Börsenpower pur: Vier Signale, die gegen den Aktien-Crash sprechen

Veröffentlicht am 14.08.2025, 07:45

Zölle sind zurück. Die Verbraucher kämpfen. Und der August gilt historisch als der schwächste Monat für Aktien.

Solche Schlagzeilen sind Ihnen in diesem Sommer vermutlich schon begegnet. Sie sind oft so aufgebaut, dass sie erst mit einem lauten Alarmruf Aufmerksamkeit erregen – und dann mit einem besorgten Zitat enden, meist von jemandem, der den letzten Bullenmarkt verpasst hat.

Ich halte mich lieber an eine andere Regel: Folge den Trendlinien, nicht den Schlagzeilen.

Denn blendet man den Alarmismus aus und konzentriert sich auf die Daten, zeigt sich ein anderes Bild: Der Markt ist robust – und das sollten Anleger nicht übersehen.

Aktienrückkäufe boomen

Beginnen wir mit Aktienrückkäufen. Unternehmen investieren nur dann große Summen in den Rückkauf eigener Aktien, wenn sie überzeugt sind, dass diese unterbewertet sind – oder zumindest, dass dieses Geld dort besser angelegt ist, als es auf einem Bankkonto liegen zu lassen.

Allein im Juli haben US-Unternehmen Rückkäufe im Rekordwert von 166 Milliarden US-Dollar angekündigt. Das ist die höchste jemals für einen Juli gemeldete Summe – und mehr als doppelt so viel wie der bisherige Juli-Rekord aus dem Jahr 2006.

Aktienrückkäufe in den USA – monatliche und seit Jahresbeginn verzeichnete Trends

Seit Jahresbeginn summieren sich die Rückkaufankündigungen auf fast 926 Milliarden US-Dollar – und damit liegen wir über dem bisherigen Rekordtempo. Angeführt wird diese Entwicklung von Finanz- und Technologieriesen, die vor Liquidität strotzen und überzeugt sind, dass der Markt sie langfristig belohnen wird.

Zwar erreichte das Rückkaufvolumen seinen Höhepunkt bereits früher im Jahr und ist seither leicht zurückgegangen. Doch es liegt weiterhin auf einem historisch hohen Niveau – und genau das ist der entscheidende Punkt.

Der IPO-Markt ist zurück

Kommen wir zu den Börsengängen. Nach einigen ruhigen Jahren läuft der IPO-Motor wieder rund – ein positives Signal für die Anlegernachfrage.

Bis heute gab es im Jahr 2025 bereits 204 IPOs – über 80 % mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Und das Beste: Die Qualität dieser Börsengänge nimmt zu. Anders als beim SPAC-Rausch von 2021 setzen die aktuellen IPOs auf echtes Wachstum und solide Profitabilität.

US-Börsengänge und Kapitalbeschaffung – 2024–2025

Allein im zweiten Quartal wurden über 59 IPOs rund 15 Milliarden US-Dollar eingesammelt – ein Plus von 34 % gegenüber dem ersten Quartal. Im globalen Vergleich, wo das Bild gemischt ist, liegt die USA damit deutlich vorn.

Erwartet man wirklich eine Marktschwäche, wenn so viel Kapital in neue Aktien fließt? Würden milliardenschwere Start-ups in diesem Umfeld in solcher Zahl den Börsengang wagen?

Auch hier spricht die Trendlinie Bände. Lassen Sie sich von dem medialen Narrativ nichts anderes einreden.

Das smarte Geld investiert weiter – in ETFs

Gleichzeitig fließt weiter Kapital von Privatanlegern und institutionellen Investoren in ETFs. Das in US-ETFs verwaltete Vermögen kratzte im vergangenen Monat an der 12-Billionen-US-Dollar-Marke – allein 116 Milliarden US-Dollar an frischen Mitteln kamen hinzu.

Aktiv verwaltete ETFs verzeichneten im Juli Rekordzuflüsse von 44,8 Milliarden US-Dollar – so viel wie nie zuvor. Das zeigt: Immer mehr Anleger setzen gezielt auf aktiv gemanagte, thematische Schwerpunkte – ob Verteidigung, Gold, Energie oder KI.

Laut Morningstar machen aktive ETFs inzwischen fast 10 % des gesamten ETF-Marktes aus – ein gewaltiger Sprung von unter 1 % vor gerade einmal 15 Jahren.

Starke Earnings, noch stärkere Trends

Wer noch mehr Belege dafür braucht, dass der Markt die Untergangserzählungen nicht mitträgt, sollte einen Blick auf die Unternehmensgewinne werfen.

Rund zwei Drittel der S&P 500-Unternehmen haben ihre Q2-Zahlen vorgelegt – und mehr als 80 % davon die Gewinnerwartungen übertroffen. Das liegt nicht nur über dem Fünfjahresdurchschnitt, sondern ist auch die höchste Quote seit 2021. Im KI-getriebenen Technologiesektor lagen sogar über 90 % über den Prognosen.

Für das dritte Quartal haben die Analysten von FactSet ihre Gewinnschätzungen je Aktie (EPS) angehoben – und das trotz anhaltender makroökonomischer Gegenwinde.

Zölle bremsen, aber sind kein Todesurteil

Damit zu diesen Gegenwinden: Zölle sind zurück – und zwar deutlich.

Der durchschnittliche effektive US-Zollsatz liegt derzeit bei 18,3 % – dem höchsten Stand seit der Großen Depression. Das zeigt sich bereits in den Preisen: Laut dem Budget Lab der Yale University könnten die Verbraucherpreise um 1,8 % steigen und Durchschnittshaushalte jährlich mit rund 2.400 US-Dollar zusätzlich belastet werden.

Doch Märkte passen sich an. Unternehmen verlagern Lieferketten, Verbraucher weichen auf Ersatzprodukte aus. Zölle sind Sand im Getriebe – aber kein Totalschaden.

Einige Branchen könnten sogar vom „Reshoring“ und neuen Industrieinvestitionen profitieren. Außerdem waren die Zölle lange angekündigt, sodass sich die Märkte darauf einstellen konnten.

Ich will das Risiko nicht kleinreden – aber es lohnt sich, auf die Marktreaktion zu achten, nicht nur auf die Schlagzeilen.

Saisonale Volatilität ist eben saisonal

Zum Schluss ein Wort zur Saisonalität.

Ja, August und September sind für Aktien oft wackelige Monate. Die durchschnittlichen Renditen sind schwächer, und mit geringerer Liquidität im Sommer kann jede schlechte Schlagzeile die Volatilität hochschießen lassen.

S&P 500 – Durchschnittliche Monatsrenditen – Saisonalitätsmuster

Die entscheidende Frage für langfristige Anleger lautet: Selbst wenn Sie wüssten, dass der Markt nächsten Monat um 10 % fällt – würden Sie heute verkaufen?

Vermutlich nicht. Denn damit riskieren Sie, die Erholung zu verpassen – und obendrein müssten Sie Steuern zahlen.

Zur Erinnerung: Der S&P 500 stieg 2023 um 26 %, 2024 um weitere 25 %. Im laufenden Jahr 2025 liegt das Plus bislang bei 8 % bis 9 %. Das ist der Effekt von langfristigem Zinseszinseffekt im Portfolio.

Jeden kleinen Abschwung vermeiden zu wollen, ist ein sinnloses Unterfangen. Investiert zu bleiben – und diszipliniert – schlägt Markttiming fast immer.

Blenden Sie den Lärm aus

Es ist leicht, sich von negativen Schlagzeilen mitreißen zu lassen – genau dafür sind sie gemacht: damit Sie klicken und Werbung sehen.

Unsere Aufgabe als Anleger ist es, auf die Daten zu schauen, nicht auf das Drama.

Und was sagen die Daten im Moment?

  • Unternehmen zeigen Selbstvertrauen – siehe Rückkäufe.

  • Die Kapitalmärkte laufen – siehe IPOs.

  • Anleger sind engagiert – siehe ETF-Zuflüsse.

  • Unternehmen liefern – siehe Gewinne.

Ja, Risiken gibt es immer. Aber die zugrunde liegenden Trends sprechen für mich klar: Widerstandskraft und Stärke.

Also: Ignorieren Sie die Schlagzeilen. Folgen Sie den Trendlinien.

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Der Artikel wäre gar nicht schlech, wenn er nicht so überheblich beginnen würde
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