirkung von Leverage und nutzten ihre Silberbestände zunehmend als Sicherheit für weitere Käufe. Der Handel mit Futures auf Margin ermöglichte es ihnen, den Silberpreis mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz maßgeblich zu beeinflussen.
Der Einsatz von Hebelwirkung vervielfachte ihre Kaufkraft und trieb die Preise nach oben - vorausgesetzt, es stand jederzeit ausreichend Liquidität zur Verfügung, um die Margin-Anforderungen zu erfüllen.
Neben den Maßnahmen von CFTC und CME spielte auch die Geldpolitik der US-Notenbank eine entscheidende Rolle beim Ende des Engagements der Hunts. Fed-Chef Paul Volcker hob die Leitzinsen im Januar 1980 abrupt von 11,75 auf 20,0 % an und verteuerte damit die Finanzierung über Margin-Kredite erheblich. Eine Woche nachdem die Hunts ihre Marktaktivitäten einstellten, begann Volcker erneut mit Zinssenkungen.
Der Einsatz von Leverage ermöglichte den Hunts zwar eine erhebliche Verzerrung des Silberpreises, führte letztlich jedoch auch zum Scheitern ihres legendären Squeeze. Die Brüder erlitten Verluste von mehr als 1,1 Milliarden US-Dollar, verloren mehrere Zivilklagen und meldeten schließlich Insolvenz an.
Die unten dargestellte Anzeige von Tiffany beschreibt die wirtschaftlichen Auswirkungen, die die Aktivitäten der Hunts auf verschiedene Branchen hatten.

Aktuelle Lage am Silbermarkt
Auch heute lassen sich - ähnlich wie in den 1970er-Jahren und in der Zeit nach der Finanzkrise - zahlreiche fundamentale Gründe für den jüngsten Anstieg des Silberpreises anführen. Dazu zählen unter anderem:
Monetäre und fiskalische Rückenwinde: Wie bereits nach der Finanzkrise hat auch das Umfeld nach der Pandemie viele Investoren dazu veranlasst, sich mit Edelmetallen gegen potenzielle geldpolitische Fehlentwicklungen abzusichern. Die Diskussion um Geldentwertung steht dabei im Mittelpunkt. Zudem deutet die Wiederaufnahme quantitativer Lockerungsmaßnahmen sowie erste Hinweise darauf, dass DOGE die Staatsausgaben nicht reduziert hat, darauf hin, dass die monetären und fiskalischen Herausforderungen fortbestehen.
Angebotsdefizit: Der Silbermarkt weist seit mehreren Jahren ein strukturelles Defizit auf, da die Nachfrage das neu geförderte Silber sowie das Angebot aus Recycling kontinuierlich übersteigt.
Dynamisch steigende industrielle Nachfrage: Silber ist ein zentraler Rohstoff für Solarmodule, Elektrofahrzeuge, Leistungselektronik, Halbleiter und Rechenzentrumsinfrastruktur. Das starke Wachstum dieser Sektoren treibt die globale Nachfrage spürbar an.
Begrenztes Angebot: Rund 70 % der weltweiten Silberproduktion fallen als Nebenprodukt beim Abbau anderer Metalle an. Höhere Silberpreise allein setzen daher nur begrenzte Anreize für eine Ausweitung der Förderung. Hinzu kommen erschöpfte Lagerstätten, sinkende Erzgehalte, Minenschließungen sowie anhaltend niedrige Investitionen in Exploration und Entwicklung.
Bewertung
Zur Bewertung von Silber greifen Anleger häufig auf Kennzahlen wie das Silber-Gold- oder das Silber-Öl-Verhältnis zurück. Die unten dargestellte Grafik zeigt beide Relationen. Das Silber-Öl-Verhältnis befindet sich dabei auf dem höchsten Niveau seit mindestens 1990. Historisch kam es jedoch mehrfach zu vergleichbaren Ausschlägen. Sollte es sich auch diesmal um einen Höhepunkt handeln, müssten entweder die Ölpreise deutlich anziehen oder der Silberpreis spürbar korrigieren.
Das Silber-Gold-Verhältnis erscheint trotz der jüngsten Outperformance von Silber weiterhin niedrig. Eine Rückkehr auf die Hochs von Ende 2011 würde erfordern, dass der Silberpreis deutlich stärker steigt als der Goldpreis. Zwar ist ein weiterer Anstieg grundsätzlich möglich, doch der langfristige Trend zeigt über den Großteil der vergangenen 55 Jahre nach unten.

Wann greift die CME ein?
Das zentrale Problem klassischer Bewertungs- und Fundamentalanalysen liegt im historischen Vorgehen der CME in Phasen, in denen der Silberpreis parabolisch ansteigt. Vor diesem Hintergrund erscheint es weniger eine Frage des Ob, sondern vielmehr des Preisniveaus, ab dem Maßnahmen der CME oder staatliche Eingriffe den spekulativen Markt abrupt bremsen.
Wer daran zweifelt, sollte berücksichtigen, dass die CME die Margin-Anforderungen für Silber bereits am 12. Dezember um zehn Prozent angehoben hat. Auch im Jahr 2011 blieb die erste Anpassung zunächst ohne nennenswerte Wirkung - entscheidend waren letztlich die darauf folgenden Schritte.

Silberanleger sollten die oben beschriebenen Phasen nach der Finanzkrise ebenso wie den Boom-und-Bust-Zyklus der Hunt-Brüder aufmerksam analysieren. Änderungen der Margin-Regeln führten in beiden Fällen zu massiven Liquidationen und einem abrupten Stimmungsumschwung am Markt. Solche Eingriffe sind kaum vorhersehbar und erfolgen häufig in sehr kurzer Zeit.
Fazit
Im Kern ist dieser Beitrag eine erneute Mahnung vor den Risiken übermäßiger Verschuldung. Wird ein Markt stark gehebelt, nehmen die Gefahren erheblich zu. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass auch dieser Silber-Boom ein ungünstiges Ende findet – wie bereits in den beiden historischen Fällen zuvor. Ungewiss bleibt lediglich der Zeitpunkt. Erschwerend kommt hinzu, dass die CME den Einsatz von Leverage jederzeit begrenzen kann.
Einmal ist Zufall. Zweimal ein Muster. Dreimal eine Entscheidung.

