Warum diese Silberpreis-Rallye anders ist

Veröffentlicht am 16.12.2025, 15:38

Im Silbermarkt mag derzeit ein erheblicher Hype herrschen, doch die aktuelle Hausse fügt sich auffallend gut in das makroökonomische Umfeld ein.

Ein leicht bearbeiteter Auszug aus der Ausgabe vom 14. Dezember von Notes From the Rabbit Hole:

Ich habe meine Position in PSLV hier oben in Blue Sky bewusst mit Blick auf das übergeordnete Makrobild ergänzt – nicht aufgrund des Momentums, das zuletzt zwar eine zentrale Rolle spielte, bis es am Freitag zu einem Rücksetzer kam, den ich für Nachkäufe genutzt habe.

Silber befindet sich nicht nur in einem klaren Ausbruchsmodus über den Rand seiner 31-jährigen Tassenformation, sondern ist erstmals seit Langem auch mit dem makroökonomischen Szenario im Einklang, auf das ich stets konsequent geachtet habe: einem inflationären Umfeld. Dieses „inflationäre Makroszenario“ wurde zuletzt am Freitag in einem öffentlichen Beitrag aktualisiert.

Das rechnerische Kursziel auf Basis der Tassenformation liegt bei 92. Das ist der einfache, technisch getriebene Teil der Analyse. Wenden wir uns nun den Makrodaten zu – dort, wo sich Hype und wirtschaftliche Realität begegnen.

Preischart - Silber

Dem Ausbruch bei Silber und dem Silber/Gold-Verhältnis in der Thanksgiving-Woche stand ich zunächst mit einer gewissen Skepsis gegenüber. Seit dem FOMC-Treffen Mitte Dezember hat sich diese Entwicklung jedoch fortgesetzt.

Angesichts der extrem überkauften Lage ist in den kommenden Monaten zwar mit erhöhter Volatilität zu rechnen, die durchaus zu einem Rückgang in den Bereich von 45 bis 50 führen könnte. Doch als wir die inverse Kopf-Schulter-Formation mit ihrem moderaten Kursziel im mittleren 30er-Bereich projizierten, hätten wir uns seinerzeit nicht klar für die 45 entschieden?

Aber es sollte nicht so einfach sein

Aus technischer Sicht handelt es sich um einen äußerst bedeutenden Ausbruch, auf den ich – ebenso wie vermutlich viele andere Marktteilnehmer – gewartet habe, seit die Tassenformation im Jahr 2011 ihren rechten Rand ausgebildet hat. Doch wie ich in den darauffolgenden Jahren immer wieder feststellen musste, reicht die technische Perspektive allein nicht aus.

Entscheidend ist vielmehr das makroökonomische Gesamtbild und die Rolle, die Silber in diesem Umfeld einnimmt. Man kann darauf verweisen, dass Silber auf der US-Liste der kritischen Mineralien steht. Oder darauf, dass verdeckte Marktteilnehmer zunehmend gezwungen sind, ihre Papier-Leerverkäufe einzudecken. Ebenso lassen sich knapper werdende Lagerbestände weltweit anführen – und zahlreiche weitere, teils dramatische Szenarien konstruieren.

Der Kernpunkt bleibt jedoch ein anderer: Wenn Silber Gold outperformt – als der inflationsempfindlichere Teil der „metallischen Kreditspanne“ –, spricht das für ein zyklisch-inflationäres Umfeld. Wäre hingegen Gold relativ stärker, während beide Metalle fallen, würde dies das gegenteilige Signal senden: antizyklisch und deflationär.

Genau aus diesem Grund wurden Silberbullen in der früheren, inzwischen nicht mehr existierenden, disinflationären Makroökonomie so häufig enttäuscht. Gegen das makroökonomische Umfeld lässt sich nicht aninvestieren. Anleger müssen es verstehen – und respektieren.

Neue Makro-Situation, neue Regeln

Eine konstruktive Einschätzung zu Silber fügt sich nahtlos in das zentrale Thema unserer jüngsten Analyse ein (siehe Link oben): den Übergang in eine neue makroökonomische Landschaft. Dieses „neue Makro“ deutet darauf hin, dass künftige inflationäre – insbesondere liquiditätsgetriebene – Maßnahmen der politischen Entscheidungsträger weniger wirksam sein dürften als in früheren Jahrzehnten, als der Anleihemarkt noch kein klares Inflationssignal sendete.

Da sich die langfristigen Renditen inzwischen im Ausbruchsmodus befinden, spricht vieles dafür, dass es sich diesmal um ein Inflationsproblem größeren Ausmaßes handeln wird – eines, das nicht nur sichtbar, sondern auch spürbar sein dürfte.

* Erfolg ist in diesem Zusammenhang definiert als die Fähigkeit, der Öffentlichkeit glaubhaft zu vermitteln, dass Inflation tatsächlich bekämpft wird, während sie faktisch fortbesteht.

TYX- Monatschart

Kurz gesagt dürfte der Versuch unternommen werden, Inflation offen und bei Tageslicht zu erzeugen – nicht mehr verdeckt durch den zuvor disinflationären Trend am Anleihemarkt. Möglicherweise erklärt genau das, warum Silber nun in eine klare Aufwärtsbewegung übergeht und warum der Aktienmarkt, relativ zu Gold gemessen, strukturell unter Druck zu stehen scheint – selbst dann, wenn ein moderates Inflationsumfeld die Bewertungen vorerst noch stützen mag.

Silber/Gold-Verhältnis gewinnt an Dynamik

Um die oben skizzierte makroökonomische These weiter zu untermauern, muss das Silber-Gold-Verhältnis seinen Aufwärtstrend fortsetzen. Der Blick auf das langfristige Chartbild zeigt bislang zwar keine außergewöhnlichen Bewegungen, doch wie bereits im vergangenen Frühjahr prognostiziert, folgen auf ausgeprägte Rückgänge im Gold-Silber-Verhältnis häufig markante Ausschläge oder längere Erholungsphasen (rote Kästen).

Aktuell befindet sich das Verhältnis weiterhin in einer Aufwärtsbewegung und hat zuletzt zwei Hochpunkte ausgebildet, die aus unserer Sicht stärker beachtet werden sollten.

Verhältnis Silber-Gold (vergangener Monat)

Nun muss das Hoch aus dem Jahr 2021 überwunden werden, um den aktuellen Trend zu bestätigen. Bei näherer Betrachtung lässt sich das nächste Kursziel bereits erahnen.

Dass wir diesem Verhältnis so große Aufmerksamkeit schenken – obwohl der Chart bislang weder das Niveau von 2021 noch jenes von 2011 erreicht hat –, erklärt sich aus der neuen, inflationären Makrothese, insbesondere im Zusammenspiel mit dem oben dargestellten Chart der Rendite der 30-jährigen US-Treasuries.

SILBER:GOLD - Monatschart

Treten wir nun einen Schritt zurück von unserer kleinen Silber-Hypeparty, nachdem wir einen weiteren Chart betrachtet haben. Da der Aktienmarkt die wirtschaftliche Entwicklung derzeit vergleichsweise präzise widerspiegelt und Gold gegenüber dem SPX bereits an Stärke gewonnen hat, lohnt es sich, festzuhalten, dass Silber im Verhältnis zum SPX inzwischen ein technisch äußerst relevantes Niveau erreicht hat.

Sollte diese Marke überwunden werden, könnte der Silberpreis deutlich an Dynamik gewinnen. Gleichzeitig befinden wir uns hier an einem klassischen Wendepunkt – einem schmalen Grat zwischen Euphorie und Ernüchterung für Silber-Anleger.

Dabei darf nicht übersehen werden, dass ein Großteil der Marktteilnehmer aktuell eher damit beschäftigt ist, den Kursverfall bei Bitcoin oder KI-Titeln zu verarbeiten, während Silber stark zulegt. Anders gesagt: Innerhalb der Gold- und Silber-Community mag das Thema präsent sein, für die breite Masse bleiben Edelmetalle – einschließlich Goldminenaktien – jedoch weiterhin ein erklärungsbedürftiges Segment. Sollte das Verhältnis Silber/SPX an dieser Stelle tatsächlich ausbrechen, dürfte die breite Anlegerschaft Silber nicht nur wahrnehmen, sondern aktiv nachfragen.

Fazit

Bullenmärkte sind beängstigend. Sie geraten schnell in stark überkaufte Zustände, liefern zahlreiche Argumente für Gewinnmitnahmen – und steigen dennoch weiter.

Silber ist aktuell klar überkauft und damit per Definition angsteinflößend. Diese Sorge relativiert sich jedoch vor dem Hintergrund, dass ich seit 2022 von einem neuen makroökonomischen Umfeld spreche und versuche, dessen Charakter zu präzisieren. Inzwischen wird diese Analyse zunehmend greifbar – und sie spielt Silber wie auch Gold in die Karten. Mit ihren inflationären Makrosignalen begünstigt sie derzeit sogar Silber gegenüber Gold, zumindest vorläufig.

Über viele Jahre und Jahrzehnte hinweg stand ich mit dieser Einschätzung gegen den Konsens, bis sich die Makrolage – wie im „Kontinuum“-Diagramm dargestellt – tatsächlich zu verändern begann. Nun versuche ich abzuschätzen, welcher Druck sich in dieser Zeit aufgebaut hat. Bilder von unter Wasser gedrückten Strandbällen, gespannten Steinschleudern oder aufgestautem Widerstand drängen sich dabei auf.

Kurzum: Ich bleibe meinem Ansatz treu und versuche, Maß zu halten, bin mir jedoch bewusst, dass die aktuelle bullische Dynamik durch die makroökonomischen Signale gut untermauert ist.

Ich werde auch weiterhin der konservative Händler bleiben, der ich immer war. Der kleinere Rücksetzer vom Freitag war ein Hinweis und eine Erinnerung daran, dass Korrekturen kommen werden – und dass sie schmerzhaft sein können. Im Hinblick auf Edelmetalle insgesamt und Silber im Besonderen steuere ich mein Risiko, indem ich entlang des Weges Absicherungen eingehe, etwa über zuvor erworbene SLV-Puts. Eines bleibt dabei jedoch eindeutig: Der Bullenmarkt gewinnt angesichts des übergeordneten Szenarios weiter an Fahrt.

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