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ROUNDUP: DHL-Express-Vorstand erwartet starkes Quartalsende

Veröffentlicht am 20.03.2023 17:05 Aktualisiert 20.03.2023 17:15
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BONN/DUBAI (dpa-AFX) - Nachdem das ertragreiche Geschäft mit zeitkritischen Sendungen der Deutschen Post (ETR:DPWGn) im vierten Quartal Federn lassen musste, rechnet der Vorstand nun mit Besserung. "Ich erwarte ein ziemlich starkes Quartalsende", sagte John Pearson (LON:PSON) im Interview mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX in Dubai. Der Manager verantwortet mit dem Geschäft der zeitkritischen Waren- und Brief-Sendungen die Ertragsperle des Konzerns aus Bonn. Während dieser in der südost-chinesischen Metropole Shenzhen dieses Jahr ein zweites Drehkreuz auf dem chinesischen Festland einweihen will, streben immer mehr Firmen danach, sich unabhängiger von China zu machen. Pearson bewertet diese Entwicklung positiv, seiner Meinung nach dürfte das DHL-Geschäft dank breiter Investitionen davon stärker profitieren als die Konkurrenten.

Im vierten Quartal waren im Express-Bereich die Sendungsmengen deutlich zurückgegangen, steigende Kosten konnten zudem nicht mehr wie zuvor an die Kunden weitergegeben werden. Die Schwäche begründete die Post mit der Zurückhaltung der Verbraucher, sowie der allgemein global wirtschaftlichen Schwäche. 2022 musste das Express-Segment deshalb einen Rückgang beim operativen Ergebnis (Ebit) einstecken.

Bereits vergangene Woche bei der Bilanzpressekonferenz des Dax-Konzerns hatte das Management um Noch-Chef Frank Appel aber davon berichtet, dass die Volumina seit dem Ende des chinesischen Neujahrsfests wieder anziehen. Das Firmenkunden-Geschäft (B2B) habe den Tiefpunkt durchschritten, bestätigte Pearson. Das Gewicht der Sendungen nehme zu, was seiner Auffassung nach ein Zeichen für die Erholung der asiatischen Wirtschaft ist.

 

Der Brite übernahm den Geschäftsbereich DHL Express Anfang 2019. Mit mehr als vier Milliarden Euro erwirtschaftete er 2022 trotz des Rückgangs immer noch fast die Hälfte des operativen Konzerngewinns. Dieses Ergebnisniveau dürfte der Konzernteil auch mittelfristig halten können, schrieb Cristian Nedelcu, Analyst bei der Schweizer Großbank UBS (SIX:UBSG).

Bereits in der Vergangenheit hätten sich die Preise bei DHL Express trotz sinkender Luft-Frachtraten widerstandsfähig gezeigt, hieß es in der Studie. Der Personalaufwand mache nur ein Viertel der Gesamtkosten des Segments aus, sodass die Lohninflation Nedelcu zufolge eine untergeordnete Rolle spielen dürfte. Den weitaus größeren Kostenberg für Waren und Dienstleistungen dürfe Express allmählich senken und so den Abwärtsdruck angesichts der sinkenden Frachtraten ausgleichen.

Für die an Endkonsumenten verschickten Sendungen (B2C) will der Konzern auf ein Wachstum im mittleren bis hohen einstelligen prozentualen Bereich kommen. Den Zeithorizont dafür sieht Pearson "im Sommer, eventuell etwas später". Als positives Beispiel führte er den italienischen Markt an, der momentan bereits 7 bis 9 Prozent wachse, was Pearson auf die starke Nachfrage nach Mode und Luxusgütern zurückführt.

Die Bedeutung des chinesischen Markts dürfte Pearsons Einschätzung zufolge derweil auch in Zukunft nicht abreißen. Zwar versuchen immer mehr Firmen, sich in der Region breiter aufzustellen und die Investitionen zu diversifizieren, um sich so zusätzlich zu China weitere Standbeine aufbauen. In dieser als "China Plus One" bezeichnete Geschäftsstrategie sieht Pearson aber keine Bedrohung für sein Geschäft - im Gegenteil: "Welches Land auch immer profitieren wird, sei es Vietnam, Malaysia, Thailand oder die Philippinen, es wird dazu führen, dass wir dort mehr als nur einen angemessenen Marktanteil bekommen", sagte er.

Pearson begründet seine Einschätzung mit der breiteren Positionierung von DHL im Vergleich zur Konkurrenz. Fedex (NYSE:FDX) sei mehr auf Nordasien fokussiert und UPS (NYSE:UPS) mehr auf Südasien, DHL decke die Region hingegen breiter ab. "Wir sind bereit. Sobald es also heißt: 'Hey, wir sehen, dass die Volumina aus Vietnam heraus steigen, habt ihr ein weiteres Flugzeug?', können wir 'Ja' sagen."

Deshalb will er auch in Zukunft in allen Regionen investieren. Die Pläne zur Modernisierung der großen Drehkreuze in Bangkok, Shanghai, Singapur und Hongkong lägen bereits in der Schublade. Dieses Jahr steht zudem die Eröffnung eines weiteren Drehkreuzes in der südost-chinesischen Metropole Shenzhen an.

Zwar konnte über das Drehkreuz in Hongkong laut Pearson auch bislang das gesamte Aufkommen aus Südchina abgefertigt werden, während der Pandemie wurden die Abläufe jedoch umständlicher. Die Brücke, die die Sonderverwaltungszone Hongkong mit dem chinesischen Festland verbindet, durfte während der Lockdowns nicht von LKW befahren werden, so mussten Boote und Lastkähne eingesetzt werden, berichtete Pearson.

Mittlerweile sei die Dringlichkeit zwar nicht mehr so akut, aber an dem neuen Drehkreuz hält er dennoch fest: "Mit Shenzhen verfügen wir dann über eine gute Kapazität in Südchina, die über das hinausgeht, was wir bisher hatten".

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