US-Wachstum stabil, doch Ungleichheit wird zum Risiko

Veröffentlicht am 19.02.2026, 13:36

Die US-Wirtschaft dürfte bei der heutigen Aktualisierung des BIP für das vierte Quartal ein drittes Wachstumsquartal in Folge ausweisen. Darauf deutet der Median verschiedener Prognosen hin, die von The Capital Spectator zusammengestellt wurden. Zwar rechnen Ökonomen im Vergleich zum dritten Quartal mit einer Abschwächung der Dynamik, das Wachstum dürfte jedoch ausreichend robust bleiben, um die im Vorjahr kursierenden Rezessionssorgen weiter zu relativieren.

Die aktuelle revidierte Schätzung zeigt, dass die Wirtschaftsleistung im vorangegangenen Quartal mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 2,7 % zulegte - unverändert gegenüber der vorherigen Schätzung. Sollte sich die mittlere Prognose bestätigen, würde sich das Wachstum gegenüber dem kräftigen Anstieg von 4,4 % im dritten Quartal, dem höchsten Wert seit zwei Jahren, erwartungsgemäß verlangsamen.

Entwicklung des BIP der USA

Ein positives Signal ist die zuletzt vergleichsweise stabile Entwicklung der Medianprognosen, nachdem diese zuvor mehrfach nach oben angepasst wurden. Vor knapp einem Monat lag die Median-Schätzung bei 2,1 %, wurde zu Monatsbeginn nach oben revidiert und verharrt nun vor der morgigen Veröffentlichung des Bureau of Economic Analysis bei 2,7 %.

Die viel beachtete GDPNow-Schätzung der Atlanta Fed bleibt dabei der Ausreißer nach oben und signalisiert aktuell ein Wachstum von 3,6 %. Im Kontext der mittleren Prognosen erscheint für die morgige Veröffentlichung ein Anstieg im Bereich von rund 2 % bis knapp 3 % als plausible Größenordnung.

Trotz der Erwartung eines dritten soliden Wachstumsquartals in Folge nehmen die Diskussionen über den sogenannten K-Effekt in der Wirtschaft zu. Gemeint ist damit das Bild einer zunehmend ungleichen Entwicklung zwischen einzelnen Sektoren und Haushaltsgruppen.

Ein Beispiel liefert die Verbraucherstimmung. Hier zeigt sich eine deutliche Divergenz zwischen Haushalten mit Aktienanlagen und jenen mit geringem oder keinem Aktienbesitz.

„Bei den Verbrauchern mit den größten Aktienportfolios ist die Stimmung [im Februar] sprunghaft angestiegen, während sie bei den Verbrauchern ohne Aktienbesitz stagnierte und auf einem düsteren Niveau verharrte“, erklärte die Leiterin der Umfrage, Joanne Hsu.

Ungleichheit des Wohlstands

Die wachsende Kluft zwischen Gut- und Geringverdienern „macht die Wirtschaft deutlich anfälliger“, warnt Samuel Tombs, US-Chief Economist bei Pantheon Macroeconomics.

Emily Roland, Co-Chief Investment Strategist bei Manulife John Hancock Investments, verweist in diesem Zusammenhang auf die zunehmende Bedeutung der Finanzmärkte: „Man könnte argumentieren, dass der Aktienmarkt inzwischen der Schwanz ist, der mit dem Hund der Wirtschaft wedelt.“

Die Implikation liegt auf der Hand: Eine ausgeprägte Korrektur an den Aktienmärkten könnte spürbare Auswirkungen auf die Realwirtschaft entfalten. Dieses Szenario stellt zweifellos ein Risiko für das Jahr 2026 dar. Für die morgige Aktualisierung der BIP-Daten wird jedoch erwartet, dass sich entsprechende Belastungsfaktoren noch nicht signifikant niederschlagen.

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