Die Rezessionssorgen halten an, dennoch rechnen die Ökonomen mit einer soliden ersten Schätzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das vierte Quartal, die in dieser Woche veröffentlicht werden soll.
Die US-Wirtschaft ist im letzten Quartal 2022 voraussichtlich um 2,6 % gewachsen (saisonbereinigte Jahresrate). Dies geht aus dem Median der Nowcasts für die für den 26. Januar geplante Veröffentlichung des Bureau of Economic Analysis hervor. In diesem Fall setzt sich die im dritten Quartal angelaufene Wachstumserholung fort.
Die optimistische Schätzung für das 4. Quartal steht im Widerspruch zu anderen Indikatoren, die ein düsteres Bild zeichnen. So sind die US-Frühindikatoren (Leading Economic Index "LEI") im vergangenen Monat weiter in den Kontraktionsbereich gefallen
Der Leiter der Wirtschaftsabteilung des Conference Board, Ataman Ozyildirim, kommentierte den Datensatz so:
"Der US LEI ist im Dezember erneut stark gefallen und lässt weiterhin auf eine baldige Rezession für die US-Wirtschaft schließen. Bei den Frühindikatoren war im Dezember eine umfassende Schwäche festzustellen, die auf eine Verschlechterung der Bedingungen auf den Arbeitsmärkten, im verarbeitenden Gewerbe, im Wohnungsbau und auf den Finanzmärkten in den kommenden Monaten hindeutet".
Auch der US Composite PMI, ein Indikator für das BIP, zeigt eine negative Konjunkturentwicklung für den Monat Dezember. Im Vergleich zu anderen Nowcasts für das 4. Quartal zeichnet dieser Indikator zwar ein anderes Bild, macht aber deutlich, dass die wirtschaftlichen Risiken offensichtlich erhöht sind.
Zwei von CapitalSpectator entwickelte Konjunkturindikatoren des US Business Cycle Risk Report zeichnen ein ähnliches Bild - der Economic Trend Index und der Economic Momentum Index lassen eine anhaltende moderate Kontraktion in den USA erwarten.
Trotz der düsteren Daten hält sich der Arbeitsmarkt bemerkenswert stabil. Obwohl sich die Neueinstellungen verlangsamen, ist die Zahl der Beschäftigten im Dezember weiter stark gestiegen.
Infolgedessen hat sich der Coincident Economic Index des Conference Board "nicht in der gleichen Weise abgeschwächt wie der LEI, da die arbeitsmarktbezogenen Indikatoren (Beschäftigung und persönliches Einkommen) weiterhin robust sind", erklärt Ozyildirim.
Die vielen widersprüchlichen Wirtschaftssignale sind ungewöhnlich und werfen Fragen bezüglich der tatsächlichen Entwicklung der Wirtschaft auf. Vielleicht wird der BIP-Bericht für das vierte Quartal am Donnerstag die dringend benötigte Klarheit bringen.
Derweil fallen die Konjunkturdaten zur Einschätzung des Rezessionsrisikos gemischt aus. Es gibt genügend Anhaltspunkte, die für die eine oder andere These sprechen - aber solange die Zahlen nicht eindeutig in Richtung Wachstum oder Schrumpfung kippen, wird die Debatte nicht enden.
Diese Ungewissheit inspirierte Mark Zandi, Chefökonom bei Moody's Analytics, zu dem Begriff "Slowcession". "Mit etwas Glück und einer einigermaßen geschickten Politik der Fed sollte die Wirtschaft eine Rezession vermeiden."