USA und China legen Streit auf Eis – was das für die Märkte heißt

Veröffentlicht am 14.05.2025, 08:03

US-Finanzminister Scott Bessent fasste seine Gespräche mit chinesischen Handelsvertretern am vergangenen Wochenende so zusammen: „Wir haben sehr produktive Gespräche geführt, und ich glaube, dass der Veranstaltungsort hier am Genfer See zu einem sehr positiven Prozess beigetragen hat.“

Am Montag einigten sich die USA und China darauf, die meisten Zölle auf gegenseitige Warenimporte für 90 Tage auszusetzen.

Diese Nachricht sorgte für kräftige Kursgewinne an den Aktienmärkten – ein Zeichen dafür, dass bei den Gesprächen mehr auf dem Tisch lag als nur klassische Handelsfragen. Auch die Bond-Renditen zogen an, da die Sorge vor einer rezessionsbedingten Eskalation des Handelskonflikts weiter nachließ. Die Ölpreise stiegen, da sich das Risiko eines globalen Abschwungs ebenfalls verringerte. Und auch der Dollar-Index (DXY) legte zu.

Kurz gesagt: Es war ein gutes Wochenende in Genf.

Das Handelsabkommen sieht vor, dass die gegenseitigen Zölle zwischen China und den USA deutlich gesenkt werden – von 125 % auf 10 %. Eine Ausnahme bilden jedoch chinesische Importe von Fentanyl: Hier bleiben die Zölle bei 20 %, was den durchschnittlichen Zollsatz gegenüber China auf etwa 30 % belässt.

Die staatlich kontrollierten Medien in China bereiteten die Bühne für die wichtige Ankündigung vom Montag, indem sie die Gespräche als „konstruktiv“ beschrieben. Außerdem hieß es, dass sich die Verhandlungsführer auf die Einrichtung eines „chinesisch-amerikanischen Konsultationsmechanismus für Wirtschafts- und Handelsfragen“ verständigt hätten – eine Plattform, auf der künftig weiterverhandelt werden soll.

Wir hatten bereits darauf hingewiesen, dass Präsident Donald Trump unter erheblichem Druck stand, eine Art Waffenstillstand in seinem Handelskonflikt zu erreichen – vor allem mit Blick auf China. Eine wirtschaftliche Abschwächung, möglicherweise sogar eine Rezession, hätte bei den Zwischenwahlen im nächsten Jahr die Mehrheiten der Republikaner im Kongress gefährden können.

Gleichzeitig wollte Trump den Handelsstreit als politischen Erfolg verkaufen – und das möglichst noch, bevor verschiedene Gerichte über Klagen entscheiden konnten, die seine Zölle infrage stellen. Denn es steht im Raum, dass er für solche Maßnahmen eigentlich die Zustimmung des Kongresses gebraucht hätte.

Kurz gesagt: Das System der gegenseitigen Kontrolle in der US-Verfassung zeigt Wirkung – ebenso wie die Signale aus den Finanzmärkten. Sowohl der Anleihe- als auch der Aktienmarkt spielen dabei eine wichtige Rolle. Trump selbst führte seine Entscheidung, die 90-tägige Zollpause (ab dem 9. April) einzulegen – auf zuvor angekündigte Vergeltungsmaßnahmen vom 2. April –, ausdrücklich auf den Anleihemarkt zurück:

„Ich habe den Bondmarkt beobachtet. Der Bondmarkt ist sehr heikel, ich habe ihn beobachtet. Aber wenn man jetzt hinsieht, ist er wunderschön. Der Bondmarkt ist im Moment wunderschön. Ich habe gestern Abend gesehen, wie es den Leuten ein bisschen mulmig wurde.“

Er beschrieb, dass die Investoren „ein wenig aus der Reihe tanzten“ und „aufgeregt, ein wenig ängstlich wurden“ – ein Zeichen, dass er die Nervosität der Märkte durchaus wahrgenommen und ernst genommen hat.

Auch auf chinesischer Seite dürften wirtschaftliche Sorgen eine Rolle gespielt haben. Die Angst vor einer Deflation könnte Präsident Xi Jinping dazu bewegt haben, einem Abkommen zuzustimmen. Passend zum Auftakt der Gespräche in Genf, am Samstag, den 10. Mai, berichtete Reuters von rückläufigen Preisen in China: Die Preise ab Werk sind im April so stark gefallen wie seit sechs Monaten nicht mehr, während auch die Verbraucherpreise den dritten Monat in Folge zurückgingen (siehe Grafik).

Der Erzeugerpreisindex (PPI) sank im April um 2,7 % im Vergleich zum Vorjahr – nach einem Rückgang von 2,5 % im März. Auch die Verbraucherpreise lagen 0,1 % unter dem Vorjahreswert und damit ebenfalls auf dem Niveau vom März.

China VPI und PPI

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