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ROUNDUP 3: Deutsche Wirtschaft weiterhin im Griff der Corona-Krise

Wirtschaftsindikatoren14.01.2022 13:00
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WIESBADEN (dpa-AFX) - Die deutsche Wirtschaft geht ohne Rückenwind ins dritte Jahr der Pandemie. Mit 2,7 Prozent Wachstum hat Europas größte Volkswirtschaft im vergangenen Jahr nach dem Corona-Tief zwar wieder Tritt gefasst. Allerdings fiel der vom Statistischen Bundesamt am Freitag anhand erster Zahlen vermeldete Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) geringer aus als lange erhofft. Und die Lasten der Krise werden Deutschland noch lange zu schaffen machen: Der Staat gab im vergangenen Jahr nach Berechnungen der Wiesbadener Behörde 153,86 Milliarden Euro mehr aus als er einnahm. Das war in absoluten Zahlen das zweithöchste Defizit seit der Wiedervereinigung. 

"Die Wirtschaft ist nach dem Einbruch wieder auf Erholungskurs - aber schwächer als erwartet. Der Einbruch der Wirtschaftsleistung aus dem Jahr 2020 ist insgesamt noch nicht wieder aufgeholt", bilanzierte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura. "Das hat aber nicht nur mit dem Wiederaufflammen der Corona-Pandemie zu tun. Auch der Strukturwandel, der akute Fachkräftemangel, die zu hohen Energiepreise und die gestörten Lieferketten in den Weltmärkten beeinflussen das Wirtschaftswachstum." 

Im Vergleich zu 2019, dem Jahr vor Beginn der Pandemie, war das BIP im vergangenen Jahr noch um 2,0 Prozent niedriger. Im Krisenjahr 2020 war die Wirtschaftsleistung nach jüngsten Daten um 4,6 Prozent eingebrochen. 

Liefer- und Materialengpässe dämpften die Erholung, die zum Jahresende durch die vierte Corona-Welle und erneute Verschärfungen von Einschränkungen im Kampf gegen die Pandemie gestoppt wurde. Die Wiesbadener Statistiker gehen nach ersten Schätzungen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2021 zum Vorquartal um 0,5 Prozent bis 1,0 Prozent geschrumpft ist. 

 

"Für das erste Quartal 2022 erwarten wir wegen der um sich greifenden Omikron-Variante ein weiteres Minus", prognostizierte Commerzbank (DE:CBKG) -Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Danach dürfte die deutsche Wirtschaft aber kräftig anziehen." 

Die Aussichten für das Wirtschaftswachstum seien grundsätzlich günstig, die Risiken vor allem kurzfristig groß, fasste KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib mit Blick auf das laufende Jahr zusammen: "Wie schon 2021 droht auch in diesem Jahr eine konjunkturelle Achterbahnfahrt über die Berge und Täler neuer Corona-Wellen." 

Wirtschaftsforschungsinstitute hatten in den vergangenen Wochen ihre Prognosen für 2022 nach unten korrigiert. Volkswirte gehen inzwischen davon aus, dass die Konjunktur erst im Frühjahr 2022 wieder richtig anspringen wird. Jüngsten Prognosen zufolge dürfte die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr trotz etwas trüberer Aussichten immer noch zwischen 3,5 Prozent und gut 4 Prozent zulegen. Das wäre dann wieder eine Größenordnung wie in den Jahren nach der tiefen Rezession 2009 infolge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. 

Haupttreiber wird nach Einschätzung von Ökonomen der private Konsum sein. Viele Haushalte sitzen auf hohen Sparguthaben, weil wegen der Pandemie zum Beispiel Reisen abgesagt werden mussten und Freizeitaktivitäten nur eingeschränkt möglich waren. Im vergangenen Jahr fiel der Privatkonsum als Wachstumstreiber aus. 

Der Außenhandel wuchs dagegen kräftig und lag nur noch leicht unter dem Niveau des Vorkrisenjahres 2019. Deutschland exportierte 2021 insgesamt 9,4 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen als im Vorjahr. Die Importe stiegen bereinigt um Preiserhöhungen um 8,6 Prozent. 

Auch die Lizenzeinnahmen des Impfstoffentwicklers Biontech (NASDAQ:BNTX) trugen zum Wachstum bei, nach Schätzungen des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) um etwa 0,5 Prozentpunkte. 

Wichtige Konjunkturstütze waren 2021 die Konsumausgaben des Staates. Dieser gab vor allem mehr Geld aus, um die im Frühjahr flächendeckend eingeführten kostenlosen Antigen-Schnelltests und Corona-Impfstoffe zu beschaffen sowie Test- und Impfzentren zu betreiben, wie das Bundesamt erläuterte. 

Insgesamt gab der deutsche Staat auch im zweiten Jahr der Pandemie nach vorläufigen Berechnungen der Statistiker deutlich mehr Geld aus als er einnahm. Bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung lag das Defizit von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen 2021 bei 4,3 Prozent. 2020 hatte Deutschland mit ebenfalls 4,3 Prozent erstmals seit 2011 wieder ein Haushaltsdefizit verbuchen müssen. 

Ärger aus Brüssel droht Deutschland deswegen nicht. Die EU-Staaten hatten wegen der Corona-Krise die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts ausgesetzt, wonach das Haushaltsdefizit nicht über drei Prozent und die Gesamtverschuldung nicht über 60 Prozent des BIP steigen darf. 2023 soll der Pakt wieder greifen. 

Das hohe Staatsdefizit sei "angesichts der Schwere des ökonomischen Pandemie-Schocks kein übermäßiger Grund zur Sorge", sagte Friedrich Heinemann vom Mannheimer ZEW. Deutschland habe seine Neuverschuldung im Vergleich zu vielen anderen Staaten auf vergleichsweise niedrigem Niveau gehalten. "Für 2022 und die folgenden Jahre ist es aber unabdingbar, die Krisenpolitik nach dem Gießkannenprinzip zu beenden", mahnte Heinemann./ben/mar/DP/eas

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