Leonardo-Aktie: Jetzt Kauf? Analysten sehen Potenzial
Für das Jahr 2026 zeichnet sich ein zunehmendes Marktrisiko ab, das bislang nur wenig Beachtung findet. Wie im Artikel „Die Geschichte der Fed von der weichen Landung“ ausgeführt, ist der Optimismus mit Blick auf 2026 derzeit ausgeprägt. Aktuell preisen die Anleger ein kräftiges Wirtschaftswachstum, robuste Unternehmensgewinne sowie einen reibungslosen Verlauf der Desinflation ein.
Die Gewinnschätzungen der Wall Street deuten dabei auf eine deutliche Beschleunigung der Ertragsdynamik hin – insbesondere bei zyklischen Werten sowie im Small- und Midcap-Segment. In diesem Zusammenhang heißt es:
„Die Wall Street erwartet derzeit, dass die 493 schwächsten Aktien im Jahr 2026 einen größeren Gewinnbeitrag leisten werden als in den vergangenen drei Jahren. Diese Annahme ist insofern bemerkenswert, als die durchschnittliche Wachstumsrate dieser 493 Titel in den letzten drei Jahren unter 3 % lag. Für die kommenden zwei Jahre wird hingegen ein durchschnittliches Gewinnwachstum von mehr als 11 % erwartet.“

„Darüber hinaus fallen die Erwartungen an konjunktursensible Aktien noch optimistischer aus. Kleine und mittelgroße Unternehmen hatten in den vergangenen drei Jahren – trotz eines robusten, durch geld- und fiskalpolitische Impulse gestützten Wirtschaftswachstums – Schwierigkeiten, nennenswertes Gewinnwachstum zu erzielen. Selbst wenn sich die Annahme der Fed einer weichen Landung bewahrheitet, wird für das kommende Jahr dennoch ein Anstieg der Gewinnwachstumsraten um nahezu 60 % erwartet.“

Gegen optimistische Investitionsaussichten ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Allerdings gilt ebenso, dass sich Erwartungen rasch verändern können – ein Umstand, der ein erhebliches Marktrisiko darstellt, insbesondere in einem Umfeld bereits sehr hoher Bewertungen.
Diese Prognosen basieren vor allem auf der Annahme, dass die Wirtschaft nicht nur eine Rezession vermeiden, sondern sich im Zuge nachlassender Inflation erneut beschleunigen wird. Wie bereits dargestellt, haben die Aktienmärkte darauf mit steigenden Bewertungen reagiert: Die Bewertungsniveaus der wichtigsten Indizes liegen inzwischen deutlich über ihren historischen Durchschnittswerten, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis.
Parallel dazu haben Anleger zunehmend Narrative honoriert, die von einer sanften Landung der Wirtschaft und einer Rückkehr zu den Wachstumstrends der Zeit vor der Pandemie ausgehen.

Diese Sichtweise blendet jedoch die Signale aus den jüngsten Konjunkturdaten weitgehend aus. Die Inflationserwartungen haben nachgelassen – allerdings nicht infolge einer steigenden Nachfrage, sondern vor dem Hintergrund eines schwächeren Konsums und einer abkühlenden Dynamik am Arbeitsmarkt. Wie die aktuellen Daten zeigen, ging der Rückgang der Inflation mit einem geringeren Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sowie einer nachlassenden Dynamik des privaten Verbrauchs einher.
Sollte sich die Wirtschaft tatsächlich erneut beschleunigen, müssten sich diese Trends verstärken, anstatt lediglich auf historische Durchschnittsniveaus zurückzufallen.

Die Annahme einer sanften Landung basiert auf einem günstigen Konjunkturszenario, in dem die Inflation zurückgeht, das Wirtschaftswachstum stabil bleibt und die Unternehmensgewinne weiter zulegen. Ein derartiger Verlauf ist historisch jedoch die Ausnahme. Fällt die Inflation in einem so kurzen Zeitraum deutlich, ist dies in der Regel weniger ein Zeichen erfolgreicher Wirtschaftspolitik als vielmehr Ausdruck einer nachlassenden Nachfrage.
Zudem sollte die enge Verbindung zwischen Wirtschaftswachstum und Ertragsentwicklung nicht unterschätzt werden. Diese wachsende Diskrepanz birgt ein erhöhtes Marktrisiko, insbesondere dann, wenn das Wachstum hinter den Erwartungen zurückbleibt und die hohen Bewertungen einer Neubewertung unterzogen werden.

Da Analysten ungeachtet steigender Inputkosten, globaler Unsicherheiten und einer nachlassenden Beschäftigungsdynamik weiterhin von kräftigem Umsatzwachstum und einer Ausweitung der Gewinnmargen ausgehen, lässt ein auf Perfektion ausgerichteter Markt kaum Spielraum für Enttäuschungen oder Wachstumsschocks. Sollten sich diese optimistischen Annahmen nicht bewahrheiten, könnte das Marktrisiko entsprechend abrupt zunehmen.
Genau diese Szenarien wollen wir im Folgenden näher beleuchten.
Struktureller Gegenwind
Wie bereits ausgeführt, ist das Gewinnwachstum grundsätzlich eng an das Wirtschaftswachstum gekoppelt. Übersteigt die Nachfrage das Angebot, weiten Unternehmen ihre Produktion aus, erhöhen die Preise und steigern in der Folge ihre Gewinne. Wie kürzlich erläutert, erklärt dieser Zusammenhang, weshalb es ohne Inflation kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum, keine steigenden Löhne und letztlich keinen höheren Lebensstandard geben kann.
Anders formuliert: Ein höheres Wachstum und zunehmender Wohlstand setzen voraus, dass die Preise im Zeitverlauf steigen. Vor diesem Hintergrund verfolgt die Fed ein Inflationsziel von 2 %, das ein Wirtschaftswachstum von rund 2 % sowie ein stabiles Beschäftigungsniveau unterstützen soll.

Die Beschäftigungsdaten des vergangenen Jahres liefern jedoch keine Hinweise auf ein hohes Beschäftigungsniveau, steigende Löhne oder einen Trend, der auf robustere wirtschaftliche Perspektiven schließen ließe. Im Gegenteil: Die jüngsten Zahlen bestätigen eine Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik, da der Anteil der Vollzeitbeschäftigten an der Bevölkerung rückläufig ist.

Anleger sollten die Bedeutung der Vollzeitbeschäftigung keinesfalls unterschätzen. Sie geht in der Regel mit höheren Löhnen, zusätzlichen Leistungen für Haushalte und einer Ausweitung des Konsums einher. Ein Rückgang der Vollzeitbeschäftigung wird historisch deutlich häufiger mit konjunkturellen Abschwüngen als mit wirtschaftlichen Expansionen in Verbindung gebracht.
Entsprechend geraten Wirtschaftswachstum, Inflation und privater Konsum unter Druck, wenn die Beschäftigung – insbesondere die Vollzeitbeschäftigung – nachlässt, da sie sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite der Wirtschaft trägt.

Darüber hinaus ist das Wirtschaftswachstum in hohem Maße von den Konsumausgaben abhängig, die rund 70 % des US-Bruttoinlandsprodukts ausmachen. Damit dieser Konsum stabil bleibt oder weiter zunimmt, müssen die Verbraucher über steigende Einkommen verfügen – getragen durch Beschäftigungszuwächse und Lohnwachstum.
Bleiben neue Arbeitsplätze oder reale Einkommenssteigerungen aus, stagniert der Konsum, und die zugrunde liegende Annahme über die Wirkung von Einkommen gerät ins Wanken. Lässt das Wirtschaftswachstum nach, schwächen sich in der Folge auch die Gewinnwachstumsraten ab.

Die jüngsten Arbeitsmarktdaten offenbaren erste Risse in diesem Zyklus. Zwar signalisieren die Schlagzeilen weiterhin einen Beschäftigungsaufbau, doch Qualität und Zusammensetzung der neu geschaffenen Stellen verschlechtern sich zunehmend. Immer häufiger ersetzen Teilzeitstellen reguläre Vollzeitbeschäftigung – oftmals mit geringerer Entlohnung und eingeschränkten Sozialleistungen.
Zudem bleibt die Erwerbsbeteiligung unter dem Vorkrisenniveau, da zahlreiche Arbeitnehmer im Haupterwerbsalter bislang nicht in den Arbeitsmarkt zurückkehren. Besonders die durchweg negativen Revisionen der monatlichen Beschäftigungsberichte im Jahr 2025 tragen dazu bei, das Narrativ einer „starken Wirtschaft“ weiter zu untergraben.

Selbst dort, wo die Löhne nominal steigen, zeichnen die inflationsbereinigten Einkommen ein anderes Bild. In mehreren Schlüsselsektoren stagnierte das Reallohnwachstum zuletzt oder fiel sogar negativ aus. Gleichzeitig bleiben die Kosten für Wohnen, Energie und Dienstleistungen hoch, was den Druck auf die verfügbaren Einkommen weiter erhöht. Viele Verbraucher gleichen diese Belastung derzeit durch den Abbau von Ersparnissen oder eine höhere Kreditaufnahme aus – beides ist auf Dauer nicht tragfähig.
Das zentrale Marktrisiko für 2026 liegt darin, dass ein gesunder Konsumsektor Voraussetzung für steigende Unternehmensgewinne und die Erfüllung der Erwartungen der Wall Street ist. Dies setzt steigende Reallöhne und eine breite Schaffung von Arbeitsplätzen voraus. Fehlen diese Säulen, verliert das Umsatzwachstum an Dynamik, während der Margendruck zunimmt.
Analysten, die für 2026 ein zweistelliges Gewinnwachstum prognostizieren, unterstellen eine nachfragegetriebene Wirtschaft, ohne dass das hierfür notwendige Einkommenswachstum erkennbar ist. Dieses Annahmengefüge wirkt zunehmend fragil. Ohne reales Wirtschaftswachstum würden Gewinne stärker aus Financial Engineering oder Kostensenkungen resultieren – und nicht aus organischer Expansion.
Die Märkte preisen derzeit einen Nachfrageschub ein, den die Beschäftigungsdaten bislang nicht bestätigen. Sollte diese Diskrepanz bestehen bleiben, dürfte die Wall Street gezwungen sein, ihre Gewinnerwartungen nach unten anzupassen.
Fragile Bewertungen
Der letzte Punkt ist dabei entscheidend. Die aktuellen Bewertungen – mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund dem 22-fachen der erwarteten Erträge und damit nahe zyklischer Höchststände (des S&P 500) – implizieren ein anhaltend starkes Gewinnwachstum sowie dauerhaft niedrige Diskontsätze. Beide Annahmen sind jedoch keineswegs gesetzt.
Bleibt das Wirtschaftswachstum hinter den Erwartungen zurück, dürften Gewinnrevisionen die Folge sein. Historisch haben die Unternehmensgewinne dem Konjunkturzyklus in der Regel mit Verzögerung nachgegeben. Schwächt sich der Konsum ab, verliert auch das Umsatzwachstum an Dynamik. In der Folge geraten die Margen unter Druck – insbesondere bei Unternehmen mit hohen Arbeits- oder Finanzierungskosten.
Vor dem Hintergrund der geringen Marktbreite und der starken Konzentration auf Mega-Caps liegt das Marktrisiko daher in einer abrupten Neubewertung dieser optimistischen Erwartungen.

Die Kreditrisikoprämien stehen über alle Anlageklassen hinweg unter Druck – von Hochzins- bis hin zu Investment-Grade-Anleihen. Das spiegelt den verbreiteten Glauben wider, dass die Fed die Lage unter Kontrolle hat und die geldpolitische Lockerung weiter voranschreiten wird. Sollten diese Überzeugungen ins Wanken geraten, dürfte die Volatilität unweigerlich zurückkehren.
Derzeit preisen die Marktteilnehmer kein Szenario ein, in dem sämtliche Risikoanlagen gleichzeitig unter Druck geraten – einschließlich Aktien, Kryptowährungen, Edelmetallen und internationalen Märkten.
Was das für die Anleger bedeutet
Das zentrale Marktrisiko für Anleger ist dabei kein abruptes Szenario wie im Jahr 2008. Deutlich wahrscheinlicher ist vielmehr eine längere Phase unterdurchschnittlicher Renditen. Diese dürfte vor allem auf enttäuschende Gewinnentwicklungen, schwaches Wachstum und eine schrittweise Kompression der Bewertungsniveaus zurückzuführen sein. Derzeit gehen viele Marktanalysten weiterhin von einer Fortsetzung des Aufwärtstrends aus. Diese Einschätzung könnte jedoch ins Wanken geraten, sollte die Konjunktur stagnieren und sich der „Weg des geringsten Widerstands“ von steigenden Kursen hin zu einer Seitwärtsbewegung oder sogar einer Korrektur verlagern.
Vor diesem Hintergrund sollten Anleger das Risiko in ihren Portfolios kontinuierlich überwachen und kritisch bewerten.
Eine Überprüfung von Positionen mit hohen Bewertungsmultiplikatoren sowie von übermäßig konzentrierten Sektorallokationen ist dabei essenziell. Zwar treibt der Technologiesektor weiterhin die Indexperformance, doch die Bewertungen sind ambitioniert. Sollten sich die Wachstumserwartungen als zu hoch erweisen, dürften die Erträge nicht ausreichen, um diese Niveaus zu rechtfertigen. Ähnliches gilt für zyklische Konsumtitel, deren Entwicklung stark von einer unsicheren Verbrauchernachfrage abhängt.
Eine defensivere Ausrichtung kann sinnvoll sein – mit einem stärkeren Fokus auf freien Cashflow, solide Bilanzen, verlässliche Dividenden und Preissetzungsmacht. Ergänzend kann die Beimischung von Anleihen dazu beitragen, Kapital zu schützen und stabile Erträge zu generieren. In Phasen steigender Risikoaversion greifen Anleger erfahrungsgemäß verstärkt auf Bonds zurück, um die Volatilität im Portfolio zu reduzieren. Eine rechtzeitige Positionierung kann sich in einem Korrekturumfeld positiv auf die Gesamtrendite auswirken.
Liquidität sollte dabei stets Priorität haben. Kehrt die Risikoaversion zurück, können sich die Liquiditätsbedingungen rasch verschärfen. Anleger sollten daher auch ein Szenario berücksichtigen, in dem Risikoanlagen – darunter Aktien, Rohstoffe, Metalle und Kryptowährungen – im Zuge einer breiten Risikokorrektur deutlich an Wert verlieren.
Ein umsichtiger Ansatz besteht darin, die Gewichtung narrativ getriebener Vermögenswerte zu reduzieren und die Allokation in Qualitätswerte zu erhöhen. Bevorzugt werden sollten Sektoren mit stabilen Erträgen, geringer Verschuldung und verlässlichen Dividenden. Bargeld wird dabei häufig unterschätzt: In einem Umfeld positiver Realrenditen und potenziell steigender Volatilität schafft Liquidität die Voraussetzung, attraktive Chancen konsequent nutzen zu können.
Die kommenden zwei Jahre werden die These der sanften Landung auf eine harte Probe stellen. Sollten Wachstum und Gewinne hinter den Erwartungen zurückbleiben oder die Inflation erneut anziehen, sind Rücksetzer an den Märkten wahrscheinlich. Diese müssen nicht zwangsläufig dramatisch ausfallen, könnten jedoch für jene schmerzhaft werden, die ihre Portfolios zu stark am aktuellen Konsens ausgerichtet haben.
Die zentrale Strategie für langfristigen Anlageerfolg bleibt daher unverändert: Bewertungsdisziplin, ein hohes Maß an Risikobewusstsein und die Bereitschaft, gängige Marktüberzeugungen kritisch zu hinterfragen.
