Börse 2026: Diese 5 Charts zeigen Anlegern die nächste Richtung

Veröffentlicht am 02.01.2026, 07:56

Wichtigste Erkenntnisse

  • Marktbreite und Risikobereitschaft liefern frühe Hinweise darauf, ob der Bullenmarkt in eine reifere Phase eintritt.
  • Zentrale Intermarket-Kennzahlen zeigen, wo sich die Marktführerschaft im neuen Jahr herausbilden könnte - oder an Dynamik verliert.
  • Von US-Aktien bis Europa macht die Kursentwicklung deutlich, welche makroökonomischen Trends tatsächlich relevant sind.

Es ist Zeit, die Glocke an der New York Stock Exchange zu läuten.

Das Börsenjahr 2025 liegt hinter uns, und der Markt ist bereits im neuen Jahr angekommen. Während die Anleger noch auf die Wirtschaftsdaten für den Monat Dezember warten, haben die Kurse den Startschuss längst gehört. In der Summe präsentieren sich die globalen Aktienmärkte gut gerüstet für das traditionell anspruchsvolle Zwischenwahljahr.

Der S&P 500 legte um mehr als 15 % zu, während der breitere US-Aktienmarkt auf Basis der Gesamtrendite nahezu 20 % erreichte. Aktien außerhalb der USA verzeichneten sogar ihr stärkstes Jahr seit 2009, mit einem Plus von rund 32 % inklusive Dividenden.

Doch diese Entwicklung gehört nun zur Vergangenheit. Der Blick richtet sich nach vorn - auf das, was 2026 prägen dürfte. Vor diesem Hintergrund lohnt es sich, die entscheidenden Signale für die Reifephase dieses Bullenmarktes genauer zu betrachten. Im Fokus stehen dabei fünf zentrale Charts, die Aufschluss darüber geben, wie stabil und tragfähig der aktuelle Marktzyklus tatsächlich ist.

1. VXF/SPY: Der erweiterte US-Markt vs. S&P 500

Frühere Markthochs - ebenso wie Phasen, in denen der Markt nur knapp einer Baisse entgangen ist - haben eines klar gezeigt: Marktbreite ist entscheidend. Sowohl vor dem Hoch im Februar 2020 als auch im Vorfeld des Abschwungs im Jahr 2022 verschlechterte sich die Breite des US-Aktienmarktes deutlich. Die zentrale Frage lautet daher: Wie ist die Lage heute?

Ein Blick auf das Verhältnisdiagramm zwischen dem Vanguard Extended Market ETF, der alle US-Unternehmen außerhalb des S&P 500 abbildet, und dem SPDR S&P 500 ETF liefert eine ernüchternde Antwort. Der Relative-Strength-Chart markiert seit Jahren niedrigere Hochpunkte und signalisiert damit anhaltende Underperformance des breiteren Marktes gegenüber den Large Caps.

Technisch besonders relevant ist die Unterstützungszone um 0,3. Ein nachhaltiger Bruch unter dieses Niveau wäre als negatives Signal für die Marktbreite zu werten. Für technisch orientierte Anleger gilt dabei eine einfache Regel: Der Trend hat Vorrang - und genau dieser Trend liefert derzeit wenig Anlass für Optimismus.

VXF/SPY-Ratio - Tageschart
Der VXF hinkt dem S&P 500 seit Jahren hinterher. Quelle: StockCharts.com.

2. SPHB/SPLB: S&P 500 High Beta vs. S&P 500 Low Volatility

Das dritte Börsenjahr in Folge mit zweistelligen Gewinnen für den S&P 500 wurde maßgeblich durch eine Rally bei High-Beta-Aktien getragen, die vom sogenannten „Tag der Befreiung“ bis weit in den Dezember hinein anhielt. Während sich das VXF/SPY-Verhältnis bislang allenfalls verhalten präsentiert, ist seit dem zweiten Quartal eine zunehmende Risikobereitschaft am Markt zu beobachten - ein zentraler Baustein für einen funktionierenden Ausweitungs-Trade.

Der High-Beta-Komplex besteht zu rund 40 % aus Technologieunternehmen, wobei die größten Positionen nicht von den bekannten Schwergewichten wie NVIDIA (NASDAQ:NVDA) oder Apple (NASDAQ:AAPL) dominiert werden.

Da es sich beim SPHB um ein modifiziertes, gleichgewichtetes Produkt handelt, wird die Entwicklung nicht von wenigen Einzeltiteln verzerrt. Auch hier gilt: Breite ist entscheidend. Im entsprechenden Verhältnisdiagramm zeigt der Trend aktuell klar nach oben und nach rechts - ein weiteres Argument auf der Seite der Bullen.

SPHB/SPLV-Ratio - Tageschart
Risikofreude: 2025 - ein starkes Jahr für High-Beta-Aktien. Quelle: StockCharts.com.

3. RSPD/RSPS: S&P 500 Equal Weight Consumer Discretionary vs. S&P 500 Equal Weight Consumer Staples

Als nächstes auf der Liste der wichtigsten Charts für 2026 rückt der Verbrauchersektor in den Fokus. Auch hier findet sich ein Argument zugunsten der Bullen: Der gleichgewichtete Discretionary-Index hat sich seit Juni 2022 deutlich besser entwickelt als der gleichgewichtete Staples-Index. Bemerkenswert ist dabei der zeitliche Vorlauf - diese relative Stärke zeigte sich rund vier Monate vor dem Tief des S&P 500 im selben Jahr und unterstreicht damit seinen Charakter als Frühindikator.

Für Marktanalysten ist es entscheidend, mit den gleichgewichteten Versionen der Verbraucher-ETFs zu arbeiten. Der Grund: Schwergewichte wie Tesla (NASDAQ:TSLA) und Amazon (NASDAQ:AMZN) dominieren die kapitalgewichteten Indizes für zyklische Konsumwerte und die entsprechenden ETFs in erheblichem Maße. Bei Tesla steht dabei weniger der klassische Konsum im Vordergrund, sondern vielmehr Themen wie künstliche Intelligenz und Robotik, während bei Amazon insbesondere Amazon Web Services als Indikator für die fundamentale Stärke des Konzerns gilt.

Large-Cap-Basiskonsumgüter hingegen hatten mit der Schwäche der Verbraucher im unteren Preissegment sowie mit anhaltenden Zollängsten zu kämpfen. Ob dieser Gegenwind im Jahr 2026 nachlassen wird, bleibt offen. Klar ist jedoch: Erste Hinweise dürften sich nicht in Prognosen, sondern in der Kursentwicklung zeigen. Wie so oft gilt daher, auf technische Signale zu warten - und nicht zu raten.

RSPD/RSPS-Ratio - Tageschart
Seit Juni 2022: Zyklische Konsumgüter stark, Basiskonsumgüter schwach. Quelle: StockCharts.com.

4. NYSE Advance-Decline Index

Der vielleicht aussagekräftigste Indikator für die Marktbreite ist die kumulative Advance-Decline-Linie (A/D) der New York Stock Exchange. Sie basiert auf den Nettoanstiegen am Markt, also der Differenz zwischen steigenden und fallenden Aktien (A/D-Linie = Anzahl gestiegene Aktien - Anzahl gesunkene Aktien). Als kumulativer Indikator steigt die Linie, wenn die Nettoentwicklung positiv ist, und fällt entsprechend bei negativen Werten. Entscheidend ist dabei vor allem eines: Bestätigung.

Erreicht die kumulative A/D-Linie der NYSE neue Höchststände und markieren entweder der NYSE Common Stock Only Index oder der S&P 500 ebenfalls Rekordwerte, sprechen technische Analysten vom klassischen Goldilocks-Szenario - nicht zu heiß, nicht zu kalt, sondern genau richtig.

Und genau hier wird es interessant: Die kumulierte A/D-Linie erreichte kurz vor dem Jahreswechsel ein neues Hoch.

Zählt man die bisherigen Signale zusammen, ergeben sich bislang drei bullische Charts und ein leicht bärischer. Bleibt die Frage nach dem fünften und letzten Indikator. Um diesen zu beurteilen, müssen wir den Blick jedoch über die USA hinaus richten.

NYAD Index - Chart
Die kumulative A/D-Linie der NYSE steigt, während am Times Square das Neue Jahr eingeläutet wird. Quelle: StockCharts.com.

5. Der DAX-Index

Die europäischen Aktienmärkte legten im Jahr 2025 einen dynamischen Start hin - zumindest im relativen Vergleich zum US-Aktienmarkt. Besonders Deutschland stach hervor: Von November 2024 bis Mitte März dieses Jahres verzeichnete der Markt eine der stärksten Alpha-Phasen seiner Geschichte.

Seit dem zweiten Quartal hat der größte Aktienmarkt Europas jedoch wieder an Boden verloren und liegt gegenüber US-Aktien zurück. Das vierte Quartal blieb richtungslos, da sich im Vergleich zwischen Deutschland und den USA kein klarer Gewinner herauskristallisierte.

Aus zyklischer Sicht wäre eine erneute Führungsrolle Deutschlands wünschenswert - nicht zuletzt aufgrund der starken Gewichtung in Industrie- und Finanzwerten. Voraussetzung dafür ist jedoch ein technischer Befreiungsschlag: Der DAX muss zunächst sein Rekordhoch bei 24.800 Punkten überwinden. Auf Basis der aktuellen Handelsspanne würde ein nachhaltiger Ausbruch ein Aufwärtspotenzial in Richtung 26.800 Punkte eröffnen.

Unterstützend wirkt dabei der RSI-Momentum-Oszillator, der sich aktuell in einer konstruktiven Spanne zwischen 35 und 70 bewegt. Zudem deutet der relative DAX:SPX-Chart darauf hin, dass sich hier eine Bodenbildung vollziehen könnte – mit der Chance auf eine relative Trendwende im Jahr 2026 gegenüber dem S&P 500.

Eine erneute Phase, in der non-US-Märkte die Führung übernehmen, wäre aus Sicht global diversifizierter Investoren eine ausgesprochen positive Entwicklung.

DAX Index - Tageschart
Deutsche Aktien konsolidieren, neutrale relative Stärke seit September. Quelle: StockCharts.com.

Fazit

Ich verfolge diese fünf technischen Charts, um frühzeitig Hinweise auf mögliche makroökonomische Entwicklungen zu erhalten - ein Ansatz, den ich Anlegern ebenfalls nahelege. Gerade für die Portfolio-Allokation liefern solche Intermarket- und Intramarket-Analysen häufig deutlich mehr Erkenntnisse als der isolierte Blick auf den S&P 500.

Haftungsausschluss: Dieser Blog dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Einschätzungen und Strategien sollten nicht ohne eine sorgfältige Prüfung der individuellen finanziellen Situation oder ohne Rücksprache mit einer qualifizierten Finanzfachkraft umgesetzt werden.

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