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Ölpreis rennt los: Silberstreif am Ölmarkt, aber ein Restrisiko für WTI Öl bleibt

Rohstoffe & Futures 15.05.2020 19:19
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© Reuters.

von Robert Zach

Investing.com - Der Ölpreis sprang am Freitag auf den höchsten Stand seit Anfang April. Mit dem aktuell angepeilten Wochenplus von mehr als dreizehn Prozent steuert WTI Öl auf die dritte Gewinnwochen in Folge zu.

Das von der Opec+ beschlossene Abkommen zur Drosselung der Ölförderung als auch Zwangsstilllegungen von Bohranlagen in den USA sowie erste Anzeichen für eine steigende Benzinnachfrage schüren die Erwartungen hinsichtlich des Marktgleichgewichts. Dies spiegelt sich auch in der Steigung der Terminkurve, die kontinuierlich abnimmt. Der Spread zwischen Juni und Juli WTI steht bei 0,15 Dollar, nach knapp 7 Dollar Ende April. Steigt das Contango, signalisiert dies in der Regel ein hohes Überangebot bei Öl. Nimmt die Steigung ab, so ist dies ein Zeichen dafür, dass die Sorge vor einem anhaltenden Überangebot leicht zurück geht.

Gleichwohl besteht immer noch ein Restrisiko für die US-Ölsorte WTI, weil eine ganze Armada großer Öltanker, die im Zuge des massiven Überschusses in schwimmende Öllager umfunktioniert wurden, schon bald mit saudischem Öl an der US-Golf- und Westküste eintreffen werden. Auch das Risiko einer zweiten Infektionswelle besteht, was das zarte Pflänzchen Nachfrage, schnell zerstören könnte.

Das an der ICE gehandelte Barrel der Sorte Brent Öl zur Juli-Lieferung (CBN20) legte am Freitag um 1,99 Prozent auf 31,69 Dollar zu. Für das an der Warenterminbörse NYMEX in New York gehandelte Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI-Öl) mit einer Laufzeit bis Juni (CLM20) geht es um 1,45 Prozent nach oben auf 27,98 Dollar.

Der Preisunterschied zwischen Brent und WTI, der so genannte Spread, verengte sich gestern in der Spitze auf 3,11 Dollar und schloss bei 3,45 Dollar. Die von der CBOE errechnete zu erwartende Volatilität für die US-Sorte WTI Öl sank um 3,36 Prozent auf 80,05 Indexstellen. So tief stand das Volatilitätsbarometer zuletzt Anfang März.

Laut dem Analysehaus Petro-Logistics drosselte die Opec+ ihre Exporte um 5,96 Millionen Barrel pro Tag in den ersten 14 Tagen des laufenden Monats, wie Bloomberg berichtete. Saudi Aramco (SE:2222) senkte unterdessen seine Ölverkäufe in die USA und Europa um gut die Hälfe, wie Brancheninsider berichten.

Der Exportrückgang belegt, "dass sich die Förderländer an das Abkommen der Opec+ halten", sagte Andrew Lebow, Senior Partner der Commodity Research Group. Die ergriffenen Maßnahmen hätten zu einem " konstruktiverem Szenario für den Markt" geführt.

Sorgen bereitet jedoch der Irak, der zwar seine Ölförderung um rund 700.000 Barrel pro Tag reduzieren will, was aber rund ein Drittel weniger wäre als im Opec+Pakt gefordert. Dafür springen aber Saud-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate ein. Sie debattieren über zusätzliche Fördermengenkürzungen.

Die Internationale Energieagentur sagte am Donnerstag, die Aussichten für die globalen Ölmarkte hätten sich aufgehellt und die Nachfrage sei etwas stärker als erwartet. Statt eines Nachfragerückgangs von 9,3 Millionen Barrel täglich im laufenden Jahr, wird nun mit einem Rückgang von 8,6 Millionen Barrel pro Tag gerechnet.

Gleichwohl betonte IEA-Chef Fatih Birol, dass die kürzlich angekündigten Kürzungen der Ölproduktion der wichtigsten arabischen Produzenten aus der Golfregion wahrscheinlich nicht ausreichen würden, um die globalen Ölmärkte auszugleichen, da die Coronavirus-Lockdowns die Nachfrage aushöle.

"Wir sehen erste Anzeichen für eine beginnende Erholung, aber es ist noch viel zu früh, um zu sagen, dass wir bald ein neues Gleichgewicht auf den Märkten erreichen werden, wir stehen erst am Anfang dieses Prozesses", so Birol.

Der Ölgigant BP (LON:BP) erklärte derweil, der Konsum habe sich in dieser Woche erholt, da mehr und mehr Volkswirtschaften wieder hochfahren und damit der Verkehr auf den Straßen zunehme.

Speziell in den USA waren die Benzinbestände um 3,5 Millionen zurückgegangen. Die implizite Benzinnachfrage ist im Vergleich zum Vormonat um gut 40 Prozent gestiegen.

In Los Angeles zeigte sich laut den Navigationsgeräten des Herstellers TomTom ein Anstieg der Stau-Levels und die Los Angeles Times berichtete, dass der Gesamtverkehr jetzt wieder über 60 Prozent liegt, nach 44 Prozent in der ersten Aprilwoche.

Hoffnung auf eine wiederkehrende Nachfrage machten auch die Daten aus China heute Nacht. So stieg die chinesische Industrieproduktion im April im Jahresvergleich um 3,9 Prozent. Allerdings sind die Zahlen mit großer Skepsis zu betrachten, denn China ist bekannt für die Beschönigung seiner Zahlen. Der von Goldman Sachs (NYSE:GS) errechnete "China Industrial Activity Tracker" zeigt zwar eine stetige Erholung der Industrieaktivität seit Mitte Februar. Sie liegt aber immer noch gut 10 Prozent tiefer als zu Jahresbeginn.

Mitte April war der US-Ölpreis zum ersten Mal in der Geschichte unter null gefallen, weil die Nachfrage im Zuge der Corona-Lockdowns zum Erliegen kam und Saud-Arabien so viel Öl pumpte wie noch nie zuvor, bevor die Opec+ sich doch noch auf eine beispiellose Förderkürzung einigen konnte, um die Ölmärkte zu stabilisieren.

"Die Fundamentaldaten verbessern sich zusehends. Wir sind jedoch nach wie vor der Ansicht, dass das Aufwärtspotenzial auf kurze Sicht begrenzt ist, da wir uns nach wie vor in einem Überschuss befinden und der Markt auf reichlich Lagerbestände zurückgreifen kann", sagte der ING-Rohstoffleiter Warren Patterson in einer Mail an Investing.com.

Auch die Rohstoffexperten der Rohstoffexperte der RS Energy Group äußerten sich vorsichtig optimistisch. "Es herrscht etwas mehr Optimismus, dass die dunkelsten Tage hinter uns liegen könnten", so Judith Dwarkin, Chefökonomin der RS Energy Group.

Gestützt hat den Ölpreis in dieser Woche auch der Bericht der US-Energiebehörde EIA zur Wochenmitte. Demnach sanken die Rohöllagerbestände in den USA in der Woche bis zum 8. Mai um 700.000 Barrel. Es war der erste Lagerabbau seit Januar.

Erfreulich war auch die Entwicklung der Lagerbestände am wichtigen Umschlagplatz für WTI in Cushing, Oklahoma. Die hiesigen Reserven an der bekannten “Pipeline Kreuzung der Welt” gingen um mehr als 3 Millionen Barrel zurück.

Nichtsdestoweniger bleiben die Lagerkapazitäten hoch. Nach eigenen Hochrechnungen sind die dortigen Ölspeicher zu 81 Prozent gefüllt. Und derzeit steuern über 30 Öltanker die US-Golf- und Westküste an, die nach und nach im Mai und Juni eintreffen dürften, wie Bloomberg berichtet.

Laut der US-Nachrichtenagentur transportieren die Öltanker mehr als 50 Millionen Barrel saudisches Öl, die die positiven angebotsseitigen Entwicklungen bedrohen.

"Die zu erwartenden saudischen Öllieferungen könnten die US-Lagerbestände je nach Ankunft wieder nach oben treiben", sagte Sandy Fielden, Direktorin für Öl- und Produktforschung bei Morningstar Inc. "Wenn die Ladungen derart schnell an Land gehen, dass sie nicht durch eine sinkende Produktion oder einen Anstieg der Exporte ausgeglichen werden, dann werden wir einen inländischen Lageraufbau sehen".

Die gesamte US-Produktion war laut EIA-Daten in der letzten Woche um weitere 300.000 Barrel und steht aktuell bei 11,6 Millionen Barrel pro Tag. Seit den Märzhochs wurde die Produktion insgesamt um gut 1,5 Millionen Barrel pro Tag gedrosselt. Allerdings könnte der Rückgang der US-Förderung durch die saudischen Lieferungen negiert werden.

"Wenn alle saudischen Öltanker entladen werden, gleicht das von ihnen beförderte Rohöl nahezu alle Produktionsrückgänge seit März aus, so dass die derzeit hohen Füllraten der Lager effektiv beibehalten werden", sagte Paola Rodriguez-Masiu, eine leitende Ölmarktanalystin bei Rystad Energy.

Claudio Kummerfeld von finanzmarktwelt warnt in seinem Artikel von heute Morgen noch einmal vor dem "bevorstehenden Wechsel an der Terminbörse vom Juni-Kontrakt auf den Juli-Kontrakt" am 19. Mai, der trotz der jüngsten Stabilisierung "zu Turbulenzen im Ölpreis" führen kann.

Hinweis: Hier geht es zur Seite mit den Rohstoff-Future-Kursen, hier zum Ölpreis-Chart, hier zur technischen Ölpreis-Übersichtsseite und hier zu den Ölpreis-Einzelkontrakten. Alle Energiepreise in der Übersicht gibt es hier. In unserem Ölpreis-Forum können Sie Meinungen, Gedanken und Wissen austauschen. Die wichtigsten Wirtschaftsereignisse des Tages finden Sie in unserem Wirtschaftskalender.

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Kommentare (1)
Florian Veit
Luckyluke3480 17.05.2020 18:24
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Sehr ausführliche Zusammenfassung zum Thema WTI inkl. Quellen, Analysen, Charts und Einschätzungen. Danke!
 
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