Trumps Gesetz mit Sprengkraft: Section 899 und die Folgen für Investoren

Veröffentlicht am 04.06.2025, 07:18

Das "Big Beautiful Bill" hat kürzlich das Repräsentantenhaus passiert und liegt jetzt dem Senat zur Prüfung vor.

Die meisten Analysten haben sich vor allem auf den Teil konzentriert, der zusätzliche Staatsausgaben auf ein ohnehin schon hohes Defizit draufsetzt. Der wirklich spannende – und wahrscheinlich wichtigste – Teil des OBBB steckt jedoch ziemlich tief im Text: versteckt in „Section 899“.

Section 899 - Das Trumpsche Rachegesetz

Was steckt also in diesem Paragrafen – dem ersten Schritt in Richtung einer Art Zoll auf Kapital?

  1. Worum geht’s?
    Section 899 – auch als „Rachegesetz“ bekannt – sieht eine Steuer auf passive Einkünfte (z. B. Dividenden) aus ausländischem Eigentum an US-Vermögenswerten vor. Und zwar dann, wenn diese Einkünfte aus Ländern stammen, die zuvor „unfaire ausländische Steuern“ auf US-Unternehmen erhoben haben. Dazu zählen etwa die Digitalsteuern oder Mindeststeuersätze in Kanada, Europa und anderen Regionen.

  2. Wen betrifft das?
    Ein Land muss dafür nicht viel tun – es reicht schon, wenn das US-Finanzministerium es auf eine bestimmte Liste sogenannter DFCs (diskriminierende Länder) setzt.

  3. Wer soll zahlen?
    Section 899 richtet sich an so gut wie alle: Regierungen, Privatpersonen, Unternehmen – also auch Staatsfonds und ausländische Zentralbanken. Mit anderen Worten: jeden, der US-Vermögenswerte hält.

  4. Wie hoch wäre die Steuer?
    Im ersten Jahr nach Inkrafttreten sollen die Unternehmenssteuersätze um 5 % steigen, danach jährlich um weitere 5 %. Insgesamt darf die Erhöhung aber nicht mehr als 20 % über dem geltenden Satz liegen. Wichtig dabei: Section 899 greift nur, wenn bereits ein Steuersatz besteht – egal ob vor oder nach einem Steuerabkommen – den man erhöhen kann.

  5. Wann könnte das gelten?
    Falls das „Big Beautiful Bill“ vor Oktober 2025 verabschiedet wird, soll Section 899 ab dem 1. Januar 2026 wirksam werden.

Zwar gilt die Regel in ihrer jetzigen Fassung nicht für Kupons aus US-Staatsanleihen – aber die Botschaft an ausländische Anleger ist ziemlich klar: Die USA könnten es künftig auch auf Ihr Kapital abgesehen haben.

Was meinen Sie – wird die Regierung Trump diesen Plan tatsächlich umsetzen? Und falls ja: Was würde das für die Finanzmärkte bedeuten, wenn Section 899 in voller Härte greift?

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Was ist damit gemeint „sieht eine Steuer auf passive Einkünfte (z. B. Dividenden) aus ausländischem Eigentum an US-Vermögenswerten vor.“?
betrifft das auch ETFs?
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