Breite Kurserholung im S&P 500 – technische Panikstimmung ebbt ab

Veröffentlicht am 02.05.2025, 07:53

Noch vor wenigen Tagen warnten einige Marktbeobachter davor, dass Trumps Zollstreitigkeiten möglicherweise in einem sogenannten „Death Cross“ beim S&P 500 und dem Nasdaq 100 enden könnten.

Diese Formation entsteht, wenn der 50-Tage-Durchschnitt unter den 200-Tage-Durchschnitt fällt (siehe Grafik). In der technischen Analyse gilt das als Warnsignal für mögliche Kursrückgänge.

Tatsächlich hat das sogenannte Todeskreuz in der Vergangenheit öfter auf bevorstehende Abschwünge hingedeutet – aber längst nicht immer. Nicht jedem dieser Signale folgte auch tatsächlich ein größerer Einbruch.

S&P 500

Aktuell verweisen einige Marktbeobachter auf einen bullischen Zweig Breadth Thrust – ein technischer Indikator, der von Martin Zweig entwickelt wurde.

Der Breadth Thrust misst die Marktbreite, indem er den Anteil der steigenden Aktien an der Gesamtzahl aller gehandelten Aktien (steigend und fallend) über einen Zeitraum von zehn Tagen analysiert.

Von einem „Thrust“ oder Schub spricht man, wenn dieser Anteil innerhalb von zehn Tagen schnell von unter 40 % auf über 61,5 % ansteigt – das gilt als Signal für eine mögliche Markterholung.

Eine verwandte Methode misst den Prozentsatz der S&P-500-Unternehmen mit positiven Veränderungen gegenüber dem Vorjahr (siehe Grafik).

Seit dem 8. April – dem Tag vor der 90-tägigen Verschiebung des „Liberation Day“ durch Präsident Donald Trump – zeigt dieser Indikator eine solide Entwicklung.

Seit Ende letzten Jahres gehen wir davon aus, dass es in der ersten Jahreshälfte zu einer „uneinheitlichen“ Korrektur kommen könnte – vor allem, weil Anleger die Auswirkungen der zweiten Trump-Präsidentschaft bewerten. Genau dieses Bild spiegelt sich aktuell auch in den Charts wider.

Fairerweise muss man sagen: Die Märkte haben auf die Zollturbulenzen etwas heftiger reagiert, als wir erwartet hatten. Deshalb haben wir unser Jahresendziel für den S&P 500 bereits im März von 7000 auf 6000 gesenkt.

Unsere längerfristigen Kursziele bleiben jedoch bestehen: 7000 für 2026, 8000 für 2027, 9000 für 2028 und – nach wie vor – 10.000 für das Jahr 2029.

Ein Blick auf die aktuelle Korrektur im S&P 500 zeigt einige interessante Punkte:

(1) Zwischen dem 19. Februar und dem 8. April fiel der Index um 18,9 % (siehe Abbildung). Seitdem hat er sich um 10,9 % erholt und liegt damit aktuell nur noch 10,1 % unter seinem Höchststand vom 19. Februar. Angesichts der Rahmenbedingungen ist das eine durchaus respektable Entwicklung.

(2) Die „Glorreichen 7“ haben den Abwärtstrend in der Korrektur angeführt (siehe Abbildung). Inzwischen sind sie aber wieder auf dem Weg nach oben.

Die Sorgen rund um KI-Investitionen haben sich inzwischen gelegt – sie bleiben stark, weil die Nachfrage nach Cloud-Computing weiter zunimmt und damit auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz wächst.

Glorreiche 7 - Aktienkurse

(3) Branchenanalysten haben ihre Wachstumserwartungen für die Unternehmensgewinne im S&P 500 für die verbleibenden drei Quartale dieses Jahres nach unten angepasst (siehe Abbildung).

Der Grund: Es wächst die Sorge, dass es in der zweiten Jahreshälfte zu einer Rezession kommen könnte – vor allem, wenn der Zollkonflikt zwischen den USA und China nicht bald beigelegt wird.

Trotzdem könnten Aktienanleger bereits über das kurzfristige Umfeld hinausblicken – in der Hoffnung auf bessere Perspektiven im Jahr 2026.

(4) Auch ihre Gewinnprognosen für den S&P 500 im laufenden und im kommenden Jahr passen die Branchenanalysten derzeit nach unten an (siehe Abbildung).

Die Forward Earnings – also die erwarteten Gewinne – hatten Ende März ein Rekordhoch erreicht. Seither sind sie bis zur letzten Aprilwoche zurückgegangen.

Der jüngste Kursanstieg am Aktienmarkt lässt sich also nicht mit besseren Gewinnperspektiven erklären, sondern allein durch ein steigendes Kurs-Gewinn-Verhältnis.

Möglicherweise beginnen die Anleger, schon jetzt eine Neuauflage unseres „Roaring 2020s“-Szenarios einzupreisen – mit einem kräftigen Produktivitätsschub ab 2026, getragen von technologischer Innovation.

(5) Das Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnis (Forward-P/E) der „Glorreichen 7“ ist seit Jahresbeginn deutlich gesunken – von 30,0 auf 21,7 am 8. April (siehe Abbildung).

Im gleichen Zeitraum fiel das Forward-P/E des S&P 500 von 22,4 auf 19,2. Beim XMAG ging es von 18,6 auf 17,8 zurück.

Auf diesem Bewertungsniveau kann man nicht sagen, dass Aktien günstig sind – vor allem nicht, wenn tatsächlich eine Rezession bevorsteht.

Wenn man aber davon ausgeht, dass die aktuelle Schwächephase in den kommenden Jahren – etwa ab 2026 – in ein stärkeres Wachstum übergeht, dann erscheinen die Bewertungen angemessen. Genau das ist unser Szenario.

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